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Wie kleine Tiere groß werden

Ella ist über Nacht krank geworden, die arme, und schläft bis 11 Uhr. Christoph bleibt bei ihr, somit sind Hanne und ich die einzigen, die sich vor 7 in der Küche treffen. Als ich wieder Zuhause bin, baue ich Ella ein Nest auf der Terrasse.

Sie liest ein Kinderbuch von Wolfgang de Haën, das ich seit meiner Kindheit besitze und das hier seit Jahren niemand mehr angerührt hat, bis ich es als Unterlage im Wohnzimmer liegen ließ.

Hanne geht direkt nach der Schule mit einer Freundin auf den Send; Ella und ich haben einen ganz ruhigen Tag, der ihr gut tut. Morgen kann sie wieder in die Schule gehen. Christoph ist abends bei seinem zweiwöchentlichen Pubquiz, aber ich schlafe so früh, dass ich ihn gar nicht erst heimkommen höre.

 

Frühlingssend

Am Nachmittag schließe ich das Laptop am Fernseher an. Der Eurovision Song Contest nähert sich mit Riesenschritten und wir müssen uns entscheiden, welches Land wir in diesem Jahr unterstützen. Es ist wie immer schwierig, bis auf eines: Deutschland ist es sicher nicht.

Zum Abend brechen wir 4 gemeinsam zum Frühlingssend auf, fahren Riesenrad, sind im Wasserlabyrinth, essen Schokoladenerdbeeren und Fischbrötchen.

Kaffee. Fensterrahmen. Little Big Planet und Lost in Space.

Hoch die Hände, Wochenende!

Ella macht Sonntagsbrötchen aus der Dose. Sie überlegt sich für jedes einzelne ein eigenes Muster und auch, wem dieses Kunstwerk später auf den Teller wandern darf.

Ich lasse die anderen drei um halb 11 in ihrer Gemütlichkeit zurück und radele zur Röstbar am Bohlweg, um Corinna auf einen Kaffee zu treffen. Das war sehr schön, und lange überfällig.

Als ich mittags nach Hause komme, steht der Beste in der Garage und zerlegt die alten Fensterrahmen. Später fährt er sie zum Recyclinghof, und wir haben wieder etwas mehr Platz in der Garage für die Leezen.

Später bekommen wir Besuch, ich pflanze Romanasalatherzen an, Hummelblumen und vereinzelne die Sonnenblumen, die schon danach aussehen. Die Mädchen sind sich selbst genug und verschwinden nach oben; sie kommen den ganzen Nachmittag nicht runter.

Um 18h kommt Ellas Übernachtungsfreundin Estella. Die beiden spielen Little Big Planet und amüsieren sich so großartig, dass sie das Wohnzimmer besetzen dürfen. Hanne und ich verziehen uns mit dem Laptop ins Bett: wir starten mit Netflix‘ Lost in Space und gruseln uns gemeinsam. Christoph legt sich dazu und schläft ein, er fand es wohl nicht ganz so spannend!

 

Kiepenkerl

So ein sonniger Tag!

Schmeißt die Solarlux auf, wir machen heute nur Draußendinge, und zwar voller Elan! Vielleicht holen wir sogar die Sonnencreme aus der Krimskramsschublade im Bad.

Naturgemäß fällt uns immer schon wenig später ein, dass wir auch grillen wollen, und wenn es uns so geht, vielleicht wollen das ja alle Freunde auch. Wir laden ein. Ella macht den Anfang und hat ab 10h morgens Elsa hier. Die beiden bauen sich ein Zelt auf.

Sie sortieren Steine und sind den Tag über 3x beim Laden gegenüber: Wir brauchen Butter. Wir brauchen Eis! Sie brauchen Kaugummi. Der Weg ist das Ziel – das Alleinegehendürfen, das Alleinegeschaffthaben.

Hanne und ich topfen um und pflanzen ein und kümmern uns rührend. Christoph verkleidet in der Zwischenzeit die neuen Fenster.

