Corontäne 6: Zehnkampf

Familienyoga ließ sich die ersten 3 Tage gut an, schlief dann aber ein. Zu kalt draußen, morgens, zu verlockend die warme Küche, zu lecker der Kaffee. Trotzdem bin ich stolz auf unsere erste Woche, in der wir uns jeden Morgen um 9h an die Arbeit gemacht haben und die Mädchen mit ihren Wochenaufgaben gut zurecht gekommen sind. Sie haben später am Tag jeweils ein „Teenager-Workout“ gemacht, so dass sie die Endorphine gegen Nachmittag immer gut angekurbelt haben.

Heute Vormittag treffen wir uns erst um 10, um im Garten einen von Ellie vorbereiteten Zehnkampf auszufechten. Frisbee, Hula Hoop, Federball, Kirschenessen, Kubb und andere Spiele.

Hanne gewinnt knapp (und ich versage mit großem Abstand!). Ihr Preis: einen Tag lang nicht bei der Hausarbeit helfen müssen. Herzlichen Glückwunsch, Pölle.

Ellie hat in den letzten Tagen aus gefrorenen Früchten, Sahne und Eigelb selbst Eis hergestellt, und weil bei der Produktion zwei Eiweiß übriggeblieben sind, backe ich heute eine Trümmertorte mit extraviel Baiser. Die Mädchen sind im Wohnzimmer und teilen sich eine Couch, obwohl sie zwei zur Verfügung hätten. Christoph ist im Garten und ich pröddele alleine in der Küche rum.

Da ich natürlich keine frischen Erdbeeren habe, nehme ich die Reste aus einem angebrochenen Preiselbeerglas. Die Torte ist lecker, aber sehr süß; und das, obwohl ich den Zuckeranteil aus dem Rezept schon reduziert habe. Mit frischen Früchten im Sommer kann ich sie mir aber sehr lecker vorstellen.

Corontäne 5: Streichen

Wir haben 4 neue Küchenstühle bestellt, schon Pre-Corontäne, und diese werden heute geliefert. Während Ellie zu meinen Füßen hockt und malt und ich arbeite,

baut der Weltbeste die neuen Stühle zusammen. Wir mögen petrol (2014, 2015, 2018). Hanne sitzt auf der Küchenbank und lernt.

Schön bequem und mehr als pobreit. Die alten Stühle kommen in den Keller, und wo wir grade schon dabei sind, können wir doch eigentlich auch

  • das quadratische braune Eckregal aus dem Wohnzimmer in die Küche umziehen lassen
  • die Wand hinter dem Herd weiß streichen
  • und die Regale etwas anders wieder anbringen
  • den grüne Ikea PS in den Keller bringen, weil er sonst keinen Platz hat und
  • im Wohnzimmer den weißen Bastelschrank und das andere braune Regal die Plätze tauschen lassen

Das dauert den größten Teil des Tages. Ich sag mal, so gegen viertel vor 6 waren wir fertig. Gut, dass die Mädchen mit ihren über den Schulserver geschickten Wochenaufgaben schon fertig waren!

Corontäne 4: Aus 3 mach 4

Bis auf kurze Einkäufe beim Supermarkt gegenüber oder bei dem einige hundert Meter weg, zwecks Abwechslung – Brot, Gemüse, Obst, Eier, wie viel man auf einmal braucht, wenn alle zu Hause essen und das sogar mehrmals am Tag! – sind wir alle sehr diszipliniert. Beim Supermarkt kommen mir die meisten Menschen sehr vernünftig vor. Die Stimmung ist respektvoll, die Abstände werden eingehalten. Die meisten Regale sind wieder voll, vor allem beim Gemüse und Obst. An der Kasse wünscht sich ein Schild zum Schutz des Personals Kartenzahlung.

Diszipliniert zu sein bedeutet für uns: Wir sind strikt im Haus oder im Garten. Ich sehe ein, dass wir es gut haben. Wir können die Sonne genießen, Federball oder Kubb spielen, Kräuter einpflanzen. Die Mädchen sind schon groß und verstehen sich gut, und trotzdem können sie, wenn ihnen danach ist, ins eigene Zimmer und die Tür zumachen, wenn sie Alleinezeit brauchen. Ich hab ohnehin mein Arbeitszimmer mit meinem großen Schreibtisch; ab und an skype ich mit Menschen in der Welt und mache dafür die Tür zu.

