Mittwoch

Alle arbeiten vor sich hin, jeder in seine Ecke des Hauses.

Als ich mir vormittags frischen Kaffee hole, geh ich kurz auf die Terrasse, um den quietschesauberen, klaren Himmel zu bewundern. Ein einziges Flugzeug, sonst nur blau, blau, blau.

Im Schatten hält sich ein kleiner Flecken Schnee, aber nicht mehr lange.

Zum Mittagessen gibt’s das Omelette-Grundrezept aus den Möwenweg-Büchern, nach persönlichen Geschmack 4x unterschiedlich gepimpt. Das Nette daran ist, dass ich den Teig mache und die Schüssel auf dem Herd stehen lasse; mittwochs hab ich über Mittag wenig Zeit. Jeder kann also kommen, wann’s passt und sich selber darum kümmern – frisch schmeckt’s eh besser.

Hanne macht sich nachmittags auf den Weg in den Park, Geburtstag feiern.

Es ist so schön draußen, dass Ellie und ich kurzerhand auch in den Park radeln, aber ans andere Ende. Der liebste Fastnachbarsohn kommt rum.

Die beiden spielen, ich sitze unter’m Baum. Das reicht.

Abends setze ich mich wieder an den Rechner, Christoph und Ellie machen Dinge und Abendbrot.

Sich sehr glücklich schätzen dürfen

Ich wecke Ellie, dann Hanne. Sie hat den Schnee auf ihrem Balkon angefasst: verräterische Spuren.

Ach, Mensch, Weiberfastnacht. Das ist wirklich deprimierend. Der Auftakt des Straßenkarnevals, und natürlich darf man sich nicht treffen, logisch, und schunkeln, gemeinsam singen, beieinanderstehen geht auch nicht, aber ich darf es schade finden.

Normalerweise bin ich donnerstags mit den anderen Exilrheinländerinnen in der einzigen Münsteraner Kneipe mit kölscher Musik, aber so bleibt uns nur, uns per whatsapp gegenseitig zu versichern, dass es nächstes Jahr wieder so sein wird. Bitte.

Ich hab am Vormittag wenige Videokonferenzen und bin die einzige mit karnevalistischem Zoom-Hintergrund. Die Kölner schicken Bilder von kleinen Accessoirs, die sie heute auf der Arbeit anziehen oder dabeihaben – Ringelsocken, blinkende Dom-Broschen oder Glitzer im Gesicht.

Nach meiner Videokonferenz kann ich mir ohne schlechtes Gewissen die Liveshow aus der Arena auf den zweiten Bildschirm ziehen.

Hanne kommt in ihrer Freistunde dazu und guckt ein bisschen mit. Am Nachmittag gehe ich mit Ellie einkaufen, wir brauchen noch ein paar Grundnahrungsmittel und irgendwie dann doch etwas Kölsch und Berliner und …. naja, ohne geht’s dann irgendwie doch nicht.

Am Abend hab ich zwar einen Elternabend (und muss Ellie versprechen, den Hintergrund auf jeden Fall zu ändern, ich lerne den neuen Klassenlehrer kennen…), aber wenn ich vorher mit den Menschen in diesem Haus anstoße, ist das auch kein Beinbruch. Ich verspreche Hanne, dass sie Kölsch probieren darf, aber leider gibt es im Supermarkt um die Ecke überhaupt kein Kölsch mehr – keine einzige Flasche. Ich habe den Verdacht, dass sie es ganz aus dem Sortiment genommen haben, hätte ich mal über’s Jahr verteilt mehr gekauft! Berliner gab’s immerhin.

Kurz vor 6 meint Christoph, dass er den Elternabend für mich übernimmt, denn ich hätte schon was anderes vor: ich bekomme Zugangsdaten von ihm, logge mich in einem spatial chat ein und treffe auf so liebe, liebe, liebe Freunde. Einige, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, andere mit denen ich sozial distanziert seit Corona nicht mehr zusammen sein konnte. Zwei ganz frische Babies werden in die Kamera gehalten. Christoph läuft kurzerhand zum anderen Supermarkt und holt mir Kölsch: er kauft vorsorglich alle Flaschen, die er findet. 11. (Hanne findet es wie zu erwarten widerlich.)

Sogar Karnevalsmusik hat die liebste Fastnachbarin für den Abend an den Start gebracht, hat alle eingeladen und alles geheim gehalten.

Wir sitzen zusammen, quatschen, stoßen virtuell an und spielen bis fast Mitternacht einige Runde skribbl.io.

Ich danke Euch allen, das war wunderbar. Ihr seid absolute Weltmacht!

Schneeprojekte

Morgens wecke ich erst Ellie, dann Hanne. Ihr Balkon hat über Nacht noch ein bisschen mehr Schnee gesammelt.

Auf der Wiese zeigt der Zollstock mittlerweile 32cm.

