Freischaufeln

Es hilft alles nichts, heute müssen wir mal einen Großeinkauf machen. Zu Fuß mit dem Rucksack bekommt man zwar so einiges mit, aber so toll ist Einkaufen auch nicht, dass wir das begeistert jeden zweiten Tag machen wollen – schon gar nicht, wenn man durch den Schnee stapfen muss. Als zusätzlichen Anreiz hat die Müllabfuhr angekündigt, ab Montag die Häuser wieder anzufahren, aber die Tonnen nur dort zu leeren, wo sie frei zugänglich sind.

Dafür müssen wir erstmal die beiden Schneehügel hinter dem Auto, also rechts und links vom Fahrradweg, wegbewegen und dann natürlich das Auto und seine Reifen freilegen und drumherum noch ein bisschen.

Vor dem Haus brauchen wir zu dritt anderthalb Stunden; eine Schaufel geht dabei zu Bruch und uns wird ganz schön warm.

Hinterm Haus ist zur gleichen Zeit Ellie damit beschäftigt, die Hälfte der Terrasse vom Schnee zu befreien und nebenbei eine Höhle unter dem Tisch zu bauen.

Die Eisplatten auf der Terrasse sind sooooo dick.

Am Nachmittag gucke ich mit Hanne Biathlon, Christoph und Ellie fahren großeinkaufen und am abend bin ich mit meinen Kölner Mädels zum zoomen verabredet – natürlich verkleidet. Ellie schminkt mich passend.

Sich sehr glücklich schätzen dürfen

Ich wecke Ellie, dann Hanne. Sie hat den Schnee auf ihrem Balkon angefasst: verräterische Spuren.

Ach, Mensch, Weiberfastnacht. Das ist wirklich deprimierend. Der Auftakt des Straßenkarnevals, und natürlich darf man sich nicht treffen, logisch, und schunkeln, gemeinsam singen, beieinanderstehen geht auch nicht, aber ich darf es schade finden.

Normalerweise bin ich donnerstags mit den anderen Exilrheinländerinnen in der einzigen Münsteraner Kneipe mit kölscher Musik, aber so bleibt uns nur, uns per whatsapp gegenseitig zu versichern, dass es nächstes Jahr wieder so sein wird. Bitte.

Ich hab am Vormittag wenige Videokonferenzen und bin die einzige mit karnevalistischem Zoom-Hintergrund. Die Kölner schicken Bilder von kleinen Accessoirs, die sie heute auf der Arbeit anziehen oder dabeihaben – Ringelsocken, blinkende Dom-Broschen oder Glitzer im Gesicht.

Nach meiner Videokonferenz kann ich mir ohne schlechtes Gewissen die Liveshow aus der Arena auf den zweiten Bildschirm ziehen.

Hanne kommt in ihrer Freistunde dazu und guckt ein bisschen mit. Am Nachmittag gehe ich mit Ellie einkaufen, wir brauchen noch ein paar Grundnahrungsmittel und irgendwie dann doch etwas Kölsch und Berliner und …. naja, ohne geht’s dann irgendwie doch nicht.

Am Abend hab ich zwar einen Elternabend (und muss Ellie versprechen, den Hintergrund auf jeden Fall zu ändern, ich lerne den neuen Klassenlehrer kennen…), aber wenn ich vorher mit den Menschen in diesem Haus anstoße, ist das auch kein Beinbruch. Ich verspreche Hanne, dass sie Kölsch probieren darf, aber leider gibt es im Supermarkt um die Ecke überhaupt kein Kölsch mehr – keine einzige Flasche. Ich habe den Verdacht, dass sie es ganz aus dem Sortiment genommen haben, hätte ich mal über’s Jahr verteilt mehr gekauft! Berliner gab’s immerhin.

Kurz vor 6 meint Christoph, dass er den Elternabend für mich übernimmt, denn ich hätte schon was anderes vor: ich bekomme Zugangsdaten von ihm, logge mich in einem spatial chat ein und treffe auf so liebe, liebe, liebe Freunde. Einige, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, andere mit denen ich sozial distanziert seit Corona nicht mehr zusammen sein konnte. Zwei ganz frische Babies werden in die Kamera gehalten. Christoph läuft kurzerhand zum anderen Supermarkt und holt mir Kölsch: er kauft vorsorglich alle Flaschen, die er findet. 11. (Hanne findet es wie zu erwarten widerlich.)

Sogar Karnevalsmusik hat die liebste Fastnachbarin für den Abend an den Start gebracht, hat alle eingeladen und alles geheim gehalten.

Wir sitzen zusammen, quatschen, stoßen virtuell an und spielen bis fast Mitternacht einige Runde skribbl.io.

Ich danke Euch allen, das war wunderbar. Ihr seid absolute Weltmacht!

Weiß

Morgens wecke ich erst Ellie, dann Hanne. Ihr überdachter Balkon ist fast ganz von Schnee bedeckt.

