Garten

Kiepenkerl

So ein sonniger Tag!

Schmeißt die Solarlux auf, wir machen heute nur Draußendinge, und zwar voller Elan! Vielleicht holen wir sogar die Sonnencreme aus der Krimskramsschublade im Bad.

Naturgemäß fällt uns immer schon wenig später ein, dass wir auch grillen wollen, und wenn es uns so geht, vielleicht wollen das ja alle Freunde auch. Wir laden ein. Ella macht den Anfang und hat ab 10h morgens Elsa hier. Die beiden bauen sich ein Zelt auf.

Sie sortieren Steine und sind den Tag über 3x beim Laden gegenüber: Wir brauchen Butter. Wir brauchen Eis! Sie brauchen Kaugummi. Der Weg ist das Ziel – das Alleinegehendürfen, das Alleinegeschaffthaben.

Hanne und ich topfen um und pflanzen ein und kümmern uns rührend. Christoph verkleidet in der Zwischenzeit die neuen Fenster.

Um 2 kommt die Flaschenpost, kurz vor 4 die ersten Freunde. Wir stehen um den Grill, quatschen und überlegen uns, warum noch mehr Sirenen zu hören sind als sonst. Ich denke, es sei ein Unfall auf der Autobahn passiert, irgendwas Großes, bis wir den Hubschrauber sehen, der still über der Innenstadt steht und die ersten Nachrichten kommen, die ersten Fragen aus Münster, aus Deutschland, aus der Welt, ob alles in Ordnung ist? Wir melden uns selbstständig bei unseren Familien, vorsichtshalber, damit sie keinen Schreck bekommen, wenn sie plötzlich etwas im Radio hören.

Ich verbiete Christoph, zum Baumarkt zu fahren. Wir sitzen zusammen. Ich merke, in wie vielen whatsapp-Gruppen ich bin; viele von ihnen wurden seit Monaten nicht mehr genutzt und verschwanden in die Tiefe der Timeline, bis heute.

Als die Textnachrichten nur noch aus „Himmel, wir waren graaaaade noch in der Stadt, was hätte uns alles passieren können!“ / „Ich geh da immer sonntags lang.“ / „Da hatten wir heute Morgen noch unsere Leezen geparkt“ bestehen, mache ich das Handy aus. Ich weiß, dass die Meinen in Sicherheit sind, alle Nachrichten sind zu diesem Zeitpunkt Spekulationen.

Noch mehr Freunde kommen, manche aus der Innenstadt. Ich bin froh, dass wir nicht mehr da wohnen, wo die Mädchen heute vielleicht schwer bewaffnete, vermummte Polizisten hätten sehen können. Der Himmel ist blau. Der Hubschrauber steht wieder über der Innenstadt; so lange, dass wir sein Geräusch irgendwann gar nicht mehr wahrnehmen.

Wir sitzen bis tief in die Nacht zusammen.

Sonnenexposition

Die langen Wochen, in denen es die Sonne, wenn es sie denn gab, nicht mal in den Garten geschafft hat, sind endlich vorbei. Am Nachmittag tanzen schon die Mücken im Garten und wenn man eine windstille Stelle findet, ist es fast warm. Das entspannte Rotkehlchen kommt immer angeflogen, wenn wir im Garten sind – vielleicht buddeln wir ja wieder mal was um. Heute allerdings nicht, wir halten still die Nasen in die Sonne.

Ich: „Weißt Du, was die Sonne einen macht?“ und will meine rhetorische Frage schon beantworten mit „glücklich“ …

da sagt Ella: „Nett.“    Damit hat sie zweifelsfrei auch recht, alle haben bei diesem Wetter bessere Laune.

Wir gucken kurz nach dem Pflanzenfortschritt.

und tanken noch ein bisschen Vitamin D.

 

Topinambur

Dieses Wochenende hatten Hanne und ich uns vorgenommen das Gewächshaus von Grund auf zu erneuern und die gesamte Sache mal strukturiert anzugehen. Mit Beschriftungen, auf denen auch das Pflanzdatum steht und anderen, ebenso cleveren Herangehensweisen.

