Ganz anders

Wenn Hanne nicht da ist, sieht der Tagesablauf von Christoph und mir ganz anders aus. Gestern zum Beispiel waren wir bis nach 17h im Büro. Beide.

Heute Vormittag sind wir erst um 9h aufgestanden und sind jetzt online. Beide. Gleichzeitig! Es liegen keine Murmeln, Legosteine, Barbies, Bauklötze, Kuscheltiere, Bücher, Stifte, Malblöcke auf dem Wohnzimmerboden – dafür steht das dreckige Geschirr von gestern noch auf dem Tisch. Und wir hören nicht „Conni macht Musik“, sondern tatsächlich Radio. Und wie immer, wenn sie nicht da ist, frage ich mich, was wir eigentlich Pre-Hanne an einem Feiertag gemacht haben? Aber Großelternzeit ist wichtig und ich weiß, dass sie ganz viel Spaß in G. hat. Ich bin allerdings froh, dass sie mit uns telefoniert.  Meistens sprechen wir abends noch kurz miteinander, wie ihr Tag war. Das macht mich ganz froh, da sie sonst schon wegläuft, wenn sie merkt, dass Oma oder Opa anrufen und sicherlich die Frage kommt, ob sie mal Hallo sagen will. Will sie nicht, nein. Nie. Mhh-mhh mit Kopfschütteln. Aber wenn sie dann zu mir am Telefon „Hallo Mama“ sagt und ernsthaft zu erzählen anfängt, ertappe ich mich dabei bis über beide Ohren zu lächeln.

Ella strampelt und tobt wie jeden Morgen und jeden Abend. Sie ist jetzt ja auch schon knapp 40cm groß und nimmt pro Woche ungefähr 200g zu. Da machen sich Tritte ganz schön bemerkbar. Meine BZ-Werte sind super, solange ich gewisse Regeln einhalte. An manchen Tagen geht das einfacher als an anderen, immer abhängig davon, wie viel ich zu tun habe und ob ich beispielsweise überhaupt mittags dazu komme, etwas zu essen. Ich gehe nach Absprache mit Christoph und meinen Eltern gegen den Rat meiner Ärztin und spritze mich nicht, da ihre mit Spritzen angestrebten Werte bei einem regelmässigen Tagesablauf gut einzuhalten sind. Den Ergebnissen auf dem BZ-Gerät kann ich ohnehin nicht trauen. Nicht nur, dass 4 Geräte bei ein und demselben Blutstropfen 4 völlig unterschiedliche Werte anzeigen, auch mein Gerät hier zu Hause zeigt an 2 Fingern innerhalb von ein paar Sekunden Unterschiede von bis zu 30. Und da soll ich die Werte ernstnehmen?

Sooooo. Wer bringt mich heute in den Kindergarten?

Das war das erste, was ich heute morgen von meiner Tochter gehört habe. Es ist schön zu wissen, dass sie sich dort gerade richtig wohl fühlt und immer bis nachmittags bleiben will. Auch Turnen findet sie momentan nicht mehr „scheiße“, sondern „es macht ein bisschen Spaß“. Diese Sache werde ich weiterverfolgen, da wir ja immer noch nicht genau wissen, warum sie keine Lust auf das Donnerstagsturnen mit dem KiGa hat. Unsere Vermutungen variieren zwischen 1. Sie hat nicht genug Zeit, sich an einige Sachen heranzutrauen und sieht aber, dass die Großen das schon alles locker können und 2. Es ist ihr einfach zu laut. In der Dreifachturnhalle sind zu dieser Zeit alle Bereiche belegt und laut kann sie gar nicht leiden. Trotz ihrer sonst so kommunikativen Art bekommen wir fürs Turnen einfach keine klare Aussage. 

Um die Frage zu beantworten: Christoph hat sie heute gebracht, ich werde sie abholen. Arbeitsteilung wird bei uns ganz groß geschrieben, das ist natürlich wunderbar. Hanne verhandelt auch schon ganz schön: „Mama bringt mich ins Bett, dafür darf Papa mich dann morgen in den Kindergarten bringen!“ 

Und dann waren wir beim Organultraschall. Zwanzigste Woche schon?! Die Zeit kriecht für mich von Ultraschall zu Ultraschall, aber das wir die Hälfte bereits hinter uns haben, kommt mir so unwirklich vor. Und alles ist gut – Herz, Niere, Magen, Hirn, Kleinhirn, 5 Finger an jeder Hand, keine Lippenspalte, der Rücken ist geschlossen, Größe (genau 22 cm vom Kopf bis zu den Zehen) und Kopfumfang. Und was es wird, wissen wir jetzt auch schon. Ich fühle mich bestätigt in meiner Annahme, dass Mütter „sowas einfach wissen“. Bei Hanne war es mir auch völlig klar, und bei Kind No2 nun auch. Ich freu mich!