Corontäne 18: Ferienbeginn

Am Morgen heißt es für die nächsten beiden Wochen das letzte Mal „9 Uhr, Unterrichtsbeginn am Küchentisch“. Ella verfolgt für Erdkunde den Weg ihres Tshirts von Bangladesch nach Münster.

Hanne beendet ihre Collage, danach räumen beide erst auf und danach ziemlich begeistert ihre gesamten Schulsachen in den Spind, der im Flur steht. Der Küchentisch ist das erste Mal seit 3 Wochen schulbuchstapelfrei.

Obwohl es sich nicht wie ein normaler Endlich-Ferien-Vorabend anfühlt, wollen wir etwas anderes machen alsin den letzten 3 Wochen. Viel kann man ja nicht tun, also spazieren wir gemeinsam am frühen Abend zum Supermarkt. Der Weg ist das Ziel, aber das Ziel ist auch nicht schlecht: wir wollen Eis. Außerdem freuen wir uns, dass es noch hell ist und wir im Familienverband rausgehen können.

Wir kaufen uns zur Feier des Tages ein Eis und schlendern zurück nach Hause.

Die Osterferien 2020 können beginnen. Endlich ausschlafen. Endlich morgens nicht mehr anziehen und los müssen. Endlich kein Lernen mehr für die Mädchen.

Als Fazit kann ich sagen, dass wir wenige Probleme hatten, weder mit der Disziplin noch dem Stoff. Ellie musste nie länger als bis zum Mittagessen an irgendwas arbeiten, und auch bei Hanne sah es bis auf 2, 3 Ausnahmen so aus. Beide hatten viel Zeit für sich, für einander und ich war selten so dankbar dafür, dass sie sich gut verstehen.

Corontäne 17: Brezeln

Donnerstag, noch 2 Tage bis zu den Osterferien. Christoph radelt ins Büro, um 9 treffen wir anderen uns wie gewohnt am Küchentisch. Ellie hat eine Horde tiefgefrorener Laugenbrezeln im Backofen fertiggebacken, die wir als Frühstück neben der Arbeit knabbern.

Wir machen Deutsch und Bio, Erdkunde und die Anton-App. Hanne startet als letzte Amtshandlung vor den Ferien mit einer Bühnenbild-Collage zum 1. Akt des Besuchs der alten Dame.

Corontäne 16: April, April

Heute müssen wir früh aufstehen: um 8h30 bekommt Ella im Krankenhaus einen Kunststoff-Gips, mit dem sie duschen gehen kann, oder schwimmen gehen könnte, wenn die Schwimmbäder offen hätten.

Wir sind früh, werden von mund-nasen-beschutzten Menschen begrüßt, füllen den Corona-Zettel aus, werden von anderen mund-nasen-beschutzten Menschen in Empfang genommen und zum Wartezimmer geleitet. Vielleicht, damit wir nicht ausbrechen und heimlich mögliche Familienmitglieder auf den Stationen besuchen gehen.

Kurze Zeit später ist rote Gips ab und die Schwesternschülerin legt den neuen, blauen an. Er wird nass gemacht und eingeseift, dann müssen wir warten, bis er hart geworden ist.

Nach einer Stunde sind wir wieder am Auto. Vorher schon haben wir uns überlegt, dass auf dem Heimweg exakt 4 Läden liegen, in denen wir vielleicht Klopapier bekommen könnten, und da es noch früh ist, haben wir Glück. Im dm stapelt es sich ladendeckenhoch.

Wir gehen zum Supermarkt nebenan, und auch da hätten wir Klopapier bekommen. Anscheinend hat sich die Lage endlich entspannt und offenbar wird auch mittlerweile gegengesteuert und die Abgabemenge reglementiert. Zuhause angekommen sitzt Hanne in der Küche und lernt, Christoph ist schon im Büro und unser weiterer Vormittag ist mit Schule und Arbeit ausgefüllt.

Hanne versucht die DVD aus dem Französischbuch in Ellies CD-Player einzulegen. Der hat dazu eine klare Antwort:

Am Nachmittag schneide ich Hanne die Spitzen. Es war ihr Wunsch. Ich hab das noch nie gemacht.

