Eiskristalle

Um 11 holte ich zufriedene, aber etwas müde Mädchen von ihrer Übernachtung ab. Vor dem Haus gibt es Sonne.

Den Rest des Tages gingen wir alle alles langsam an; im Garten, in der Küche.

Im Dezember steht die Sonne so tief, dass sie es nicht mehr bis in den Garten schafft. Die Eisblumen halten sich den ganzen Tag am Fenster, der Raureif an Gras, Buchsbaum und Vogelhäuschen.

Die Wildgänse sind unterwegs.

Üben für die morgige Mathearbeit.

Mittagessen.

Abends ging es nach einem knappen Abendbrot früh ins Bett.

Ein Wochenende, das für mich völlig aus dem Tritt war. Es wird ein paar Tage dauern, bis ich wieder im normalen Rhythmus bin – Krankheitstage machen das mit mir.

 

Schlafen unter dem Todesstern

Natürlich passierte, was passieren musste.

Ella ging es wieder ganz gut; sie hatte sich seit den erforderlichen 24 Stunden nicht mehr übergeben und freute sich genauso wie Hanne auf die Übernachtung bei Corinna. Ohne dass wir Oma und Opa bemühen müssten, ihr Wochenende für unser Wochenende zu opfern und 2 Stunden Anfahrt in Kauf zu nehmen, könnten Christoph und ich das erste Mal seit 12 Jahren gemeinsam auf die Weihnachtsfeier gehen.

Könnten. Ginge es mir nicht so elend, dass ich nur schlafen, leiden, mir selber leid tun und rumliegen wollte. Obwohl ich zu Hause bleiben würde, ließen sich die Mädchen nicht davon abbringen, trotzdem bei Corinna zu übernachten (Alternativ, so ihr Vorschlag, kann ich ja auch hoch ins Bett gehen, statt auf der Couch zu lungern, und sie würden sich dann Corinna zu uns einladen.).

Der Liebste war auf der Weihnachtsfeier, die Mädchen schliefen unter dem Todesstern und ich konnte schlafen, leiden, mir selber leid tun und rumliegen. Danke, Corinna!

 

Ein Ungarischer Sprungtanz, Tanz der Intervalle und The Birch Tree

Gestern Abend haben wir im Familienrat den etwas umständlichen Plan für die heutigen Aktivitäten abgesprochen:

  • Hanne muss um 14h15 an der Musikschule sein, um bei einem Vorspiel vor interessierten Eltern und – oh Schreck! – anderen Musikschullehrern zu zeigen, welchen Fortschritt ihre Klavierlehrerin das Jahr über mit ihren Schülern gemacht hat. (Gut, dass der Gips seit 2 Tagen ab ist und Hanne ihre Finger wieder besser bewegen kann.)
  • Um 14h30 fängt das Vorspiel an, gegen 15h sind Hanne und Emma dran
  • Ella hat eigentlich bis 15h OGS (und wie wir ja alle wissen, ist es schwierig, Kinder vorzeitig aus der Übermittagsbetreuung rauszuholen)
  • Ich arbeite bis 14:45h und flitze dann direkt zur Musikschule: mit ein bisschen Glück komme ich rechtzeitig, um das große Mädchen zu sehen
  • Kindübergabe
  • Christoph und Hanne radeln zurück, sie bleibt Zuhause, er fährt zurück in die Arbeit.
  • Ich warte mit Ella auf ihren Klavierunterricht und komme mit ihr gegen 17h nach Hause
  • Christoph trudelt irgendwann ein
  • Familienfilmfreitag!

 

Christophs Mittagspause sieht daher bis zu meiner Ankunft an der Musikschule folgendermaßen aus:

– 13h15 Hanne an der Schule abholen, rüber zur Grundschule radeln

– 13h30 Ella irgendwie aus den (sehr netten) Fängen der OGS befreien

– beim Bäcker vorbei, Mittagessen-Brötchen einschmeißen, zur Musikschule radeln/rollern

-Hannes Nerven beruhigen

-mit Ella dem Vorspielen beiwohnen

-zurück zur Arbeit

 

Soweit der Plan, mit dem wir alle leben konnten. Ab 4h nachts war uns allerdings klar, dass das so nichts wird, denn wir stellten einen Eimer neben Ellies Bett. Morgens verabschiedete ich Hanne in die Schule, sagte meine Arbeit ab, rief bei der Grundschule an, stellte Ella den Eimer neben die Couch und schmiss mit Christoph alle Pläne um.

Hanne kam nach der Schule heim, aß hier zu Mittag, und um 14h kutschierte ich das große, sehr aufgeregte Mädchen zur Musikschule. Christoph kam und passte auf das kleine Mädchen auf.

