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Samstagsaktiv

Ein guter Tag. Ella testet die Luft und ist damit zum ersten Mal seit Dienstag wieder außer Haus. Hallelujah, auch wenn sie nur bis zum Ende der Terrasse kommt.

Kurz danach beobachten wir, wie das Eichhörnchen energisch den fluffigen, oberen Teils des Pampasgrases aus Nachbars Garten abrupft und ihn sich in die Schnüss stopft, um die Arme für’s Klettern freizuhaben. Leider verhakt sich das arme Ding mehrfach in Ellas Kletterbaum und hat große Probleme. Wahrscheinlich sieht es auch nicht so viel hinter all den Pampaspuscheln, aber es gibt nicht auf und nach beharrlichem minutenlangem Ausprobieren unterschiedlichster Routen hat es endlich einen Weg gefunden und verschwindet im Baum. Vielleicht ist der alte Kobel bei Friederike zusammen mit dem Baum umgefallen, oder es steht Nachwuchs an bei Familie Eichhörnchen.

Ich angele eine Hochzeitseinladung von Emily und Melanie aus dem Briefkasten, über die ich mich ganz furchtbar freue – da haben sich zwei tolle Menschen gefunden!

Christoph näht sich ein Mäppchen; sein letztes wurde 0,5 Sekunden nach Fertigstellung von Hanne akquiriert.

Es besteht außen aus Malervlies, innen aus dem Rest des grünen Tshirts, dessen Unterteil schon für das Inlay von Hannes Flamingomütze verwendet wurde. In den Tagen, in denen er nicht da war, hab ich ihm außerdem eine To-Do-Liste geschrieben, der er sich widmet: Den Wasserhahn in der Küche hat er schon am Morgen repariert, Hannes neuer Laptop wird konfiguriert. Guter Mann.

Ella hat das Playmobil-Prinzessinnenschloss nun endgültig ihres Zimmers verbannt (und, natürlich, in Christophs Arbeitszimmer gestellt). Wir besprechen beim Essen, dass es entweder in den Keller kommt oder verkauft wird. Die Mädchen entscheiden sich für Option 2 und ich drucke ihnen die Anleitung aus, damit sie alle Teile zusammensuchen können. Sie breiten sich in Hannes zweitem Zimmer aus uns kramen in den Kisten nach 4 Tauben, 1 Teekanne und 4 Tassen, etlichen Blumenranken, Blüten, Perücken und sonstigen Kleinkram. Hanne wird übermütig und verlangt zusätzlich die Anleitungen zum Schiff der Feenkönigin und der magischen Feeninsel.

Bei so viel Aktionismus fahre ich besser mal mit Musik auf den Ohren zum Einkaufen und stehe noch 2 Minuten in der Sonne.

 

 

Karnevalssonntag

Heute Abend fliegt mein Bruder heim, wir werden eine weitere Nacht bleiben. Kurz nach Mittag hat Christoph Karnevalsdienst: er begleitet meine Mutter und unsere Mädchen zum Zug im Dorf. Thomas und ich fahren nach Merheim ins Krankenhaus. Wir besuchen meinen Vater auf der Intensivstation, dann fahre ich Tom nach Düsseldorf.

Morgen Mittag fahren wir nach Münster, und dann ist Karneval schon wieder vorbei.

 

 

Karnevalssamstag

Die Mädchen machen mit meiner Mutter und meinem Bruder heute 2 Züge. Es ist so kalt, so viel kann man sich gar nicht warmschunkeln. Die Hände der Mädchen sind tiefgefroren. Ella, die langsam schlapp macht, will nur noch auf die Couch – Kälte ist ja eh nicht ihres. Irgendwas ist da auch im Anflug… ich hoffe, sie hält noch etwas durch.

Wie jedes Jahr kippen die beiden mit ihrem Onkel die Beutelauf dem ausgebreiteten Betttuch auf dem Wohnzimmerboden aus und sortieren Kamelle.

