Sechzehn

Wir waren um 9h zum gemeinsamen Frühstücken verabredet, die Sonne schien so schön wie das Geburtstagsmädchen strahlte.


Typische Geburtstagskerzen, zum Beispiel auch schon vor 10 Jahren.

Wir haben gesungen, Kuchen gegessen, beim Geschenkeauspacken zugeguckt und wurden alle ganz herzlich und dankbar gedrückt. Unser wundervolles großes Mädchen!

In dem Alter gibt’s ja eher eine Wunschliste als große Überraschungen – ein etwas neueres Handymodell war dabei, einige Anziehsachen, Reese’s Pieces Peanut Butter Cups und andere Kleinigkeiten.

Dann musste ich die Arbeitszimmertür hinter mir schließen, die anderen gingen einkaufen (Hanne fuhr natürlich nicht mit dem Auto, sondern mit dem Rad, Geburtstagwunsch #1!).

Als sich Oma und Opa auf den Heimweg machen, hatte es sich schon zugezogen und fängt schließlich an zu schneien, aber glücklicherweise nur kurz.

Der Patenonkel brachte flott ein Buch für’s Kratzposter vorbei und dazu eine Schutzfolie für’s neue Handy: gute Idee. Hanne findet es auch nach einem Jahr komisch, dass er nicht reinkommen kann und sie sich auch nicht mal kurz drücken können.

Wie beim Corona-Geburtstag im letzten Jahr gibt es auch heute wieder ein Paket der Freundinnen, das sie allerdings mit frisch negativem Test selbst vorbeibringen. Die Mädchen halten sich in gebührendem Abstand an der Feuerschale im Garten auf und sind giggelig und glücklich, Zeit miteinander verbringen können. Zu trinken gibt es Sekt Mate.

Für den Fall, dass sie s’mores machen möchten, hat Hanne sich an vegetarischen Marshmallows versucht, die allerdings nicht zum Einsatz kommen.

Stattdessen batiken die Mädchen (Ellie darf auch mitmachen). Sogar im Wohnzimmer hören wir sie lachen und quatschen. Das sind schon ein paar nette Menschen.

Osterferien 4

Weiter schönes Wetter, weiter einiges zu tun. Die Tulpe unter Ellies Baumhaus hat sich geöffnet. Ich mag ja Pflanzen, die immer wieder vorbeigucken, ohne das man sich um sie kümmern muss.

Der Überraschungssalat im Gewächshaus sprießt üppig.

Am späten Vormittag fragt die liebste Fastnachbarin an, ob die beiden körperlich Kleinsten in dieser Familie (=Ella + ich) spontan Lust auf den Botanischen Garten haben? Ja, bitte!

Um 13h15 sind wir da. Am Eingang knubbelt es sich etwas, aber im Garten kann man die Abstandsregeln sehr gut einhalten. Natürlich haben wir alle trotzdem unsere FFP2-Masken an.

Die beiden Kinder streifen durch die Gegend, wir beiden Erwachsenen spazieren gemütlich langsam hinterher.

Am gegenüberliegenden Ende des Teichs treffen wir uns für eine Kekspause.

Der uneinladenste, prickeligste Baum dieser Erde: die Chilenische Araukanie. Wer findet den Baum toll? Natürlich mein Mann und die liebste Fastnachbarin. Die 2, ey.

Die Kleinen laufen noch mehrfach über den Barfußpfad, dann radeln wir kurz nach 3 heim: Christoph und Ellie wollen vor den Feiertagen noch einkaufen und besorgen letzte wichtige Dinge für den in diesem Haus anstehenden 16. Geburtstag.

In der Zwischenzeit hat er die Garage aufgeräumt. Die beiden fahren gemeinsam einkaufen. Ich verwerte den trockengewordenen, übriggebliebenen halben Gugelhupf zu Rumkugel-Masse weiter.

Am Abend, man muss ja auch mal was als Familie gemeinsam unternehmen, radeln wir zum Pfarrheim, in dem zu Grundschulzeiten die Koch- und Back-AG stattfand. Ich hab uns allen Schnelltests gebucht, denn morgen kommen Christophs Eltern.

Innerhalb von 5 Minuten waren wir alle fertig, nach einer halben Stunden kamen die Testergebnisse auf’s Handy: 4x negativ.

Osterferien 3

Wetter!