Am Morgen treffen wir uns zum gemeinsamen Yoga, und dann darf Christoph nicht zur Arbeit, sondern auf den Anruf vom Arzt warten. Wir bekommen Post vom Gesundheitsamt mit Informationsblättern und einem Krankheitstagebuch: Mit wem waren Sie zusammen? Wie fühlen Sie sich heute? Kratzt es im Hals? Haben Sie Fieber?

Hanne recherchiert zu und erstellt eine Präsentation zum Thema „Menschenrechte und COVID-19“, Ella kümmert sich um he-she-it-das-s-muss-mit und Possessivpronomen in Englisch und sucht Bibelstellen für Religion. (Dank an dieser Stelle zu Oma und Opa, die uns beim letzten Besuch in offenbar weiser Voraussicht eine Bibel für den Religionsunterricht mitgegeben haben.)

Am Ende ist es nach 17h, bis wir vom Arzt hören, aber die Nachricht gut: Es konnte kein Corona nachgewiesen werden. Quarantäne besteht weiterhin. Vorher waren wir 3 und nun eben 4 Menschen. (Vielleicht sollten wir so langsam mal Klopapier auftreiben. Schwarzmarkt?)

Die heutigen Spiele:

Deutschlandreise:

Fang den Hut:

Corontäne 2: Sonne tanken

Unser gemeinsamer, entschleunigter Vormittag fühlt sich schon am zweiten Tag wie eine nette Tradition an. Halb 9 Yoga, ab 9h am Küchentisch zum gemeinsamen Lernen und Arbeiten. Wir helfen uns gegenseitig, wenn jemand eine Frage hat, und sind entspannt miteinander. Christoph verabschiedet sich kurz darauf ins Büro. Als er am späten Nachmittag wiederkommt, haben wir die Laptops und Hefte schon zugeklappt und genießen die Sonne im Garten.

Wir spielen Klettball, dann mäht Ella den Rasen, wir schneiden den Flieder zurück, Hanne räumt liebevoll das Gewächshaus aus und auf.

Noch hält sich der Lagerkoller in Grenzen.

Corontäne 1: Materialien, Sport und Spiele

Der erste Tag ohne Schulunterricht und wir sind um halb 9 zu Yoga auf der Terrasse verabredet. Gut, dass es nicht regnet. Ellie hat sich gestern ein Programm ausgesucht und macht uns die Posen vor. Wie man an den Bade-, Iso- und Strandmatten sieht, sind wir eigentlich nicht auf Yoga vorbereitet, aber so geht es auch.

Die Luft ist herrlich, und Ellie macht es Spaß, uns anzuleiten und die Übungen vorzumachen.

Wir machen etwa eine halbe Stunde Yoga, dann verabschiedet sich Christoph ins Büro, Hanne fängt an zu lernen und Ella und ich fahren in die Schule, um die Bücher, Hefte, Ordner aus ihrem Fach in der Schulklasse zu holen.

Da sie die letzten Tage krank war, konnte sie nicht, wie ihre Klassenkameraden, alle Materialien mit nach Hause nehmen. Die Schulsachen ihrer großen Schwester dürfen wir dank Generalschlüssel auch aus ihrer Klasse holen. So sind die Mädchen hoffentlich bestens gerüstet für alle Arbeitsaufträge, die da kommen werden.

Über den Schulserver sind am Morgen schon Arbeitsblätter oder Aufgaben in die Postfächer eingetrudelt. Das klappt offenbar ganz ordentlich. Einige Lehrer geben Aufgaben für die gesamten 3 Wochen, andere für die erste Woche, wieder andere nur für den heutigen Tag. Hanne muss deutlich mehr machen als Ellie, so dass sie mit einem strukturierten Post-It-Plan die Übersicht behalten wird.

Ich habe heute keine Termine außer Haus, muss aber angesichts der Corona-Situation einiges umorganisieren, Termine absagen oder, wenn möglich, umlegen.

Bis zum Mittagessen arbeiten wir 3 konzentriert, jede für sich. Während Hanne am Nachmittag noch ein bisschen weitermacht, gehen Ellie und ich in den Keller und holen die Kiste mit den alten Brettspielen, die vor einiger Zeit aus Platzgründen aussortiert wurden, und gucken uns alles an.

Ich lege „Rohling“.

Hanne fragt: „Ist das ein Pilz“? Ella fragt: „Ist das ein Bösewicht?“

Drehplattenkunst

Man klebe ein Blatt auf eine Lazy Susan, setze mit der einen einen Filzstift aufs Blatt und drehe sie mit der anderen Hand an.

