Corontäne 28: Fischgräte

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Es ist Jammern auf hohem Niveau, ich weiß, aber ich fühle mich unproduktiv und lungerig und quengelig. Mir fehlt die alltägliche und unkomplizierte soziale Interaktion mit anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht. Mein Job lebt davon, mit Menschen zu sprechen.

Gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich echt nicht beschweren darf: ich kann mit den liebsten Menschen zu Hause bleiben (und mit wem sonst würde ich das überhaupt aushalten?), in einem Haus, das genügend Zimmer hat, damit jeder auch mal für sich sein kann. Mit Garten, mit Internet, mit Netflix, mit großen Kindern, die sich sogar mögen, mit wenig finanziellen Sorgen, denn irgendwie wird das schon alles klappen.

Trotzdem war ich nörgelig und tat mir selber sehr leid. Keine gute Kombination. Bevor das die gesamte Stimmung im Haus vergiftet, habe ich mir Tape und den Rest der gelben Farbe geholt und mit den Mädchen in meinem Arbeitszimmer gewerkelt. Hanne hatte heute aus Gründen kein Joggen, daher traf sich das gut. Sie half beim Bekleben, Ellie beim Streichen.

Bis zum Nachmittag waren wir fertig.

Davor steht jetzt noch meine graue Couch, und ich war eine Weile sehr glücklich damit. Dann haben Ellie und Christoph mich darauf hingewiesen, dass es aussähe, als wäre ein ziemlich gigantischer Traktor mit gelber Farbe unter dem Reifen meine Wand hochgefahren. Das kann ich jetzt natürlich nie wieder ungesehen machen, aber trotzdem mag ich es.

Corontäne 26: Hausflur

Gut ein Jahr nach dem Anfang machen wir heute mal im Hausflur weiter. Dafür kommt Hanne direkt nach dem Joggen heim, anstatt den Rest des Vormittags mit Emma zu verbringen. Wir anderen sind schon gut dabei, als sie angeradelt kommt.

Die Vertäfelung muss weg und in den Garten getragen werden, wo sie in Feuer- oder Bauholz eingeteilt wird (Eltern). Die Löcher, Zargen, Ecken und Vorsprünge müssen zu- oder zumindest vorgespachtelt werden (Mädchen).

Die hier hatte ich fast vergessen: Die alte, schmale Dienstbotentür, die wir vor Jahren von der anderen Seite zugemauert hatten, denn sie führte vom Hausflur direkt in Hannes damaliges Zimmer (jetzt Gästezimmer).

(Zeitreise: Zumauern, Hübschmachen)

Der Mann und die Elektrik:

Am Ende haben wir den zweiten Stock im Hausflur von Holz befreit, die Mädchen haben verputzt und geputzt und neues Feuerholz gibt es auch.

Corontäne 9: Gelb und Rot

Wir machen dann mal weiter. Nach der Küche ist heute eine Wohnzimmerwand dran. Sie wird gelb.

Und dann drehen Ellie und ich noch eine Runde auf den Inlinern, und Ella fällt, fängt sich mit dem linken Arm auf, uns wir enden in der menschenleeren Notaufnahme. Nach einem Fragebogen zu Corona dürfen wir auf Abstand zur Ärztin, zum Röntgen, zurück zur Ärztin.

Und dann mit einem roten Gips nach Hause.

Der letzte war auch rot, aber nicht so schön gewickelt.

Corontäne 5: Streichen

Wir haben 4 neue Küchenstühle bestellt, schon Pre-Corontäne, und diese werden heute geliefert. Während Ellie zu meinen Füßen hockt und malt und ich arbeite,

baut der Weltbeste die neuen Stühle zusammen. Wir mögen petrol (2014, 2015, 2018). Hanne sitzt auf der Küchenbank und lernt.

Schön bequem und mehr als pobreit. Die alten Stühle kommen in den Keller, und wo wir grade schon dabei sind, können wir doch eigentlich auch

  • das quadratische braune Eckregal aus dem Wohnzimmer in die Küche umziehen lassen
  • die Wand hinter dem Herd weiß streichen
  • und die Regale etwas anders wieder anbringen
  • den grüne Ikea PS in den Keller bringen, weil er sonst keinen Platz hat und
  • im Wohnzimmer den weißen Bastelschrank und das andere braune Regal die Plätze tauschen lassen

Das dauert den größten Teil des Tages. Ich sag mal, so gegen viertel vor 6 waren wir fertig. Gut, dass die Mädchen mit ihren über den Schulserver geschickten Wochenaufgaben schon fertig waren!