Morgens begleite ich Ellie zum Supermarkt. Sie bekommt Besuch von ihrer +1 und die beiden wollen und werden einen Kuchen mit Fondantdecke backen. Das Zwischenprodukt ohne Verzierung sieht so aus:

Christoph bekommt ein sehnlich erwartetes Paket.

Bis es ankommt, arbeitet er im Garten, mäht den Rasen, reißt Haselnüsse aus und fährt den gesamten Grünabfall zum Recyclinghof.

Hanne möchte ein Kleidungsstück natürlich bleichen und braucht dafür Biozitronen. Ich begleite sie am Nachmittag zum anderen Supermarkt.

Das Internet sagt: 5 Liter Wasser, der Saft von 2 Zitronen und 100g Salz, eine Stunde einweichen und danach das Kleidungsstück in der Sonne trocknen.

Savvy or Snazzy

Ellie hat Elsa hier, die beiden backen einen Gugelhupf und toben sich mit dem Lebensmittelfarben innen und außen aus.

Zur spannendsten Süßigkeit aus Russ‘ Paket erkoren: Sweetarts, die wie der große Bruder von PEZ schmecken und mit denen man englische Adjektive lernen kann.

Priority Peperoni

Heute kam ein Paket aus Amerika an, das der Zoll nicht vor seinen Augen hat geöffnet sehen wollen.

Süßigkeiten für die Mädchen, dazu ein langer, schöner Brief, natürlich ein paar Kleinigkeiten für uns alle und ein weiteres Werkzeug in Ellies Arsenal an Messwerkzeugen! Es ist wie Weihnachten, wenn ein Paket von Russ kommt.

Christoph hatte im Baumarkt Kaktuserde besorgt und wir versuchen unser Glück mit den mittlerweile getrockneten Stümpfen.

Außerdem pflanzen wir Peperoni; Lavendel und gelbe Kamille ein: wenn man Chinesisch bestellt, bekommt man nicht nur ein leckeres Essen, sondern auch noch kleine Gewächshäuschen.

Besuch!

Nun dürfen wir in NRW just wieder 5 Menschen über 14 aus 2 unterschiedlichen Haushalten sein, und bevor sich das wegen steigender Zahlen ändert, machen wir das heute Abend SOFORT!

Vorher stehen andere Dinge an:

Christoph schneidet 2 Kakteen ab, die seltsame Sachen machen und ungesund aussehen. Er möchte sie erstmal trocknen und ihnen danach in neu gekaufter Kaktuserde zu einem zweiten, gesunden Leben verhelfen.

Davon angestachelt pflanzen Hanne und ich auch mal was ein.

Ella backt leckere Blätterteig-Mohnkissen für den Abend.

Christoph und Hanne schrauben die neuen Schreibtischbeine an, denn er braucht die Böcke für was anderes.

Und dann kommen die liebsten Fastnachbarn rum, sans deren Teenager, und wir haben einen ganz wundervollen Abend: andere Menschen!

So, so

Die Tage fließen ineinander, alle haben Fristen einzuhalten, Projekte und Referate und Essays und Aufgaben fertigzustellen und den Kopf über Wasser zu halten. Ich überlege kurz, ob es mich stressen sollte, dass ich so fürchterlich unkreativ bin, was das Mittagessen angeht, aber es kommt mir unsinnig vor, dafür heute Energie aufzubringen. Noch ist hier keiner verhungert.

Christoph spaziert am späten Nachmittag mit einer Freundin eine Runde um den Aasee. Ich bin richtig erschrocken, wie viele Menschen auf diesem Bild zu sehen sind – sehr ungewohnt.

Wenn man näher hinguckt, sieht man allerdings, dass die Decken auf der Wiese tatsächlich relativ weit auseinanderliegen (anders als damals beim Treibgut, wo man am Ende kaum noch durchkam, ohne auf fremde Decken zu treten. Das wird wohl so bald nicht mehr möglich sein).

Das große Mädchen muss heute für Kunst das ausgedruckte Foto eines Gebäudes mit Make-Up, Lippenstift, Kajal, Rouge, Foundation, etc. übermalen…

Das wird schwer. Letztendlich finden finden wir immerhin Karnevalsschminke im Badezimmerschrank, und die soll man ja auch nicht ewig aufheben. Die Kunstlehrerin wird von der Farbenpracht unseres Make-ups vermutlich überrascht sein.

Mittwoch

Alle arbeiten vor sich hin, jeder in seine Ecke des Hauses.

