Vorgarten

Es regnet den halben Tag. Hanne und ich machen später im Vorgarten kurzen Prozess mit irgendwie allem und fahren die Grünabfallsäcke danach direkt zum Entsorgungshof. Obwohl wir versucht haben, nur die Schreckensherrschaft des Giersch einzudämmen, haben wir sicherlich auch einiges anderes mit rausgerissen. Hanne hat im Anschluss noch irgendwas anderes gesät, was wir noch in der Garage hatten. Mal schauen.

Christoph war mit Ellie in der Stadt. Die beiden haben nach Klamotten geguckt und ein paar Schuhe gefunden.

Nachtrag: Gestern waren sie nachmittags im Nettebad und haben es sehr genossen, wieder Schwimmen gehen zu können.

Zeugnisessen

Heute gibt’s Zeugnisse! Was haben wir diesen Tag herbeigesehnt.

Schon immer zog sich so ein Schuljahr zum Ende hin gefühlt extrasperriglang, aber dieses Mal war es aus Gründen einfach noch viel zehrender für alle. Trotz unserer persönlichen, den Homeschoolingalltag erleichternden Umstände sind wir alle begierig in die Sommerferien zu starten, Anwesenheitspflichten und Arbeitslasten drastisch zu reduzieren und zwischendurch auch mal das zu machen, worauf wir wirklich Lust haben. Mal gar nichts, mal viel davon.

(Unsere mildernden Umstände: Wir haben alle 4 einen eigenen Arbeitsbereich, der sogar in den meisten Fällen mit einer zu schließenden Tür einhergeht. Ich konnte zu Beginn der Pandemie problemlos ein leistungsstärkeres, neues Laptop für mich kaufen, so dass jede:r ein eigenes Endgerät zur Verfügung hatte; anders nicht auszudenken. Die Mädchen waren und sind schon groß, sie können sich selbst beschäftigen, so dass wir Erwachsenen haben fast normal arbeiten können. Sie regeln die Kommunikation mit Lehrer:innen selbst, sind gute Schülerinnen und auch in der Pandemie gut mitgekommen. Und trotzdem, trotzdem, trotzdem.)

Normalerweise gehen wir zum Zeugnisessen ins America Latina, aber das gibt’s nicht mehr. Der neue Laden an selber Stelle öffnet erst um 17h, daher radelten wir heute zum Mocca D’Or, das ist ohnehin immer eine gute Idee und die Mädchen waren da noch nie.

Im Innenhof mussten wir uns erst mit der Luca App registrieren, saßen schön auf Abstand zu den anderen Gästen und es gab Trennwände samt Sichtschutz.

Die Pizza ragt immer noch über den Tellerrand, Christoph bestellt immer noch eine „Lucia“.

Kugelrund rollern wir heim. Die Mädchen räumen ihre Tonnis und Taschen weg und alle machen nichts, und das mit vollster Begeisterung.

Abends trifft sich Hanne auf der Promenade mit Menschen aus der Stufe, um Mitternacht muss sie zu Hause sein.

Erst die Arbeit, dann der gute Rest

Der Tag ist voll durchgetaktet, und auch für den Nachmittag haben wir Pläne.

Nach dem Aufheben der Prioritäten habe ich letztes Wochenende im Windhundverfahren für heute, 16 Uhr, für Hanne einen Impftermin im Impfzentrum ergattert. Eigentlich hat sie dienstags bis 15h45 Schule und dann würde es ein bisschen sehr knapp, aber wie so oft fallen die Nachmittagsstunden wieder mal aus, so dass sie schon um halb 2 frei hat.

Ich klappe um 15h30 den Laptop zu und wir machen uns auf den Weg. In der Halle Münsterland ist alles extrem gut durchorganisiert. Zwischen vorne rein und seitlich raus brauchen wir grade mal 30 Minuten, 15 Minuten obligatorischer Wartezeit nach dem Impfen einberechnet. Wir sitzen auf Klappstühlen vor einer Leinwand, auf der lokalpatriotische Clips von „Münster hält zusammen“ laufen, und sind die einzigen, die im Doppelpack da sind (ein Elter, ein Mensch zwischen 16 und 18) und miteinander reden. Über die Schule, Freunde, Ferien, den Gender Gap bei (Gehalts)Verhandlungen und ob das beim Reden mit Lehrer:innen auch passiert.

Das Mädchen freut sich jedenfalls sehr über die Impfung: zu Beginn des neuen Schuljahrs ist Hanne dann so sicher, wie’s aktuell eben geht.

In der Zwischenzeit war Christoph beim Test und dann beim Friseur. Die Haare wird er spenden.

Kaum zuhause machen wir uns gemeinsam wieder auf den kurzen Weg zu den weltbesten Fastnachbarn. Wir gucken uns an, wie die Mannschaft gegen England ausscheidet.

Keine Verlängerung und kein Elfmeterschießen bedeutet auch, dass wir rechtzeitig zum normalen Abendprogramm zuhause sind.

Fridays for Future

Ellie hat Gefallen an Raddemos gefunden, und so treffe ich sie heute nach Schulschluss am Bob-der-Baumeister-Spielplatz. Wir demonstrieren mit den Fridays for Future Menschen und radeln wieder im Pulk durch die Stadt.

