Corontäne 46: Schrank

Das Möbelwechselspiel geht weiter. Hanne verkündet, dass sie den großen Schiebetürenschrank, einen 1x2m Pax, den sie von uns geerbt hat, aus ihrem Zimmer haben möchte. Sie hat gar nicht so viele Klamotten, aber das Bedürfnis nach Platz – gut, dann kümmern wir uns heute darum.

Wie bei allen Ikea-Möbeln hoffen wir, dass der Schrank den Transport überleben wird. Wie bei allen Ikea-Möbeln bezweifeln wir es stark. Wie bei allen Ikea-Möbeln klappt es irgendwie doch.

Nun steht der alte Pax im neuen Gästezimmer und wartet auf Inhalt.

In Hannes Zimmer ist mehr Platz. Und den Ronny, den gibt’s immer noch!

Corontäne 45: Tag der Arbeit

Der erste Mai ist regnerisch und vergeht langsam. Unter normalen Umständen wäre ein zusätzlicher freier Tag, ein langes Wochenende, so willkommen – jetzt ist es einfach so, wie es ist. Die Grenzen zwischen Wochentag und Wochenende verschwimmen weiter.

Alle pröddeln vor sich hin, ich arbeite ein bisschen, Hanne liest viel, die anderen beiden spielen BeatSaber, wir räumen ein bisschen auf und machen wieder ein bisschen unordentlich.

Ich hole im Keller den Rest der hellblauen Farbe der Gästezimmerwand und streiche die Türen des Schranks, der jetzt in meinem Arbeitszimmer steht… wir spielen gerne das Möbelwechselspiel.

Ellie unterhält mich.

Am Abend ernte ich leckeren Salat aus dem Gewächshaus und backe schnelle Brötchen mit Körnern.

Wir kuscheln uns auf die Couchs und gucken Veronica Mars.

Corontäne 43: Joggen, Zebras

Hanne joggt, wie jeden morgen um 8, und schafft es heute das erste Mal ganz um die Promenade ohne zu gehen. Sie ist zurecht furchtbar stolz und zurechter furchtbar fertig.

Ellie hat Kunsthausaufgaben auf und auch sonst allerhand zu tun, was aber nicht schlimm ist, weil sie nun ihre Texte nicht mehr im Heft vorschreiben und später abtippen muss, um sie wie gewünscht einzureichen, und weil sie die Programme, die sie benötigt, nun immer zur Verfügung hat. Auch die Aufteilung der Woche funktioniert nun viel besser, da die Lehrer*innen am Montag die Aufgaben für die gesamte Woche herumschicken und im Aufgabenbereich die Frist einstellen, bis wann eine Abgabe zu erfolgen hat. So wird den Kindern der Druck genommen, mehrmals am Tag zu prüfen, ob neue Arbeitsblätter oder Aufgaben herumgeschickt wurden – zumindest haben meine Kinder das bislang so gemacht.

Die Kinder arbeiten also in der Küche, wir Großen an den jeweiligen Schreibtischen in Arbeitszimmer und Büro, und dass heute Bergfest ist, interessiert kaum jemanden.

Corontäne 42: Abzeichnen

„Zeichnet die Weltkarte einfach auch noch ab, wenn Ihr keinen Drucker habt“, steht in der Mail der Erdkundelehrerin. Wir haben einen Drucker und die Weltkarte konnte ausgedruckt werden, sodass Ellie nur noch die Umrisse von Mexiko und Costa Rica abzeichnen muss. Immerhin.

So kommt unser großer Atlas nochmal zum Einsatz.

Mein neuer Laptop kommt schon am Mittag an, viel früher als erwartet, und so verbringen Ellie und ich den Rest des Tages damit, die Daten zu übertragen, ihn einzurichten und gleichzeitig das alte Laptop von allem zu befreien und es für Ellie fit zu machen. Yay!

Corontäne 41: Limettenkuchen

Nach der ursprünglichen Definition einer Quarantäne müssten wir nun wieder ins normale Leben zurückkehren können, aber davon sind wir weit entfernt.

Dafür hat sich bei uns eine gewisse Routine eingependelt. Hanne joggt um 8, Ella fängt am Küchentisch mit den Schularbeiten an, Christoph radelt kurz danach in die Firma, ich arbeite von zu Hause aus, Hanne kommt wieder, ich bin bis nachmittags im Arbeitszimmer „eingeschlossen“ und komme erst raus, wenn ich fertig bin (oder frischen Kaffee brauche).