Als ich mir vormittags frischen Kaffee hole, geh ich kurz auf die Terrasse, um den quietschesauberen, klaren Himmel zu bewundern. Ein einziges Flugzeug, sonst nur blau, blau, blau.

Im Schatten hält sich ein kleiner Flecken Schnee, aber nicht mehr lange.

Zum Mittagessen gibt’s das Omelette-Grundrezept aus den Möwenweg-Büchern, nach persönlichen Geschmack 4x unterschiedlich gepimpt. Das Nette daran ist, dass ich den Teig mache und die Schüssel auf dem Herd stehen lasse; mittwochs hab ich über Mittag wenig Zeit. Jeder kann also kommen, wann’s passt und sich selber darum kümmern – frisch schmeckt’s eh besser.

Hanne macht sich nachmittags auf den Weg in den Park, Geburtstag feiern.

Es ist so schön draußen, dass Ellie und ich kurzerhand auch in den Park radeln, aber ans andere Ende. Der liebste Fastnachbarsohn kommt rum.

Die beiden spielen, ich sitze unter’m Baum. Das reicht.

Abends setze ich mich wieder an den Rechner, Christoph und Ellie machen Dinge und Abendbrot.

Sich sehr glücklich schätzen dürfen

Ich wecke Ellie, dann Hanne. Sie hat den Schnee auf ihrem Balkon angefasst: verräterische Spuren.

Ach, Mensch, Weiberfastnacht. Das ist wirklich deprimierend. Der Auftakt des Straßenkarnevals, und natürlich darf man sich nicht treffen, logisch, und schunkeln, gemeinsam singen, beieinanderstehen geht auch nicht, aber ich darf es schade finden.

Normalerweise bin ich donnerstags mit den anderen Exilrheinländerinnen in der einzigen Münsteraner Kneipe mit kölscher Musik, aber so bleibt uns nur, uns per whatsapp gegenseitig zu versichern, dass es nächstes Jahr wieder so sein wird. Bitte.

Ich hab am Vormittag wenige Videokonferenzen und bin die einzige mit karnevalistischem Zoom-Hintergrund. Die Kölner schicken Bilder von kleinen Accessoirs, die sie heute auf der Arbeit anziehen oder dabeihaben – Ringelsocken, blinkende Dom-Broschen oder Glitzer im Gesicht.

Nach meiner Videokonferenz kann ich mir ohne schlechtes Gewissen die Liveshow aus der Arena auf den zweiten Bildschirm ziehen.

Hanne kommt in ihrer Freistunde dazu und guckt ein bisschen mit. Am Nachmittag gehe ich mit Ellie einkaufen, wir brauchen noch ein paar Grundnahrungsmittel und irgendwie dann doch etwas Kölsch und Berliner und …. naja, ohne geht’s dann irgendwie doch nicht.

Am Abend hab ich zwar einen Elternabend (und muss Ellie versprechen, den Hintergrund auf jeden Fall zu ändern, ich lerne den neuen Klassenlehrer kennen…), aber wenn ich vorher mit den Menschen in diesem Haus anstoße, ist das auch kein Beinbruch. Ich verspreche Hanne, dass sie Kölsch probieren darf, aber leider gibt es im Supermarkt um die Ecke überhaupt kein Kölsch mehr – keine einzige Flasche. Ich habe den Verdacht, dass sie es ganz aus dem Sortiment genommen haben, hätte ich mal über’s Jahr verteilt mehr gekauft! Berliner gab’s immerhin.

Kurz vor 6 meint Christoph, dass er den Elternabend für mich übernimmt, denn ich hätte schon was anderes vor: ich bekomme Zugangsdaten von ihm, logge mich in einem spatial chat ein und treffe auf so liebe, liebe, liebe Freunde. Einige, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, andere mit denen ich sozial distanziert seit Corona nicht mehr zusammen sein konnte. Zwei ganz frische Babies werden in die Kamera gehalten. Christoph läuft kurzerhand zum anderen Supermarkt und holt mir Kölsch: er kauft vorsorglich alle Flaschen, die er findet. 11. (Hanne findet es wie zu erwarten widerlich.)

Sogar Karnevalsmusik hat die liebste Fastnachbarin für den Abend an den Start gebracht, hat alle eingeladen und alles geheim gehalten.

Wir sitzen zusammen, quatschen, stoßen virtuell an und spielen bis fast Mitternacht einige Runde skribbl.io.

Ich danke Euch allen, das war wunderbar. Ihr seid absolute Weltmacht!