Im Garten liegt allerdings so viel Schnee, dass wir die Tür gar nicht so leicht aufbekommen.

Ist auch noch nicht so wichtig, erstmal müssen die Kinder in ihre Videokonferenzen und wir in unsere. Homeschooling/Homeoffice hat doch seine Vorteile: wir müssen heute nicht überlegen, wie die Kinder in die Schule kommen oder wir zur Arbeit.

Es schneit immer mal wieder. Am Nachmittag bauen Henry und Ella irgendwas.

Hanne hat montags immer lang Unterricht, aber es ist ihr auch gar nicht so schlimm: -13° locken sie kein Stück nach draußen.

Schneegestöber

Ich bin die erste, die in die Küche kommt und den Schnee im Garten sieht. Seit gestern Abend ist einiges dazugekommen! Ich trinke einen schon fertigen Kaffee (die neue Maschine hat eine integrierte Zeitschaltuhr, das macht mich sehr froher als mich sowas froh machen sollte) und schließlich dappelt Ellie dazu und quietscht.

Ellie schlüpft als erstes in Matschhose und Stiefel und ich laufe kurz in den Keller: wir hatten da doch November 2013 diese kleine Schneeschaufel gekauft.

Nach 2 Stunden kommt sie wieder rein um sich aufzuwärmen.

Nach dem Mittagessen packen wir uns sehr warm ein und drehen eine lange Runde. Es schneit die. ganze. Zeit. weiter.

Gar nicht so einfach, Bilder ohne weitere Menschen darauf zu machen. Trotz der beißenden Kälte und dem Wind lassen sich die Münsteraner:innen das nicht entgehen.

Weil ich noch eine zoom-Verabredung habe, drehe ich nach einer Stunde um und stapfe heim. Christoph und Ellie haben noch lange nicht genug und sind noch eine Weile im Park.

Es schneit den ganzen Tag und die ganze Nacht.

Samstagsrunde

Der Wetterbericht sagt für heute heftige Schneestürme voraus und prophezeit für Münster schier unvorstellbare Schneehöhen von 30cm, aber am Vormittag drehe ich mit der weltbesten Fastnachbarin eine vollkommen trockene, coronakonforme Runde durch den Nordpark.

Wir grinsen uns schon an, als wir aufeinander zulaufen. Es tut so gut, ihr Gesicht zu sehen! Ich merke, wie ich das vermisst habe, und noch dazu gibt es viele schöne Neuigkeiten.

Wir biegen gemeinsam in den Seitenweg ab. Die Aa und die Seen sind sehr voll, kein Vergleich zum trockenen Sommer.

Als wir uns vor Mittag voneinander verabschieden, glaube ich nicht daran, dass heute noch Schnee runterkommen wird. Unser Besuch verlässt das Münsterland hoppladihopp, bevor hier das Verkehrchaos ausbricht. Am Abend ist Christoph verabredet und sieht den Schnee als erster. Er schickt ein Bild.

Als ich ins Bett gehe, mache ich noch ein Bild von der Terrasse. In der Nacht soll es weiterschneien, ich bin gespannt.

Christoph fotografiert später seinen Heimweg.

Lichtschalter und Seefahrer

Die Woche war lang und voll und wir sind alle froh über das Wochenende. Die Mädchen vermissen diese Woche Kontakt zu Freunden ganz besonders, vielleicht ist es das trübe Wetter. Einen Vorwurf kann ich ihnen nicht machen.

Heute bekommen wir tatkräftigen Besuch, spielen und bekommen mehr Licht und eine Steckdose im oberen Badezimmer – fantastisch!

Kubismus

Hannes fertiges Kunstprojekt mit Gießkannen.

Am Abend löst Christoph das Exit-Puzzle in der Drachenhöhle.

Ansonsten nicht viel. Schule, Arbeit, 4 heißlaufende Laptops.

Hier und da

Der Vormittag vergeht mit aufstehen, Kaffee von Hand brühen (die Kaffeemaschine hat nach 10 Monaten Homeoffice-Beanspruchung spuckend und gurgelnd den Dienst quittiert), frühstücken und spielen.

Anschließend drehen die, die wollen, eine Runde durch die Stadt. Wir besuchen dabei auch die Lambertikirche, wo ein Organist grade wilde Stücke übt, und den Dom, in dem wir uns die astronomische Uhr genauer angucken.

Christoph und Ellie drehen noch eine Runde mit dem Rad durch die Rieselfelder, während die Sonne langsam untergeht.

Eine Dusche, eine Dusche

Mit Duschwänden und zwei Möglichkeiten, aus denen das Wasser herausprasseln darf.

Ellie hat sich heute mit einer Freundin verabredet, die haben wir kaum gesehen. Vor lauter Freude über den erfolgreich-aktiven Tag gibt’s abends erstmal Hannes selbstgemachte vegane Pizza (aka ohne Käse).