Um 2 kommt die Flaschenpost, kurz vor 4 die ersten Freunde. Wir stehen um den Grill, quatschen und überlegen uns, warum noch mehr Sirenen zu hören sind als sonst. Ich denke, es sei ein Unfall auf der Autobahn passiert, irgendwas Großes, bis wir den Hubschrauber sehen, der still über der Innenstadt steht und die ersten Nachrichten kommen, die ersten Fragen aus Münster, aus Deutschland, aus der Welt, ob alles in Ordnung ist? Wir melden uns selbstständig bei unseren Familien, vorsichtshalber, damit sie keinen Schreck bekommen, wenn sie plötzlich etwas im Radio hören.

Ich verbiete Christoph, zum Baumarkt zu fahren. Wir sitzen zusammen. Ich merke, in wie vielen whatsapp-Gruppen ich bin; viele von ihnen wurden seit Monaten nicht mehr genutzt und verschwanden in die Tiefe der Timeline, bis heute.

Als die Textnachrichten nur noch aus „Himmel, wir waren graaaaade noch in der Stadt, was hätte uns alles passieren können!“ / „Ich geh da immer sonntags lang.“ / „Da hatten wir heute Morgen noch unsere Leezen geparkt“ bestehen, mache ich das Handy aus. Ich weiß, dass die Meinen in Sicherheit sind, alle Nachrichten sind zu diesem Zeitpunkt Spekulationen.

Noch mehr Freunde kommen, manche aus der Innenstadt. Ich bin froh, dass wir nicht mehr da wohnen, wo die Mädchen heute vielleicht schwer bewaffnete, vermummte Polizisten hätten sehen können. Der Himmel ist blau. Der Hubschrauber steht wieder über der Innenstadt; so lange, dass wir sein Geräusch irgendwann gar nicht mehr wahrnehmen.

Wir sitzen bis tief in die Nacht zusammen.

Dreizehn

Dreizehn, ist das zu glauben!!

Heute hätte das große Mädchen gerne länger geschlafen, aber das Geburtstagsfrühstück konnte nicht länger warten. Die Torte wartete neben 13 Kerzen, einem Geschenketisch, Schwester, Opa, Oma, Christoph und mir.

Es gibt viele neue Bücher, einige Kleider, eine neue Tasche, dies und das und die Erfüllung des Wunsches, heute in den Botanischen Garten zu gehen, wenn auch leider ohne Christoph, der zur Arbeit musste.

Das Wetter ist traumhaft.

Der letzte gemeinsame Besuch ist auch schon wieder 3einhalb Jahre her.

Am Nachmittag kommt Corinna auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen vorbei brachte als Geschenk das Spiel Photosynthese vorbei.

Meine Eltern machen sich um 19h auf den Heimweg und wir 4 ziehen ins Wohnzimmer. Heute starten wir mit Staffel 2 von der Reihe betrüblicher Ereignisse auf Netflix.

Osterwoche 7

Hurra, die Mädchen sind wieder da!

Meine Eltern kommen nach längerer Fahrt als üblich – Osterferienverkehr – mit Sack, Pack, Essen und Kindern bei mir an. Hanne hatte sich gewünscht morgen, an ihrem Geburtstag, nicht Auto fahren zu müssen.

Ich hatte gestern und heute schon 2 Kuchen gebacken und eine Quark-Sahne-Zitrone-Creme vorbereitet. Am Abend bereiten Christoph, Ella und ich Kuchen und Küche für das Geburtstagsfrühstück vor.

Ein Nuss-, ein Schokoladengucken,

4 Schichten Kuchen, dazwischen Cremeschichten und eine Girlande – wir sind alle ganz schön stolz auf das Kunstwerk!

 

Amsterdam 3

Der letzte Tag in Amsterdam.

Wir müssen die Zimmer zwar um 10h verlassen, können das Auto aber bis 15h auf dem Hof stehen lassen. Das nutzen wir heute noch mal aus. Ein Bekannter, der lange in Amsterdam gelebt hat und nun zurück nach Australien gegangen ist, hat uns nicht nur die NDSM Werft, sondern explizit für die Kinder das NEMO empfohlen, ein Wissenschaftsmuseum, das in wenigen Minuten fußläufig vom Hauptbahnhof zu erreichen ist.

Das NEMO öffnet um 10h und wir sind bereit!