Wir versammeln uns vor dem Schloss. Soundcheck, Menschen, Schilder, bunte Haare, kurze Jeans, Blumen, Megafone, Spendenaufrufe.

Eigentlich hatte ich vermutet, dass ich die mit Abstand Älteste sei und unangenehm auffallen würde, aber weit gefehlt: der Großteil der Mitradelnden ist zwar im Teenager- oder Studentenalter, es sind aber doch viele in meinem Alter oder (sogar noch) älter dabei. Ellie scheint mir mit ihren 11 allerdings die jüngste zu sein.

Weil so viele Teilnehmer da sind, tragen alle Masken und das ist auch gut so – in einem so engen Pulk hat niemand 1.5 Meter Abstand zu den anderen Radlern. Wir sind sowohl deutlich kürzer (4km) und sogar noch langsamer unterwegs als mit den Familien und (Klein)Kindern bei der Kidical Mass. Es ist mir ein Rätsel, und es ist total anstrengend. Auf der Promenade biegt die Radschlange links zum Schloss ab, um sich Musik, Ankündigungen und Reden anzuhören, aber Ellie und ich radeln gradeaus nach Haus.

Rückrufaktion

Unser Auto wurde zurückgerufen, irgendwas ist mit dem Kühler. Der Brief klang eilig und zeigefingererhebend, die Konsequenzen martialisch, daher habe ich direkt für heute einen Termin gemacht. Autotermine passen nie, Autos sind furchtbar langweilig und öde, aber explodieren sollten sie trotzdem bitte nicht. Heute war es also wenigstens weniger unpassend als sonst.

Ich dachte, ich könne mir was zum Arbeiten mitnehmen und einfach dort warten, aber die ganze Chose dauert vom Abstellen des Autos bis zum Abholen ungefähr 5 Stunden, und da kann ich mir doch Schöneres vorstellen. Zum Beispiel nach dem Heraussuchen von Busfahrplänen gegen mich selbst zu wetten, ob ich es in nur 70 Minuten mit dem öffentlichen Nahverkehr vom Autohaus bis zur Haustür schaffe [tat ich, trotz Umsteigens am Hbf]. Hin habe ich übrigens 13 Minuten gebraucht, aber halt mit dem Auto.

Zum Abholen frage ich dezent bei den weltbesten Fastnachbarn an. Homeoffice hat doch was für sich, D ist da und hat außerdem Zeit mich zu fahren, der Gute. Um 3 stehe ich im Vorgarten bereit.

Um 20 nach 3 lässt er mich am Autohaus raus. Um 5 bekomme ich das Auto zurück. Da hätte ich auch gleich mit dem Bus fahren können.

Deutschland – Portugal

Deutschland spielt, und wir bauen Grill und TV auf. Mit einer illustren Menschen-Mischung aus noch nicht (Kinder), einmal oder schon zweimal geimpft stellt sich so ein kleines bisschen Euphorie ein.

Mit achselzuckender Gelassenheit wird sich noch einmal durchgetestet, die Mädchen sind natürlich am routiniertesten.

Wir grillen und gucken mit Abstand. Es ist etwas unaufgeregt: wir streamen und sind bei den Toren mit dem Jubel ziemlich genau 35 Sekunden hinter unseren Nachbarn dran).

Wir sitzen in Teilen noch lange auf der Terrasse. Sehr, sehr schön, das.

Antriebsschwach

Zu heiß für irgendwas. Man könnte ja mal wieder den Rasen ….

Nee. Zu heiß.

Stattdessen der Kresse beim Wachsen zugesehen. Passt zum heutigen Energielevel.

Es ist einfach nur heiß. Die Finger kleben an der Tastatur, das Tshirt am Rücken, die Babyhaare im Nacken. Man schwitzt ohne sich zu bewegen. Drinnen ist es noch schlimmer als draußen, daher sitzen wir gemeinschaftlich auf der Terrasse und arbeiten / lernen.

Trotzdem fahren sich die Stadtradeln-Kilometer ja nicht von selbst zusammen. Heute wird es eine kleinere Runde (15km), mit längerer Wasserpause am Aasee.

Frisch gewaschen und unterwegs

Fofo müsste mal gewaschen werden, findet das kleine Mädchen, und fragt morgens, ob ich das schon am Vormittag machen könnte, damit er abends trocken genug ist um wieder mit ins Bett zu dürfen. Ich mache das zwischen zwei Kursen.

Fofo badet.

Fofo trocknet in der Sonne.

Wie bei allen Lieblingskuscheltieren sieht man auch Fofo sein Alter am Grad der Abgeschmustheit des Fells an.

Update des Wunders von Kelvedon:

Das Lilane blüht prächtig weiter.

Der Tag ist proppevoll und doch passiert nichts Berichtenswertes.

Abends ist der Beste aller Ehemänner unterwegs: Das montägliche Kneipenquiz vor Ort startet in kleinerer Runde. Ein Scheibchen Normalität.

Abends ist Fofo trocken genug, riecht aber nicht nach Fofo, sondern sauber und fremd. Das wird ihm sicher schnell weggeschmust.