Es wird schief. Nur ihre überbordende Liebe zu mir verhindert, dass sie mich anschreit (oder die Tatsache, dass sie wohl die kommenden 2 Wochen auch niemanden sieht, der ihr wichtig ist.)

Corontäne 15: Einheitsbrei

Ein weiterer Tag im HomeOffice, HomeSchooling, HomeAlles für uns Mädchen. Christoph war im Büro, Hanne hat sich um Französisch gekümmert, Ella arbeitet Aufgaben unterschiedlicher Fächer ab und ist schnell fertig, wie immer. Wir haben ein Paket weggebracht, das Eichhörnchen beobachtet, haben gelesen und gelungert, irgendwas gab es zum Mittagessen, danach waren Ellie und ich beim Supermarkt, haben im Gewächshaus nach dem rechten gesehen, etliches an Bildschirmzeit gehabt. Ich habe nur ein einziges Foto geschossen, abends, auf der Couch.

Stillleben mit Lavalampe an Kaktus

Trotz der Zeitumstellung, die uns heute egal war, sind die Mädchen zur üblichen Zeit im Bett, aber auch das ist 22 Uhr für beide.

Corontäne 14: Knetseife und Wildgänse

Hanne kümmert sich heute um Englisch. Sie hört Radiobeiträge, muss Fragen dazu beantworten, Texte lesen und ist am Ende des Tages mit der Wochenaufgabe fertig: Häkchen auf den Post-Its dokumentieren ihren Fortschritt. Außerdem bekommt sie heute einen Gelben Brief von der Stadt (falsch datiert): Sie soll sich bitte bis zum 25. März in häusliche Isolation begeben. Das kommt ein bisschen spät.

Wir gucken die Jungs-WG in Amsterdam in der ZDF Mediathek, danach macht Ella Knetseife. Die Anleitung habe ich bei der Stadtbücherei gesehen und direkt vorgemerkt, weil wir alle Zutaten zu Hause hatten.

Die Knetseife ist im trockenen Zustand leicht und weich, angenehm zu kneten und nach einiger Zeit ein bisschen bröselig. In dem Fall kann man einfach etwas zusätzliches Öl unterkneten. Wenn man die Seife ohne Wasser benutzt, riechen die Hände danach jedenfalls sehr sauber. Wahrscheinlich werden sie in diesem Haushalt eher als Squishy zum Einsatz kommen. Mit Wasser werden sie glitschig und lösen sich langsam auf, was dazu führt, dass man sich tatsächlich mehr als 30 Sekunden lang die Hände wäscht.

Mit sauber duftenden Händen schreibt Ellie danach Postkarten an die Großeltern; ich arbeite.

Christoph kommt heim und ich verabschiede mich für eine Stunde. Meine +1-Person, die ich jetzt gefühlt ewig nicht mehr gesehen habe, ist die liebste Fastnachbarin. Ich bin vor ihr am Treffpunkt und erkenne sie schon am Schritt, bevor ich ihr Gesicht erkenne. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns sehen, ist unbehaglich. In sozialer Distanz laufen wir eine Runde durch den Park. Wir führen grade sehr gegensätzliche Leben; meines kam gefühlt zum Stillstand und bei ihr ist mehr los den je.

Wie gut das tut, diese Stunde für mich. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns verabschieden, ist unbehaglich.

Danach hole ich im Laden gegenüber noch Mozzarella und Milch und wundere mich mal wieder darüber, wie schnell die Grundnahrungsmittel aufgebraucht werden. (Ja, Mozzarella ist bei uns ein Grundnahrungsmittel.) Ich gucke beim Klopapier vorbei – gibt immer noch keins.

Zuhause ist es kuschelig und warm und ich kann mich extra darüber freuen, weil ich grade draußen war.

Corontäne 13: Villainous

Es schneit. Gefällt mir nicht.

Das große Mädchen hat „ein gutes Buch“, ich glaube das vierte in drei Tagen, und kommt erst nachmittags runtergeschlappt. Sie fragt, ob wir am Morgen den Schnee gesehen haben, also hat sie schon lange gelesen. Ein Hoch auf die Onleihe der Stadtbücherei, sonst sähe die Lage hier deutlich unentspannter aus. Ellie macht sich die Onleihe auch zunutze und liest Die unlangweiligste Schule der Welt. Intendierte KJL.

