Corontäne 15: Einheitsbrei

Ein weiterer Tag im HomeOffice, HomeSchooling, HomeAlles für uns Mädchen. Christoph war im Büro, Hanne hat sich um Französisch gekümmert, Ella arbeitet Aufgaben unterschiedlicher Fächer ab und ist schnell fertig, wie immer. Wir haben ein Paket weggebracht, das Eichhörnchen beobachtet, haben gelesen und gelungert, irgendwas gab es zum Mittagessen, danach waren Ellie und ich beim Supermarkt, haben im Gewächshaus nach dem rechten gesehen, etliches an Bildschirmzeit gehabt. Ich habe nur ein einziges Foto geschossen, abends, auf der Couch.

Stillleben mit Lavalampe an Kaktus

Trotz der Zeitumstellung, die uns heute egal war, sind die Mädchen zur üblichen Zeit im Bett, aber auch das ist 22 Uhr für beide.

Corontäne 14: Knetseife und Wildgänse

Hanne kümmert sich heute um Englisch. Sie hört Radiobeiträge, muss Fragen dazu beantworten, Texte lesen und ist am Ende des Tages mit der Wochenaufgabe fertig: Häkchen auf den Post-Its dokumentieren ihren Fortschritt. Außerdem bekommt sie heute einen Gelben Brief von der Stadt (falsch datiert): Sie soll sich bitte bis zum 25. März in häusliche Isolation begeben. Das kommt ein bisschen spät.

Wir gucken die Jungs-WG in Amsterdam in der ZDF Mediathek, danach macht Ella Knetseife. Die Anleitung habe ich bei der Stadtbücherei gesehen und direkt vorgemerkt, weil wir alle Zutaten zu Hause hatten.

Die Knetseife ist im trockenen Zustand leicht und weich, angenehm zu kneten und nach einiger Zeit ein bisschen bröselig. In dem Fall kann man einfach etwas zusätzliches Öl unterkneten. Wenn man die Seife ohne Wasser benutzt, riechen die Hände danach jedenfalls sehr sauber. Wahrscheinlich werden sie in diesem Haushalt eher als Squishy zum Einsatz kommen. Mit Wasser werden sie glitschig und lösen sich langsam auf, was dazu führt, dass man sich tatsächlich mehr als 30 Sekunden lang die Hände wäscht.

Mit sauber duftenden Händen schreibt Ellie danach Postkarten an die Großeltern; ich arbeite.

Christoph kommt heim und ich verabschiede mich für eine Stunde. Meine +1-Person, die ich jetzt gefühlt ewig nicht mehr gesehen habe, ist die liebste Fastnachbarin. Ich bin vor ihr am Treffpunkt und erkenne sie schon am Schritt, bevor ich ihr Gesicht erkenne. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns sehen, ist unbehaglich. In sozialer Distanz laufen wir eine Runde durch den Park. Wir führen grade sehr gegensätzliche Leben; meines kam gefühlt zum Stillstand und bei ihr ist mehr los den je.

Wie gut das tut, diese Stunde für mich. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns verabschieden, ist unbehaglich.

Danach hole ich im Laden gegenüber noch Mozzarella und Milch und wundere mich mal wieder darüber, wie schnell die Grundnahrungsmittel aufgebraucht werden. (Ja, Mozzarella ist bei uns ein Grundnahrungsmittel.) Ich gucke beim Klopapier vorbei – gibt immer noch keins.

Zuhause ist es kuschelig und warm und ich kann mich extra darüber freuen, weil ich grade draußen war.

Corontäne 13: Villainous

Es schneit. Gefällt mir nicht.

Das große Mädchen hat „ein gutes Buch“, ich glaube das vierte in drei Tagen, und kommt erst nachmittags runtergeschlappt. Sie fragt, ob wir am Morgen den Schnee gesehen haben, also hat sie schon lange gelesen. Ein Hoch auf die Onleihe der Stadtbücherei, sonst sähe die Lage hier deutlich unentspannter aus. Ellie macht sich die Onleihe auch zunutze und liest Die unlangweiligste Schule der Welt. Intendierte KJL.

Dass der Ausweis in unserer Stadtbücherei für Kinder einmalig 3 EUR kostet, bis sie 18 sind, fand ich schon früher großartig. (Hanne, Ella)

Ich backe einen Kuchen, weil Reste. Eigentlich backe ich nur den Boden, obendrauf gibt’s Schmand-Marmelade-Creme.

Nach unserer Mädchen-Zumba-Einlage spielen wir Villainous. Sieht nicht gut aus für mich: Blöder Feenglanz, und dann kam auch noch Spott dazu. Christoph Maleficent gewinnt.

Am Abend gibt’s Pizzaschnecken und Malcolm in the Middle. Morgen starten wir in Woche 3 dieses HomeSchooling-Abenteuers.

Corontäne 11: Server Down

Der Schulserver ist down. Ehrlich gesagt hatte ich das schon vor gut einer Woche erwartet, wenn nicht früher, denn verlässlich ist der schon in den besten Zeiten nicht. So konnten die Mädchen heute ihre Klassenordner nicht ansteuern und nur ein bisschen nacharbeiten, oder für anstehende Paper oder Präsentationen recherchieren. Ella bekommt ohnehin viel weniger Aufgaben und ist immer recht schnell fertig; sie pröddelt etwas rum, liest ein Buch, telefoniert, hat Bildschirmzeit, räumt ein bisschen auf. Seufzt.

Hanne liest.

Christoph kommt heim und hat kein richtiges Freitagabendgefühl, und ich sowieso nicht.