Unter der Treppe

Sachen, die sperrig sind oder nicht so wenig gebraucht werden, dass sie in den Keller kommen, aber mehr als dass sie im Vorratsraum an der Küche stehen dürfen, wohnen unter der Treppe.

Der Deckendurchbruch, der die Treppe erst möglich machte und das Erdgeschoss mit dem ersten Stock verband, war 2014 Meilenstein für uns. Hier sieht man nochmal die Anfänge des kleinen Raums unter der Treppe, als die zusätzliche Wand gezogen wurde.

Heute ist der Liebste leider wieder bei der Arbeit, Ellie verabredet und mit einer Freundin in der Stadt, und Hanne und ich räumen unter der Treppe auf.

Fast leer, kurz danach wieder deutlich voller, und das war’s mit Aktivität für heute.

Mehr Schneeflocken

Es reicht uns immer noch nicht. Dieses Jahr backen wir kaum Plätzchen, und wenn überhaupt schnell, nebenbei, und meistens am späten Nachmittag, wenn es dunkel geworden ist, langsam alle nach Hause kommen und ein bisschen Zeit vor dem Abendessen bleibt. Stattdessen dekorieren wir die Terrassentür mit großen und kleinen Schneeflocken. Hanne ist furchtbar untalentiert und daher für die Anordnung und Befestigung der Sterne abgestellt.

Zwischen Arbeit, Tests, Verabredungen, Weihnachstsfeiern ist heute ist der einzige Tag in dieser Woche, in der wir alle Zeit haben, uns abends mit Russ zum Schneeflockenbasteln zusammenzusetzen.

Fensterflocken 2

Wir nisten uns ein und sind uns selbst genug.

Hanne bringt Eis mit rein, dem wir beim Schmelzen zugucken.

Fensterflocken

Wie in jedem Jahr verzieren wir die Solarlux-Tür zum Garten mit Schneeflocken. Ich habe nicht nur das Gefühl, dass es immer mehr wird , es ist tatsächlich so!

Vor 5 Jahren hatten wir hinten raus noch keine Terrasse.

Wir hören Weihnachtsmusik und schnibbeln und Hanne hängt auf.

Beige

Seit Jahren sammeln wir Kleingeld in einer bauchigen Bacardi-Flasche, die auf der Fensterbank im Wohnzimmer steht. Ich glaube, der Liebste hat die Flasche schon mit in die Beziehung gebracht… ich kann mich jedenfalls an keine unserer gemeinsamen Wohnungen ohne diese Flasche erinnern. In den ersten Jahren mit den Mädchen hat das Geld aus der Flasche in Summe und Zeitplan jeweils gut für eine neue Jahreskarte für den Allwetterzoo gereicht. Als das nicht mehr interessant war, haben wir trotzdem weitergesammelt. Manchmal gab es tatsächlich eine direkte Anwendungsmöglichkeit für den Betrag. Oft genug hab ich aber morgens diese Flasche umgedreht und die benötigten 2,60€ oder 3,20€ herausgesucht, die eines der Mädchen mit in die Schule bringen sollte. (Der Liebste kann erfreulich wenige Sachen an mir nicht leiden, aber dieses morgenliche Münzgrabbeln findet er wirklich furchtbar.)

Als die Flasche dieses Mal voll war, hab ich das Geld eigenständig und eigenmächtig für einen neuen Teppich für das Wohnzimmer ausgegeben.

Ich liebe ihn! Der alte, bunte, mittlerweile sehr fleckige Teppich hat uns lange begleitet, aber seine Zeit war definitiv vorbei. Eingerollt steht er jetzt für den morgigen Sperrmüll an der Straße.

Zum neuen Teppich hat mich die dritte Ferienwohnung inspiriert, in der wir in Frankreich waren. Überhaupt bekomme ich nach Ferienwohnungen, die ich schön fand, immer einen Rappel, wenn ich nach Hause komme. Dann will ich direkt anfangen alle Ideen umzusetzen, die ich im Kopf habe. Für den Moment bin aber sehr zufrieden – und die Münzflasche ist eh leer.