Dass der Ausweis in unserer Stadtbücherei für Kinder einmalig 3 EUR kostet, bis sie 18 sind, fand ich schon früher großartig. (Hanne, Ella)

Ich backe einen Kuchen, weil Reste. Eigentlich backe ich nur den Boden, obendrauf gibt’s Schmand-Marmelade-Creme.

Nach unserer Mädchen-Zumba-Einlage spielen wir Villainous. Sieht nicht gut aus für mich: Blöder Feenglanz, und dann kam auch noch Spott dazu. Christoph Maleficent gewinnt.

Am Abend gibt’s Pizzaschnecken und Malcolm in the Middle. Morgen starten wir in Woche 3 dieses HomeSchooling-Abenteuers.

Corontäne 12: Nachtwanderung

Wir gucken Netflix und Terra X in der Mediathek, gießen die Salatbabies im Gartenhaus, versagen beim Puzzle und lungern herum. Hanne hat ein gutes Buch, Christoph Wochenende.

Am Abend packt Ellie der Lagerkoller, der sich den ganzen Tag langsam aufbaute, so richtig. Obwohl sie um diese Zeit zu Schulzeiten schon längst im Bett liegen muss, sind das keine Schulzeiten, und das Leben steht still wie zwischen den Jahren, wenn man nicht mehr nach Wochentagen unterscheidet, sondern nur noch nach gestern-heute-morgen. Ellie und ich laufen also einmal den Deich rauf und runter, mit dem Handy als Taschenlampe. Wir spielen Wörterkette und Nenn-mir-das-erste-was-Dir-in-den-Sinn-kommt-wenn-ich-sage…, sind eine Stunde unterwegs und begegnen insgesamt 16 Menschen: ein Fußgänger, ein E-Roller-Fahrer, ein Skateboarder und der Rest mit Leeze. Danach geht’s ihr etwas besser.

Corontäne 11: Server Down

Der Schulserver ist down. Ehrlich gesagt hatte ich das schon vor gut einer Woche erwartet, wenn nicht früher, denn verlässlich ist der schon in den besten Zeiten nicht. So konnten die Mädchen heute ihre Klassenordner nicht ansteuern und nur ein bisschen nacharbeiten, oder für anstehende Paper oder Präsentationen recherchieren. Ella bekommt ohnehin viel weniger Aufgaben und ist immer recht schnell fertig; sie pröddelt etwas rum, liest ein Buch, telefoniert, hat Bildschirmzeit, räumt ein bisschen auf. Seufzt.

Hanne liest.

Christoph kommt heim und hat kein richtiges Freitagabendgefühl, und ich sowieso nicht.

Corontäne 10: Schemel

Zu meinem neuen Schreibtisch bekomme ich heute einen neuen Fußschemel für darunter, natürlich aus umverteilten und wiederverwendeten Materialien. Die Füße hielten Hannes ersten Kleiderschrank in der ersten Wohnung, pre-Ellie. Christoph hat sie schwarz angesprüht.

Die OSB-Platte ist ein übriggebliebener Teil von Hannes Boden, der Stoff von Ikea, der schon länger auf einen Einsatz gewartet hat.

Zusammengebaut steht der Schemel jetzt unter meinem Schreibtisch und ich kann meine Füße draufsetzen. Fein. Sonst? Schularbeiten, ab uns an eine Runde um den Block, und viel drinnenbleiben. Da Christoph keine Symptome entwickelt hat, muss er morgen nach der Isolation wieder zurück ins Büro.

Corontäne 9: Gelb und Rot

Wir machen dann mal weiter. Nach der Küche ist heute eine Wohnzimmerwand dran. Sie wird gelb.

Und dann drehen Ellie und ich noch eine Runde auf den Inlinern, und Ella fällt, fängt sich mit dem linken Arm auf, uns wir enden in der menschenleeren Notaufnahme. Nach einem Fragebogen zu Corona dürfen wir auf Abstand zur Ärztin, zum Röntgen, zurück zur Ärztin.

Und dann mit einem roten Gips nach Hause.

Der letzte war auch rot, aber nicht so schön gewickelt.