Heute backt Ellie, die als erste mit der Arbeit fertig war, einen leckeren, kleinen Limettenkuchen. Hanne macht es nichts aus, wenn um sie herum das Leben wogt, sie lässt sich nicht ablenken.

Heute recherchiert sie zu den SDGs 4 und 5, denn darüber wird sie eine Präsentation mit aufgenommenem Text als Beitrag zur Englischnote einreichen müssen.

Als sie ihr Laptop zuklappt, freut sie sich darüber, dass es fertigen Kuchen gibt. Danach pröddeln wir alle noch herum, gehen im Gewächshaus gießen, machen Wäsche, lesen auf der Couch und räumen die Küche auf, die wir direkt danach wieder unordentlich machen, weil es Abendbrot gibt.

Corontäne 40: Ereignislos

So aktiv wir gestern waren, so lungerig sind wir heute. Hanne joggt früh am morgen, dann trifft sie sich mit ihrer Freundin für einige Stunden im Grünen.

Wir anderen spielen, gucken fern, räumen ein bisschen auf, machen uns zwischendurch gemeinsam essen. Ella räumt in ihrem neuen Zimmer noch ein bisschen um und schafft weiter Ordnung. Ich beschließe, nachdem ich mit dieser Idee einige Tage verbracht habe, mir ein neues Laptop zuzulegen. Meines läuft unter normalen Bedingungen noch ganz zuverlässig, aber bei der digitalen Lehre stößt es irgendwann an seine Grenzen und pustet und prustet und gibt schließlich auf. Sehr unerfreulich, wenn man grade mitten in einer Videokonferenz steckt. Ein weiterer Vorteil eines weiteren Endgerätes ist, dass Ellie, die als einzige kein Laptop hat – warum auch, sie ist 10! – dann ihre Schularbeiten dann machen kann, wann sie möchte, und nicht immer warten muss, bis jemand ihr ein Gerät zur Verfügung stellen kann, denn mittlerweile soll sie vieles als Text abtippen und auf den Schulserver hochladen. Die Rückmeldung vieler Eltern an die Lehrer, dass es in vielen Haushalten keinen Drucker gibt und man von den vielen Arbeitsblättern absehen möge, hat sich nun in das andere Extrem umgeschlagen.

Ab kommender Woche, irgendwann, je nach Lieferzeiten, können wir dann gepflegt alle gleichzeitig tippen.

Corontäne 39: Zimmertausch

Samstag! Es ist mittelwarm und etwas bedeckt, perfekte Voraussetzungen für den Vorgarten, den wir heute ausmisten möchten. Der Ahorn muss gehen, ziemlich viel anderes auch. Danach sähen die Mädchen Blumenmischungen und wässern kräftig durch. Wir werden sehen, ob es etwas wird. Letztes Jahr habe ich mit meinem Sonnenblumenplan keinen großen Erfolg erzielt, daher halte ich mich dieses Jahr beim Pflanzen raus.

Wir essen zu Mittag, dann geht’s nach oben. Das Gästezimmer wird Ellas Schlafzimmer, Das Fernsehzimmer wird Ellas zweites Zimmer, das ehemalige Ella-Zimmer wird das Gäste-/Fernsehzimmer. Logisch soweit.

Als das erste Zimmer leer ist, saugt Ellie den elefantenmittelgrauen Teppich, den Hanne sich beim Einzug ausgesucht hatte.

Wir räumen aus und schleppen und sortieren aus und werfen weg und finden neue Plätze für Dinge und packen alle mit an.

Dann finden wir Schimmel.

Unter der Fußleiste ist keiner, daher hoffen wir mal, wir haben ihn rechtzeitig gefunden und können mit Wärme, Lüften, Leben und Desinfektionsspray dagegen ankämpfen. Das Gästezimmer war praktisch den gesamten Winter kalt und leer. Nach dem Desinfektionsspray wischt Christoph alles ab, wir lüften und fühlen und werden beobachten.

Am Abend sind wir alle platt, aber Ellie ist furchtbar glücklich und freut sich auf’s Schlafengehen, und das ist die Hauptsache. Es gibt Pizza und Veronica Mars, und wir sind uns einig, dass es sich heute nach diesem Tag wirklich nach einem Wochenend-Abend anfühlt.