Hannes letzte Lernstandsfeststellung beim Klavier war noch während ihrer Grundschulzeit, und es waren keine anderen Musiklehrer dabei, aber auch heute ist alles gutgegangen (auch wenn in der Nachbesprechung zwischen Emma und ihr die Worte „oh nein!“ und „wie peinlich“ und „voll verspielt“ gefallen sind). Die Eltern der jeweiligen vorführenden Kinder erkannte man nicht nur an den stolzen Blicken, sondern auch am hochgehaltenen, filmenden Smartphone.

Hannes Stücke waren Ein Ungarischer Sprungtanz, Tanz der Intervalle und The Birch Tree.

Auto geholt, heimgefahren – und den anderen beiden meine mit dem Smartphone gemachten Videos gezeigt.

 

 

 

 

In der Weihnachtsbäckerei

Wie schon im letzten Jahr haben sich 3 Mütter mit 3 Mädchen zum Plätzchenbacken getroffen, dieses Mal bei Kathrin.

Im Gegensatz zu den zwei Freundinnen hat Ella dienstags bis 16h AG, daher war abgemacht, dass wir beide nachkommen werden (… und als ich dann um kurz vor 4 auf den Schulhof radelte, stand mein Kind da und war den Tränen nahe, weil die AG ausgefallen war und die anderen beiden natürlich schon um 3 abgeholt wurden und sicherlich jetzt schon ganz viele Kekse gebacken hätten und beim Verzieren seien und bestimmt wieder Pferd spielten, und nie wäre ich pünktlich, und immer müsse sie auf mich warten, und und und überhaupt!).

Dann haben wir uns erstmal ruhig vom Schulhof verabschiedet und sind ein Stück miteinander gegangen, weg von den Blicken der anderen Kinder, Eltern und Erzieher. Ella schob ihren Roller, ich die Leeze und ihr einen Keks in den Mund. Nach wenigen Minuten ging es wieder und wir konnten doch noch samt vorbereitetem Teig wie verabredet zum Plätzchenbacken rollern.

Kathrin hatte alles richtig schön vorbereitet, sehr organisiert! Nett war auch, dass Pur prompt abgeschaltet wurde, als ich kam, und „richtiger Weihnachtsmusik“ Platz machte.

Die anderen hatten natürlich wirklich schon angefangen zu backen, Ella aber einen großen Teigknubbel übrig gelassen,

und zum zeitgleichen Verzieren bekam Ella Kekse von den anderen beiden Mädchen ab, sehr lieb.

Dafür rückte Ellie auch einige von ihren Sternchen raus, die sie beim Friendsgiving von Corinna geschenkt bekommen hatte.

Ich habe mich dieses Jahr mal an Vanillekipferln probiert. (Meine sind in der Transporttüte leider fast alle zerbrochen, weil sie unter den Makronen landeten, aber lecker sind sie trotzdem.)

Hier oben rechts besagte Kokosmakronen in der Mache:

Zwischendurch habe ich mit Hanne ge-whatsappt, die ich bei Französisch, Deutsch, Geschichte und Klavier zuhause ließ. Sie kommt immer öfter mittags heim, entweder vor oder nach dem gelieferten Essen, das sie sich wöchentlich aussucht und bucht. Die gewonnene Zeit verwendet sie für’s Lernen – vor den Weihnachtsferien stehen noch viele Arbeiten, Tests und Abgabetermine für Hefte, Referate oder Projekte an. Im nächsten Halbjahr werden wir sie für die OGS nicht mehr anmelden, das lohnt sich einfach nicht. Das Mittagessen kann sie unabhängig davon mit den anderen (OGSler oder nicht) in der Cafeteria essen: Ein wie ich finde sehr guter Kompromiss für Kinder, die sonst vielleicht jeden Mittag alleine wären, aber nach dem Essen nach Hause gehen können (und nicht erst um 15:30).

Als wir durch die dunkle Nacht nach Hause radelten, natürlich gut ausstaffiert mit Warnwesten, brannten im Haus die Lampen, der Liebste und Hanne waren da, es gab Nudeln und Wissen macht Aaah!

Prozessorientiert

Erster Plätzchenbacktag. Natürlich wird in diesem Haushalt ohnehin viel gebacken, aber heute waren die ersten Weihnachtsplätzchen dran.

Keine anderen Kekse sind so prozessorientiert wie Ausstechkekse, und keine anderen mögen kleine Kinder so gerne.