Nachmittags hole ich Christoph in Fühlingen ab; er hatte einen seeehr langen, sehr schönen Abend.

Um 18h werde ich dann von Dani und Carsten abgeholt, auch in diesem Jahr geht’s ins Marienbild in Braunsfeld. Ich stehe hinter dem Küchenfenster, halte nach den Scheinwerfern Ausschau, um rauszugehen. Obwohl ich keine Ahnung habe, welches Auto die beiden fahren, ist es nicht so als käme um diese Zeit jemand anderes hier lang. Für einen Moment lang bin ich wieder 17… wie viele Abende haben genauso angefangen, am Küchenfenster, begierig darauf loszukommen. Einige der Mädels, die mich damals aufgesammelt haben, würde ich heute wahrscheinlich gar nicht mehr wiedererkennen.

Der Moment verflüchtigt, als sich meine beiden wunderschönen Töchter rechts und links neben mich stellen um zu gucken, was denn bitte da draußen so interessant sei. Eine von ihnen ist schon größer als ich, sogar ihre Leeze ist größer als meine. Nicht mehr lange und sie steht zu Hause hinter dem Fenster und guckt, ob schon jemand kommt, der sie abholt. (Derjenige wird aber vermutlich mit dem Rad kommen.)

Das erste Mal müssen wir im Marienbild Eintritt zahlen; 5 €. Der Bierpreis ist gleich und treibt meinem Vater morgen fast die Tränen in die Augen: die Stange Gaffel für 2 €.

Das war, wie immer, einfach wundervoll. (Wir gingen, als die Decke anfing zu tropfen…)

 

 

Auf nach Kölle

Ella, die als Cowgirl geht, hat heute ihre Karnevalsfeier in der Schule. Wie jedes Jahr darf ich am Freitag nach Weiberfastnacht einfach liegenbleiben und Christoph kümmert sich um die Kinder. In diesem Jahr nur um eines; Hannes Schule hat Freitag, Rosenmontag und Veilchendienstag frei, so wie sich das gehört.

Das große Mädchen und ich gehen den Tag also sehr langsam und spät an und packen unsere Sachen für’s Karnevalswochenende bei meinen Eltern. Onkel Thomas ist schon seit Mittwoch da, auch auf ihn freue ich mich sehr.

Hanne zieht ein blau-weißes Dirndl an und überlegte länger in Sachen Frisur. Unser erster Versuch eines ordentlichen Dutts ist aber ein so durchschlagender Erfolg, dass sie dabei bleiben wird. Ein blau-weißes Band für eine Schleife findet sich auch noch – fertig. Ich werde es Oma überlassen, ihr wiederholt zu sagen, dass zu kalt sein wird um ohne Mütze am Zug zu stehen.

Um 16 Uhr sind wir auf der Autobahn.

Christoph wird heute Abend bei Tobi und Kerstin in Fühlingen sein. Normalerweise trifft er sich immer samstags mit ihnen, wenn ich mit meinen Schulfreundinnen weg bin, aber in diesem Jahr klappt es nicht anders. Wir gucken uns das Haus an, ich war noch nie da, und fahren dann weiter zu meinen Eltern.

Morgen geht der Straßenkarneval für die Mädchen los: um 10 vor 11.

Wieverfastelovend

Es ist Weiberfastnacht und ich muss arbeiten… offensichtlich war ich im Vorfeld sehr jömelig, denn aus lauter Mitleid hat mein Morgenkurs Berliner mitgebracht.

Dann hab ich frei, die Sonne scheint, es ist knackekalt, der Himmel ist blau und es ist Weiberfastnacht!

Dieses Jahr habe ich mir ein ganz schnelles Kostüm überlegt: Waldelfe. Ein Haarreifen, Vogel und Blätter aus dem 1-Euro-Laden, ein bisschen Draht und der Kopfschmuck war fertig; dazu Elfenohren zum Aufstecken. Ein altes grünes Tshirt, auf dem die restlichen Blätter mit der Heißklebepistole aufgeklebt werden.