Corontäne 10: Schemel

Zu meinem neuen Schreibtisch bekomme ich heute einen neuen Fußschemel für darunter, natürlich aus umverteilten und wiederverwendeten Materialien. Die Füße hielten Hannes ersten Kleiderschrank in der ersten Wohnung, pre-Ellie. Christoph hat sie schwarz angesprüht.

Die OSB-Platte ist ein übriggebliebener Teil von Hannes Boden, der Stoff von Ikea, der schon länger auf einen Einsatz gewartet hat.

Zusammengebaut steht der Schemel jetzt unter meinem Schreibtisch und ich kann meine Füße draufsetzen. Fein. Sonst? Schularbeiten, ab uns an eine Runde um den Block, und viel drinnenbleiben. Da Christoph keine Symptome entwickelt hat, muss er morgen nach der Isolation wieder zurück ins Büro.

Corontäne 9: Gelb und Rot

Wir machen dann mal weiter. Nach der Küche ist heute eine Wohnzimmerwand dran. Sie wird gelb.

Und dann drehen Ellie und ich noch eine Runde auf den Inlinern, und Ella fällt, fängt sich mit dem linken Arm auf, uns wir enden in der menschenleeren Notaufnahme. Nach einem Fragebogen zu Corona dürfen wir auf Abstand zur Ärztin, zum Röntgen, zurück zur Ärztin.

Und dann mit einem roten Gips nach Hause.

Der letzte war auch rot, aber nicht so schön gewickelt.

Corontäne 8: Rieselfelder

Der Montag. Sieht aus wie ein Kind, sind aber zwei: die Mädchen testen die Luft, Ella sitzt auf Hannes Schoß. Der Küchentisch wird zum Arbeitstisch umfunktioniert. Hanne kann nur mit, Ella nur ohne Musik lernen, das ist eine unglückliche Kombination, aber durch Kopfhörer oder räumliche Trennung lösbar.

Während wir arbeiten, schleift Christoph den Terrassentisch ab.

Abendsimpressionen aus den menschenleeren Rieselfeldern:

Corontäne 7: Malcolm

Münster hat 266 bestätigte Coronafälle, und wir bleiben weiter drinnen.

Wenn die Tage so ineinanderlaufen, fällt gar nicht auf, dass Sonntag ist. Natürlich müssen die Mädchen heute keine Schularbeiten machen, Hanne kann ausschlafen. Es sind noch weniger Autos auf der Straße als sonst, als Ellie und ich am Morgen Yoga auf der Terrasse machen.

Den Rest des Tages pröddeln wir herum. Wir trinken viel Kaffee, die Mädchen gucken viel Netflix. Seit einer Woche fällt mir auf, wie selten Flugzeuge zu sehen sind.

Am Abend gibt es etwas mit Zucchini, und wir kommen bei Malcom in the Middle wirklich gut voran!

Corontäne 6: Zehnkampf

Familienyoga ließ sich die ersten 3 Tage gut an, schlief dann aber ein. Zu kalt draußen, morgens, zu verlockend die warme Küche, zu lecker der Kaffee. Trotzdem bin ich stolz auf unsere erste Woche, in der wir uns jeden Morgen um 9h an die Arbeit gemacht haben und die Mädchen mit ihren Wochenaufgaben gut zurecht gekommen sind. Sie haben später am Tag jeweils ein „Teenager-Workout“ gemacht, so dass sie die Endorphine gegen Nachmittag immer gut angekurbelt haben.

Heute Vormittag treffen wir uns erst um 10, um im Garten einen von Ellie vorbereiteten Zehnkampf auszufechten. Frisbee, Hula Hoop, Federball, Kirschenessen, Kubb und andere Spiele.

Hanne gewinnt knapp (und ich versage mit großem Abstand!). Ihr Preis: einen Tag lang nicht bei der Hausarbeit helfen müssen. Herzlichen Glückwunsch, Pölle.

Ellie hat in den letzten Tagen aus gefrorenen Früchten, Sahne und Eigelb selbst Eis hergestellt, und weil bei der Produktion zwei Eiweiß übriggeblieben sind, backe ich heute eine Trümmertorte mit extraviel Baiser. Die Mädchen sind im Wohnzimmer und teilen sich eine Couch, obwohl sie zwei zur Verfügung hätten. Christoph ist im Garten und ich pröddele alleine in der Küche rum.

Da ich natürlich keine frischen Erdbeeren habe, nehme ich die Reste aus einem angebrochenen Preiselbeerglas. Die Torte ist lecker, aber sehr süß; und das, obwohl ich den Zuckeranteil aus dem Rezept schon reduziert habe. Mit frischen Früchten im Sommer kann ich sie mir aber sehr lecker vorstellen.

Corontäne 5: Streichen

Wir haben 4 neue Küchenstühle bestellt, schon Pre-Corontäne, und diese werden heute geliefert. Während Ellie zu meinen Füßen hockt und malt und ich arbeite,

baut der Weltbeste die neuen Stühle zusammen. Wir mögen petrol (2014, 2015, 2018). Hanne sitzt auf der Küchenbank und lernt.

Schön bequem und mehr als pobreit. Die alten Stühle kommen in den Keller, und wo wir grade schon dabei sind, können wir doch eigentlich auch

  • das quadratische braune Eckregal aus dem Wohnzimmer in die Küche umziehen lassen
  • die Wand hinter dem Herd weiß streichen
  • und die Regale etwas anders wieder anbringen
  • den grüne Ikea PS in den Keller bringen, weil er sonst keinen Platz hat und
  • im Wohnzimmer den weißen Bastelschrank und das andere braune Regal die Plätze tauschen lassen

Das dauert den größten Teil des Tages. Ich sag mal, so gegen viertel vor 6 waren wir fertig. Gut, dass die Mädchen mit ihren über den Schulserver geschickten Wochenaufgaben schon fertig waren!