Fertig.

Hamsterkauf und Hummelkönigin

Die Woche über waren hier fast alle angeschlagen. Ellie habe ich am Dienstag aus der Schule abgeholt, seitdem war sie auch nicht wieder zurück. Ich arbeite halbtags und lege mich danach erstmal hin. Mein Unterricht war auch schon mal spritziger.

In den Nachrichten verfolgen wie Corona-Lage in der Welt und im Münsterland. Seit gestern ist klar, dass die Schule die kommenden 5 Wochen geschlossen ist: 3 Wochen Unterrichtszeit und 2 Wochen Osterferien. Bei meiner Arbeit sieht es ähnlich aus, so dass wir uns im Gegensatz zu vielen anderen um die Betreuung der Mädchen keine Sorgen zu machen brauchen, zumal sie ja schon größtenteils selbst klar kommen. Wir sind gespannt, wie die Schule die Lernangebote zur Verfügung stellen wird.

Ella und ich gehen einkaufen, der normale Wocheneinkauf im Stamm-Supermarkt artet allerdings aus. Nach wie vor weigern wir uns uns mit Klopapier, Nudeln und Mehl zu bevorraten – selbst, wenn wir wollten, ginge das heute nicht mehr. Der Laden am Stadtrand, der normalerweise entspanntes Einkaufen garantiert, ist überlaufen. Die Menschen laufen in Dreierteams auf: einer schiebt den Wagen durch die Gänge und schickt seine beiden Mitstreiter anhand der ellenlangen Einkaufsliste durch den Laden, um schnellstmöglich besagten Wagen halshoch vollzuladen. Ein Wahnsinn. Wir versuchen uns nicht anstecken zu lassen, kommen am Ende aber doch mit mehr Lebensmitteln aus dem Laden als normal. Vielleicht liegt es daran, dass hier in den nächsten Wochen deutlich mehr gegessen wird, weil die Mädchen und ich den ganzen Tag zu Hause sind.

Auf der Einfahrt treffen wir auf eine erschöpfte Hummelkönigin, die drohend ihre Mittelbeine von sich streckt, als wir uns ihr nähern. Sie bekommt ihr Zuckerwasser auf dem Geburtstagsteller kredenzt, ruht sich auf dem Terrassentisch aus und fliegt später weiter.

Regenspaziergang

Der Februar war nass, und auch jetzt regnet es seit Tagen praktisch durch. Christoph und Ella gehen gucken, wie voll die Aa ist.

Am Anfang hab ich mich über den Deich lustig gemacht… mittlerweile scheint er mir durchaus sinnvoll.

Flanieren 2020

Von 12 – 20 Uhr öffnen heute 25 Künstlerinnen in Münster ihre Ateliers für alle Interessierten, die vorbeikommen und reinschauen möchten. In den letzten Tagen hat Ellie sich das Booklet vorgenommen, das Christoph aus der Stadt mitbrachte, und eine Route ausgearbeitet.

So sind wir heute, Münsteruntypisch, bei schönstem Wetter zu Fuß durch die Stadt flaniert. Untypisch ist hier beides: schönes Wetter und zu Fuß.

Nach 3 Stunden waren wir bereit für ein spätes Mittagessen.

Ellie und ich eilten danach schnell heim, denn sie war mit einer Freundin zum Kino verabredet. Die Freundin wartete schon vor dem Haus, ich lud die beiden ins Auto ein und ließ sie vor dem Cineplex raus. Sie gucken Onward: Keine halben Sachen und haben viel Spaß. Die Tickets hatte ich vorher online besorgt und per QR-Code-Email auf Ellies Handy geschickt. Als ich heimkam, waren die anderen beiden auch grade angekommen und die Couch rief. Später holte Christoph die beiden Kleinen ab und wir konnten den Abend einläuten.

Klaviervorspiel

Im letzten Jahr gab es erneut einen Wechsel der Klavierlehrerin, aber gleichgeblieben ist das in gewissen Abständen angesetzte Vorspielen im Mozart-Foyer für die Eltern, Geschwister, Großeltern und andere interessierte Menschen.

Selbstverständlich sind wir da, und drücken die Daumen, und sind stolz wie Bolle!

Am Abend lassen wir die Mädchen auf der Couch zurück: Wir fahren zum Geburtstags-Reinfeiern nach Essen und sind erst um halb 3 zurück. Kein Problem für die beiden! Sie schlafen im Elternbett, als wir nach Hause kommen, und wir Eltern gehen hoch.