Untenrum braucht man an Fastelovend eh nur sehr feste Schuhe und eine bierabsorbierende Jeans. Hanne schminkt mich einmal zur Probe und übt auf ihrem Arm.

Es sieht super aus, aber bevor ich Ella abhole, schminke ich mich lieber ab, sonst ernte ich komische Seitenblicke. Als ich Ella gut zu Hause habe, darf Hanne mich ein zweites Mal schminken. Es läuft der WDR Livestream und Lupo: Nur für die Liebe nicht und MILJÖ – Su lang de Leechter noch brenne.

Um 17h kommt Meike zu mir, kurz danach stößt Christiane dazu, und dann geht’s in die Jüdefelder: der Barzillus ist fest in Jupps kölscher Hand.

… ein guter Auftakt, morgen geht’s nach Kölle!

 

 

Atemwolkenkalt

Kalt ist es im Münsterland. Fensterblumenkalt, autokratzkalt, zweipaarhandschuheübereinanderkalt.

Gestern und heute habe ich die Kinderbetreuung ab 15h ganz und gar in Christophs Hände gegeben. Seit ich die Arbeit aufgestockt habe, komme ich nachmittags öfter an meine Grenzen – und merke das dann vor allem daran, wie leicht reizbar ich bin.

Am Abend, so gegen 22h, nachdem ich einen großen Klumpen Arbeit aus den Füßen hatte, kann ich aufatmen (und der Rest der Familie sicherlich auch).

Morgen, versprechen die Schäfchenwolken unisono mit mir, wird ein schöner Tag.

Dirndlbluse

Hanne, die ein Dirndl anziehen wird, braucht eine Bluse. Zwischen Mittagessen und Ellaholen quetschen wir den Karnevalswierts rein und finden erfreulicherweise ganz schnell eine, in Größe 36/38.

 

Schnee, Helm, und das Zeugnisessen

Früh morgens kramen alle außer mir hektisch nach ihren Regenhosen – es schneit, und nicht zu wenig. Ich stülpe Regenschütze über Tonnis und hoffe, dass die Radwege nicht zu rutschig sind. Bei mir wird eine halbe Stunde später das Auto sein, mit dem ich mich auf den Weg mache.

3 Stunden später ist der ganze Spuk vorbei und alles schon wieder weggetaut.

Heute kann ich Ella schon wieder so früh abholen – um 11h ist ihr Unterricht vorbei. Hanne ist zu Hause und ganz kribbelig wegen ihres Zeugnisses, das sie heute bekommen hat: sie ist stolz und froh und rechnet zufrieden ihren Durchschnitt aus.

Natürlich gehen wir zur Feier des Tages alle gemeinsam zum Zeugnisessen im AL. Christoph kommt dafür von der anderen Seite der Stadt aus dem Büro angeradelt.

Am Abend führen wir mit Hanne am Abendbrottisch das „Helmgespräch“. Sie will ihn nun wirklich nicht mehr tragen; zu peinlich, keine Frisur darunter machbar, niemand sonst. Vor einigen Tagen hatte sie uns schon darum gebeten, uns darüber Gedanken zu machen und mit ihr zu sprechen, wenn wir als Eltern uns einig sind.

Wir machen mit ihr einen Plan aus, mit dem wir alle gut leben können.

Et Hätz

Hanne war mit einer Freundin in der Stadt und hat Touristin gespielt.

Außerdem hat sie ihre Frozen Yogurts fotografiert und war bei NanuNana und den Läden der schwedischen Modekette.

In der Zwischenzeit hab ich die Sonne gesehen, als ich in Christophs Arbeitszimmer vorbeikam,

und während Ella ihr Zimmer aufgeräumt hat, habe ich das Selbe im Garten gemacht und tief, tief, tief durchgeatmet.

De hauptsaach is et hätz es joot.