Corontäne 38: Zahnfee

„Fühl mal in meinem Mund“, sagt das kleine Mädchen sehr früh am Morgen, als sie vor meinem Bett stand, beugte sich vor und öffnete ihre Schnüss.

Ich sagte leicht angewidert „Äh, nein?“ und hab so die Chance verpasst, die neue Lücke mit meinem müden Zeigefinger zu ertasten. Mein Hirn war noch nicht so wach, als dass es verstanden hätte warum. Lieber mal nein sagen.

Wer Zähne verliert, überlegt sich auch, in ein neues Zimmer umzuziehen. Hier sehen wir erste Überlegungen im Schwesternrat.

Am Abend steht das Konzept, morgen gehen wir es an!

Für die Chronik: Hanne hatte das heute das erste Mal Klavierunterricht per zoom. Es war zäh, schwierig, mit technischen Problemen behaftet und wird noch dauern, bis sich das eingespielt hat.

Corona 37: Holunderblüte

Schon Donnerstag. Der Vormittag vergeht mit Joggen, Lernen für die Mädchen, Kaffee, Arbeit.

Danach sind wir nur noch im Garten, liegen schier endlos in der Sonne unter Ellies Holunerbaum, weil da die Sonne am längsten bleibt. Nach und nach entzwiebeln wir uns, so warm ist es geworden.

Wir reden, verfolgen die torkelnden Hummeln mit den Augen, trinken ein Bier und Bionade und essen schließlich auf der Terrasse gemeinsam zu Abend.

Das fühlt sich ein bisschen an wie Ferien.

Corontäne 36: Planungsänderung

Wir müssen nach den Osterferien die Struktur unseres Tagesablaufs nochmal neu anpassen, denn ich arbeite fast jeden Vormittag voll durch und habe nur kurz Pause zwischen den Videokonferenzen. Ich merke, dass trotz aller Vorteile – ich hab mich seit Wochen gefühlt nicht mehr richtig angezogen – die digitale Arbeit für mich stressiger ist als gedacht, und ich habe keinen Heimweg mehr, auf dem ich radelnd meine Gedanken sortieren und den Arbeitstag für’s Erste abhaken kann, bevor ich zur Mutter werde.

Nun ist das anders. Sobald ich die Tür vom Arbeitszimmer aufmache, bin ich theoretisch direkt ansprechbar, und auch wenn sich die Mädchen nicht vor meiner Tür knubbeln und gebannt darauf warten, dass ich endlich mal zu ihnen stoße, haben sie verständlicherweise Fragen, Wünsche, Anliegen oder wollen etwas erzählen oder müssen etwas ausdrucken, was in der Zwischenzeit über den Schulserver angekommen ist, oder brauchen den Scanner. Aber egal, was in der Küche als neuem Schulzimmer auch läuft: es ist immer schöner für das kleine Mädchen, wenn jemand Ansprechbares da ist, sollte ich über Stunden zoomen. Verständlich.

Hanne bietet an, ab jetzt montags und mittwochs nach dem Joggen heimzukommen, anstatt sich mit ihrer +1 zu Schulaufgaben zusammenzusetzen. An den anderen Tagen fährt Christoph etwas später ins Büro oder macht vormittags Homeoffice, oder ich habe Kurse mit etwas mehr Lücke dazwischen, so dass ich ansprechbarer bin. Ella betont, dass sie natürlich auch für einige Stunden für sich sein kann, und auch das hilft bei der Planung.

Die Absprache in der Familie ging schnell und unkompliziert: weltbest! Heute kommt Hanne heim, Christoph ist im Büro und ich zoome auf Teufelkommraus.

Am Nachmittag sind wir alle mit unseren Aufgaben fertig. Ich genieße es, den Laptop schwungvoll runterzuklappen.

Oma schickt wiederverwertbare Mund-Nase-Masken, denn ab kommender Woche müssen sie in Supermärkten und im öffentlichen Nahverkehr getragen werden – tausend Dank dafür!

Wir sind noch etwas im Garten, ich gratuliere meinem einige Zeitzonen entfernten Bruder zum Geburtstag, dann kommt Christoph heim, Hanne erntet Salat und wir schnibbeln gemeinsam Tomaten für’s Abendbrot.

Nachdem wir Malcolm in the Middle fertiggeguckt haben, brauchen wir nun eine neue Familienserie, und das wird natürlich Veronica Mars!