Weil das Wetter so mild war, haben wir es tatsächlich geschafft; schon am (einigermaßen frühen) Morgen schmissen wir die Solarlux auf, denn draußen war es wärmer als drinnen. Überhaupt war das ein für unsere Verhältnisse sehr aktiver Samstag; für Christoph Recylcinghof und Ikea Kamen inklusive.

Das Gewächshaus nach dem ersten Saubermachen.

… und am Ende des Tages.

Es gibt Kräuter, Gemüse und Blumensamen. Das Hochbeet ist aufgefüllt, die meisten Pflanzen haben neue Erde, neue Töpfe oder gleich beides bekommen. Und dann das hier: Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass der Topinambur wirklich kommt. Und so üppig! Das hier ist höchstens ein Drittel der möglichen Ernte.

Die ersten Knollen wäscht und stiftelt Ella, gegessen wird der Salat aber dann nur von uns anderen dreien. Dafür schmeckt er aber grade Hanne extrem gut.

Der Abend endet mit dem großen Backen auf der ausgeklappten Couch.

Samstagsaktiv

Ein guter Tag. Ella testet die Luft und ist damit zum ersten Mal seit Dienstag wieder außer Haus. Hallelujah, auch wenn sie nur bis zum Ende der Terrasse kommt.

Kurz danach beobachten wir, wie das Eichhörnchen energisch den fluffigen, oberen Teils des Pampasgrases aus Nachbars Garten abrupft und ihn sich in die Schnüss stopft, um die Arme für’s Klettern freizuhaben. Leider verhakt sich das arme Ding mehrfach in Ellas Kletterbaum und hat große Probleme. Wahrscheinlich sieht es auch nicht so viel hinter all den Pampaspuscheln, aber es gibt nicht auf und nach beharrlichem minutenlangem Ausprobieren unterschiedlichster Routen hat es endlich einen Weg gefunden und verschwindet im Baum. Vielleicht ist der alte Kobel bei Friederike zusammen mit dem Baum umgefallen, oder es steht Nachwuchs an bei Familie Eichhörnchen.

Ich angele eine Hochzeitseinladung von Emily und Melanie aus dem Briefkasten, über die ich mich ganz furchtbar freue – da haben sich zwei tolle Menschen gefunden!

Christoph näht sich ein Mäppchen; sein letztes wurde 0,5 Sekunden nach Fertigstellung von Hanne akquiriert.

Es besteht außen aus Malervlies, innen aus dem Rest des grünen Tshirts, dessen Unterteil schon für das Inlay von Hannes Flamingomütze verwendet wurde. In den Tagen, in denen er nicht da war, hab ich ihm außerdem eine To-Do-Liste geschrieben, der er sich widmet: Den Wasserhahn in der Küche hat er schon am Morgen repariert, Hannes neuer Laptop wird konfiguriert. Guter Mann.

Ella hat das Playmobil-Prinzessinnenschloss nun endgültig ihres Zimmers verbannt (und, natürlich, in Christophs Arbeitszimmer gestellt). Wir besprechen beim Essen, dass es entweder in den Keller kommt oder verkauft wird. Die Mädchen entscheiden sich für Option 2 und ich drucke ihnen die Anleitung aus, damit sie alle Teile zusammensuchen können. Sie breiten sich in Hannes zweitem Zimmer aus uns kramen in den Kisten nach 4 Tauben, 1 Teekanne und 4 Tassen, etlichen Blumenranken, Blüten, Perücken und sonstigen Kleinkram. Hanne wird übermütig und verlangt zusätzlich die Anleitungen zum Schiff der Feenkönigin und der magischen Feeninsel.

Bei so viel Aktionismus fahre ich besser mal mit Musik auf den Ohren zum Einkaufen und stehe noch 2 Minuten in der Sonne.