 

Der erste Frost

ist natürlich nicht der erste Frost,

aber der erste, den Ella am späten Vormittag, also kurz nach dem Aufstehen um 10Uhr-irgendwas, in den Garten lockt, um sich das mal von Nahem anzusehen. Während die American Pancakes auf der Pfanne brutzelten und ihren Duft im gesamten Haus verteilten, rüstete sie sich sich mit dicker Jacke, Mütze, Moonboots und Handschuhen für Temperaturen bis zu -20°Grad aus und entdeckte Raureif. Sie brachte Anschauungsmaterial für die große Schwester mit, die sich in der Küche um ihre Französisch-Hausaufgaben kümmerte.

Nach dem ausgiebigen Frühstück lungerten wir kollektiv naht- und schamlos weiter. Ich hing die heißersehnten Adventskalendertütchen in der Küche auf. Im letzten Jahr war der Kalender schöner, aber ich kam doch arg in Bedrängnis, weil nur sehr kleine Sachen in die Becherchen passten. Die Beutel sind nicht so hübsch, aber funktional besser.

Christoph stach seine kreative Ader  (oder wie ging noch mal der Spruch mit den Hummeln) und er brannte mit Omas Brandmalgerät Schönes in Holzbrettchen.

Das mussten die Mädchen natürlich auch gleich versuchen.

Dann brach Christoph nach Ibbenbürfen auf, kurze Zeit später kam ein Übernachtungsgast an und der Samstag Abend wurde auf der Couch eingeläutet.

Friendsgiving

Wie immer fiebern wir dem Freitag entgegen. Glücklicherweise haben wir Kinder, die entweder eh schon lange schlafen (9 ist am Wochenende auch bei Ella keine Seltenheit, den Fast-Teenie sieht man selten vor 11), oder die uns nicht mehr wecken, weil die Selbstversorgung mit Müsli bereits gegeben ist.

Freitags ist auch der Tag, an dem Hanne früh aus der Schule kommt und „ihre Ruhe hat“. 3 Stunden ist sie freitags alleine. Wir haben lange und wiederholt mit ihr besprochen, ob wir Eltern umsortieren sollen, damit jemand zu Hause ist – oder zumindest nach Hause kommt, bevor sie zum Klavierunterricht aufbricht. Hanne will das gar nicht, sie ist froh, nach der anstrengenden Schulwoche mal ganz alleine zu sein. Langweilig oder besorgt wird sie nicht; eine Qualität, die ich sehr an ihr schätze und die ihr sicherlich im weiteren Leben gut tut. Wenn Ihr wüsstet, wie oft wir hier bis in den Abend hinein Schulfreunde von Hanne beherbergen, die sonst alleine zu Hause wären und es nicht mögen.

Ich hinterlasse Hanne freitags einen Zettel mit Zeichnungen, kleinen Hinweisen zu etwaigem Essen und meiner immerwährenden, unerschütterlichen Liebe sowie der Anfangszeit des Klavierunterrichts. Heute hatte ich auch erwähnt, dass der Postbote wohl kommen würde, sie das Paket aber bestimmt nicht annehmen dürfe, weil sie 11 Jahre alt ist. Eine Fehleinschätzung meinerseits:

So hab ich mir immerhin den Weg zur Post gespart.

Kurz nach 6 radelten wir Mädchen 6 Ampeln nach links zu Corinna und Patenonkel P., im trüben Dunkel vernünftig ausgestattet mit jeweils einem Exemplar unserer neongelben Warnwesten „Sicher durch Münster“. Weil Christoph, Hanne und Ella morgens zu verkehrsstarken Zeiten an verkehrsträchtigen Kreuzungen entlangradeln, bekommen sie bei Nichttragen von strategisch positionierten Verteile-Polizisten beim Anhalten an roten Ampeln jeweils eine Warnweste angeboten. Ein sehr netter Service, vielen Dank dafür, liebe Münsteraner Polizei (auch wenn der Fast-Teenie sowas ja niemals anziehen würde, wenn sie in die Schule radelt).

Christoph kam direkt von der Arbeit rüber. Wir waren zum Friendsgiving eingeladen, das eigentlich ein Resteessen von Corinnas gestrigem Thanksgiving war, aber bei aller Mühe konnten wir nicht alles vertilgen, was aufgetischt wurde. Danke, das war so so lecker!

Nach dem Essen haben sich die Mädchen auf die Couch zurückgezogen und einen Film geschaut, während wir Großen spielten: Kill Dr. Lucky.

Das war eine Art „Probelegen“ für das kommende Wochenende, wenn sie bei Corinna schlafen, damit der Liebste und ich zusammen zur Weihnachtsfeier gehen können. Hanne und Ella fühlen sich bei Corinna und Patenonkel P ohnehin so unglaublich wohl, angenommen und geborgen, dass beide sofort „Jaaaa! Gerne!“ schrieen, als wir vor einer Weile vorsichtig ansprachen, sie könnten ja mal dort übernachten. Dass der Fernseher mindestens doppelt so groß ist wie unserer ist nur ein Nebengrund für die Übernachtungsfreude. Die Tatsache, dass sie ohne Zögern den üblichen Familienfilmfreitag gegen einen Friendsgiving-Abend eintauschten, spricht auch für sich.