Auf 5 Ebenen kann man hier alles anfassen, ausprobieren und erfahren. Die Erklärtexte sind auf Niederländisch und Englisch, was es Hanne schon erleichtert zu verstehen, was man machen soll oder wie es funktioniert. Ella helfen wir anderen drei gerne aus.

Die große Terrasse ist heute leider unbespielbar, weil es kräftig regnet, aber der Blick auf Hafen und Altstadt bietet einen wunderbaren Abschluss für unsere Tage in Amsterdam.

Danke, Amsterdam, Du bist überlaufen und entspannt, international und gezellig und warst ein guter erster Testplatz für Städtereisen mit unseren Mädchen.

 

 

Amsterdam 2

Dieser Tag wird einer zum Sightseeing. Die Mädchen hatten sich Wecker gestellt und wollten um halb 8 beim Frühstück sitzen. Dass das nichts wird, wird klar, als keines der Kinder bereit ist aufzustehen. Letztendlich stehen wir um kurz nach 9 an der Metrostation und haben uns einen guten Plan für unseren Tag zurechtgelegt und vorsorglich Regenjacken angezogen.

Von der Centraal Station schlenderten wir uns entspannt und mit vielen Abstechern, Pausen und Läden innerhalb von 4 Stunden den Weg runter zur Anlegestelle unserer 75-minütigen Kanalrundfahrt, die am Eingang des Vondelparks startet. Die Tickets hatte ich schon zu Hause gekauft.

Der Dam

Nationalmonument

Royal Palace

De Nieuwe Kerk

Magna Plaza

Hanne saugt förmlich alles auf. Sie findet ein Notizbuch, das sie sich für ihren Geburtstag mitnimmt.

Es soll ihr neues Motto werden.

Ella strahlt und hüpft vor Freude, als wir ihr eröffnen, dass sie nach einem Schlüsselanhänger Ausschau halten soll: sie wird ihren ersten eigenen Schlüssel bekommen, wenn wir wieder in Münster sind.

Auf dem Dam essen wir einen Hot Dog und gehen weiter in Richtung Schwimmender Blumenmarkt. Ella hat jetzt einen Auftrag. Sie geht in jeden Souvenirladen, und davon gibt es so einige. Ihr Schlüsselanhänger soll diese 3 Kriterien erfüllen: Das Wort Amsterdam, typische Häuser, ein Fahrrad.

Ella findet endlich einen Schlüsselanhänger und ist überglücklich.

Die Schwimmenden Blumenläden

Wir haben noch etwas Zeit bevor unser Boot kommt, und trinken zum Aufwärmen einen heißen Kakao / Kaffee.

Es fängt an zu nieseln; der Zeitpunkt für die Kanaltour könnte kaum besser sein.

Nach der Kanaltour setzen wir unseren Rundgang fort und spazieren wieder zurück in Richtung Hauptbahnhof. Es regnet nur noch wenige Minuten weiter. Auf dem Boot haben wir gehört, dass Amsterdam eine kinderarme Stadt sei; das deckt sich mit unseren Beobachtungen. Es gibt kaum Räder mit Kindersitzen, eher Lastenräder in allen Formen, Farben und Größen. Aber natürlich kann man mit denen auch Kinder transportieren ..

Wir sehen eine Kita und eine weiterführende Schule, ansonsten nur sehr viele Touristenkinder, dabei ist es jetzt Nachmittag. Spielplätze sehen wir auch keine. Vielleicht laufen wir auch einfach falsch?

Ich recherchiere und finde demographische Zahlen für Amsterdam aus dem Jahr 2015 und zähle zusammen: 17,88%. In Münster ist es weniger, 2016 lag die Bevölkerungszahl für Menschen unter 18 bei 15,2%.

Wir müssen uns also um Amsterdam keine Sorgen machen.

Die Mädchen haben wunderbar durchgehalten und wir haben sehr viel gesehen und erlebt.

Wir gehen kurz vor dem Hauptbahnhof Essen und sind um 20h zurück auf unserem Zimmer, legen die Füße hoch, gucken das Deutschlandspiel und Ella schläft als erste ein. Heute bleibe ich bei ihr und Christoph übernachtet bei Hanne.