Es soll kein neuer Schnee dazukommen, der Himmel ist blau und es ist unfassbar kalt.

Nach der Schule geht Ellie rüber zu den liebsten Fastnachbarn. Sie haben vor, eine Schlittenbahn von der Garage runter in den Garten zu bauen und sind auf dem besten Weg – das will sich Ellie mal aus der Nähe angucken.

Stunden später frage ich mal dezent an, ob das Kind nach Hause kommen möchte, die Laternen seien ja schon lange an und wir wollten gerne gemeinsam Abendessen. Kurz danach ist sie hier.

Hanne war zwischenzeitlich mit dem Schlitten unterwegs und hat sich mit ihrer +1 getroffen… und war natürlich nicht die einzige mit dieser Idee.

Weiß

Morgens wecke ich erst Ellie, dann Hanne. Ihr überdachter Balkon ist fast ganz von Schnee bedeckt.

Im Garten liegt allerdings so viel Schnee, dass wir die Tür gar nicht so leicht aufbekommen.

Ist auch noch nicht so wichtig, erstmal müssen die Kinder in ihre Videokonferenzen und wir in unsere. Homeschooling/Homeoffice hat doch seine Vorteile: wir müssen heute nicht überlegen, wie die Kinder in die Schule kommen oder wir zur Arbeit.

Es schneit immer mal wieder. Am Nachmittag bauen Henry und Ella irgendwas.

Hanne hat montags immer lang Unterricht, aber es ist ihr auch gar nicht so schlimm: -13° locken sie kein Stück nach draußen.

Samstagsrunde

Der Wetterbericht sagt für heute heftige Schneestürme voraus und prophezeit für Münster schier unvorstellbare Schneehöhen von 30cm, aber am Vormittag drehe ich mit der weltbesten Fastnachbarin eine vollkommen trockene, coronakonforme Runde durch den Nordpark.

Wir grinsen uns schon an, als wir aufeinander zulaufen. Es tut so gut, ihr Gesicht zu sehen! Ich merke, wie ich das vermisst habe, und noch dazu gibt es viele schöne Neuigkeiten.

Wir biegen gemeinsam in den Seitenweg ab. Die Aa und die Seen sind sehr voll, kein Vergleich zum trockenen Sommer.

Als wir uns vor Mittag voneinander verabschieden, glaube ich nicht daran, dass heute noch Schnee runterkommen wird. Unser Besuch verlässt das Münsterland hoppladihopp, bevor hier das Verkehrchaos ausbricht. Am Abend ist Christoph verabredet und sieht den Schnee als erster. Er schickt ein Bild.

Als ich ins Bett gehe, mache ich noch ein Bild von der Terrasse. In der Nacht soll es weiterschneien, ich bin gespannt.

Christoph fotografiert später seinen Heimweg.

Eine Dusche, eine Dusche

Mit Duschwänden und zwei Möglichkeiten, aus denen das Wasser herausprasseln darf.

Ellie hat sich heute mit einer Freundin verabredet, die haben wir kaum gesehen. Vor lauter Freude über den erfolgreich-aktiven Tag gibt’s abends erstmal Hannes selbstgemachte vegane Pizza (aka ohne Käse).

Wegen des Schnees

Es ist Sonntag, und als ich aufwache, finde ich zwei Dinge: Schnee im Garten und ein Post-It an der Tür.

Die beiden bringen später Bilder mit:

Hanne und Emma wollen Schlittenfahren, und Ellie darf mit. Gegen Mittag machen sich unsere 2 mit Matschhosen, Mützen, dicken Jacken und 2 Rutschtellern auf den Weg zur Promenade. Leider ist da der meiste Schnee schon weg, und die Tatsache, dass es hier kaum Stellen gibt, an denen man mehr als 2 Meter hohe Hügel findet, sorgt dafür, dass das Wenige an Schnee schon von vielen anderen plattgefahren wurde.

Als die beiden nach zwei Stunden wiederkommen, sehen sie danach aus: Es war mehr ein Matschrutschen. Alle Klamotten stehen vor Dreck und kommen sofort in die Waschmaschine. Ellies Mütze ist unwiderruflich verloren gegangen und Hanne ist auf’s Knie geknallt, das jetzt weh tut, aber offenbar war es trotzdem schön.

Silvester 2020

Es ist ein ruhiges, unaufgeregtes, kuscheliges.

Niemand verlässt das Haus, wir bereiten gemeinsam alles für einen gemütlichen Spieleabend vor, die liebsten Fastnachbarn kommen rum und wir genießen nach so langer Zeit die Stunden zusammen.

Um Mitternacht stoßen wir an; Hanne trinkt das erste Mal ein Glas Sekt gemischt mit Mate Tee. Es gibt kaum Feuerwerk, und dadurch wird jede einzelne Rakete begrüßt.

Danke, 2020, jetzt reicht’s auch.