Um halb 11 ging es Sicher durch Münster zurück nach Hause. Beide Mädchen freuen sich schon auf das kommende Wochenende, wenn sie von der gemütlichen Couch nicht mehr aufstehen müssen.

 

Ein Salamander und eine Playlist

Bei 14 Grad fühlt es sich morgens frühlingshaft an, wenn ich zur Arbeit fahre. Die anderen 3 haben ihre Regenklamotten zwar dabei, aber länger schon nicht mehr gebraucht. Die dicken Handschuhe wurden schon wieder gegen dünne eingetauscht, wenn sie überhaupt welche benutzen. Schal und Mütze zwängen wir ihnen auch nicht mehr auf. Nur die kahlen Bäume weisen darauf hin, dass eigentlich Herbst ist, die Luft ist lind.

Hanne und Christoph radeln, Ella hat Hannes alten Roller übernommen. An besonders glücklichen Tagen stellt sie sich drauf und Christoph gibt ihr ab und an einen Schubs.

Den Roller bekomme ich beim Abholen viel besser ins Auto als die Leeze, zum Beispiel heute, wenn wir direkt im Anschluss an die OGS zum Kieferorthopäden düsen. Gut, dass man sich da nochmal die Zähne putzen kann. Natürlich mit einer blauen Zahnbürste.

Es gab Röntgenbilder und die nächsten Abdrücke – die neue Spange wird rot und weiß und satt einer Spinne ist das Symbol dieses Mal ein Salamander.

Abends wurde es in der Küche noch gemütlicher – wir haben das Fenster winterlich dekoriert. Gut, dass Christoph so groß ist, dass sich nicht alle Deko auf Höhe von Hannes ausgestreckter Arm tummelt.

Wie man sieht haben wir Fehldrucke oder überschüssige Kopien verwendet: wenn in der Küche das Licht brennt und es draußen dunkel ist, sieht man die Schrift nicht mehr.

Da der erste Advent noch nicht gekommen ist, durfte ich zwar kein Weihnachtsradio anmachen, aber die Playlist der Mädels hält auch einige Perlen bereit. Und damit wir das in ein paar Jahren auch noch wissen, liste ich ein paar Titel auf:

  • Stronger von Kelly Clarkson
  • Playlist von Jonas Monar
  • Musik sein von Wincent Weiss (Ellie findet es allerdings furchtbar)
  • On the Menu von Jakub Ondra
  • Rhythm Inside von Loic Nottet
  • Chöre von Mark Forster
  • Est-ce que tu m’aimes? von Maître Gims
  • What’s the Pressure von Laura Tesoro
  • Tonight Again von Guy Sebastian
  • Seelenverwandt von Kathi Kallauch
  • Growing Up von Mackelmore & Ryan Lewis, feat. Ed Sheeran
  • Running Man von Ollie Gabriel
  • I’m Yours von Jason Mraz
  • Je veux von Zaz
  • Shine von Year&Years

 

Gut 2 Stunden haben die Mädchen getanzt, ausgeschnitten, gesungen, geklebt, bis wir sie nach oben scheuchten.

Tortenspitzensterne

Nach einer Inspiration von Carola gibt es an unserem Küchenfenster in diesem Jahr das erste Mal auch Sterne aus zarter Tortenspitze: Einfach kleine Drachen falten, entsprechend aufeinanderkleben, fertig! Das kriegen auch kleine Hände mühelos hin.

Die Spitze nach innen zu setzen sieht auch hübsch aus:

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Jagt Mister X

Ella spielt gerne die Spiele, die mein Bruder früher auch gerne spielte. 4 gewinnt gehört genauso dazu wie Scotland Yard, dieses Detektivspiel, in dem Agenten den gewitzten Mister X quer durch London jagen und dabei Taxi, Bus und Ubahn benutzen. Wenn wir „Auf Achse“ hätten, dieses langweilige Logistik-LKW-Spiel, in dem man geschickt seine Route und Ladungen planen und quer durch Europa kutschiereren muss, dann wäre das auch so ein Ella-Kandidat. Und Autoquartette.

Hanne kann man mit strategischen Spielen wenig Freude bereiten, sie übt im Gegensatz zu mir aber lautstark Gegenwehr aus. Weil das große Mädchen aber heute bei einer Freundin übernachtet, konnte Ella in aller Ruhe und Zufriedenheit Mister X sein und sich von den Agenten Papa und Mama jagen lassen.