Das Mädchen fliegt nach Malle

Am späten Vormittag fahren Alasdair und ich zum Frühstücken in die Stadt, bevor ich ihn zurück zum Bahnhof bringe und er sich zum Flughafen Düsseldorf durchschlägt.

Das war so schön – alle meine Freunde finden ihn genauso nett wie ich und nahmen ihn gestern gerne in ihre Runde auf.

Zu 15 Uhr bringt Christoph Hanne zum Bahnhof. Beide sind aufgeregt. Hanne fährt nach Bremen, trifft dort auf Emma und ihren Vater und dann fliegen sie gemeinsam nach Mallorca. In 12 Tagen sehen wir sie wieder. Sie hält uns den ganzen Abend über die Etappen auf dem Laufenden, und ist vorfreudig gespannt und freut sich wie Bolle.

Um halb 12 sind sie auf der Insel, um kurz nach 1 im Haus – der Urlaub kann kommen!

Ein Jahr älter

Wie jedes Geburtstagskind durfte ich gestern Abend nicht mehr in die Küche, weil der Kuchen gebacken, die Girlande aufgehangen und alles hergerichtet wurde. Heute früh schlichen sich die Mädchen (wenig erfolgreich, da polterig und kichernd) zum Brötchenholen für’s gemeinsame Frühstück raus.

Bei Kuchen und Kerzen mussten gestern etwas improvisiert werden. So steht die rote Kerze für 40 und die 3 blauen sind Einer. Beim Kuchen wurde Zucker mit Puderzucker ersetzt und zum Ausgleich noch Nougatstücke in den Teig gegeben, und dann fanden sich auch noch Mandeln, die passten auch noch irgendwie dazu, also rein damit.

Das Ergebnis war klebrig und platt wie ein Kladdkaka, lecker und nussig wie eine Daimtorte: alles richtig gemacht!

Die Sonne schien, der Rasen gehörte gemäht, der Kühlschrank gefüllt, Tests gemacht.

Am Abend kamen die liebsten Fastnachbarn und die liebsten 6-Ampeln-weiter-Menschen. Wir saßen lange zusammen, aßen, tranken, lachten und erzählten von vergangenen und kommenden Urlauben und der Arbeit und dem Leben und allem anderen.

Kidical Mass Münster

Heute demonstrieren die liebste Fastnachbarin und ich gemeinsam mit unseren jeweils jüngsten Kindern für Kind-gerechten (Fahrrad-)Verkehr in Münster, für mehr Sichtbarkeit und sicheren Platz für Kinder und Jugendliche im Straßenverkehr. Und das passiert, natürlich, auf dem Rad.

Bei tollstem Wetter treffen wir uns um 15h in der Stubengasse, die Strecke wird ca. 9km lang sein und wir dürfen sogar durch den Ludgerikreisel fahren.

[Gut, das darf man sonst auch, aber man muss sich auf dem Rad schon was zutrauen und einen wirklich guten Überblick behalten. Dort laufen nicht nur viele Busstrecken und -haltestellen zusammen, der HbF ist in der Nähe, die Fußgängerzone beginnt und zusätzlich ist der Kreisel Teil der Innenstadtumgehungsstraße und führt in Richtung Autobahn. Ich fahr da nicht mal gerne mit dem Auto lang. Kinder sollten den Kreisel mMn absolut und unbedingt immer meiden.]

Mit Musik und immer wieder klingelnd („Mama, du bist so peinlich!“) radeln wir zwischen zwei Polizeiautos in kindgerecht-langsamen Tempo durch die Stadt, einmal um den Kreisel und machen am Theater Halt. Mitten auf der Straße.

Mir fällt auf, wie schön es ist, auf Asphalt zu radeln – wie mühelos das auf einmal geht, wenn man hubbelige, von Wurzelwerk unterwanderte Backsteinradwege gewohnt ist. Jaja, Münster, jammern auf hohem… trotzdem.

Am Ende landen wir gegen halb 5 an der Unterwasserkirche. Insgesamt sind wir im Pulk über 12 rote Ampeln gefahren (natürlich erlaubt). Die Kinder holen sich bei den Organisator:innen Sticker und Flyer ab.

Dann gibt’s noch eine Runde Pommes für die Kinder und ein Bier für uns im America Latina Auf Messers Schneide und zu Hause geht’s unter die Dusche.

Beim nächsten Mal sind wir gerne wieder dabei.

Corontäne 29: Garten

Hanne joggt einmal um die Promenade, danach kommt sie direkt heim und verbringt den Tag mit Ellie im Garten. Ohne, dass wir sie darum gebeten hätten.

Später liegen sie auf der Wiese und lesen und sind am Handy. Wir Eltern lungern auf der Terrasse und tun das auch.

Seit dieser erzwungenen Auszeit sind wir im Ferien-Mahl-Modus. Morgens essen alle wann sie wollen, was sie wollen: Müsli oder Toast oder Brot oder Jogurt oder Obst oder Brötchen vom Vortag. Erst am Abend bereiten wir gemeinsam etwas vor und essen es zusammen, mal in der Küche, mal draußen, mal auf der Couch.

Den ganzen Nachmittag gucke ich immer wieder auf Nachrichtenseiten nach, was es denn nun gegeben hat in Sachen Corona-Lockerung. Wie es weitergehen mag in den nächsten Wochen für die Kinder, nach den Osterferien, denn bei Christoph bleibt alles beim Alten, bei mir wird es mehr Arbeit geben, und ich freue mich sehr darauf.
Nun wissen wir mehr: erstmal ändert sich nichts. Die Kinder starten am Montag, wie gedacht, mit ihrer normalen Routine am Vormittag. Aufgaben vom Schulserver, Gruppenarbeiten über zoom oder whatsapp, Arbeitsblätter und Texte und ein relativ selbstbestimmtes Lernen in gedachten Wochenabschnitten. Wenn diese soziale Einschränkung nicht wäre und sie ihre Freundinnen nicht so vermissten, könnten sie mit diesem Modell ganz gut leben (und wir Eltern eigentlich auch).

Faul

Gestern Mittag ging es für 3 von uns wieder nach Münster; Ellie haben wir für ein paar Tage bei den Großeltern gelassen. Die Cousine kommt und bleibt über Nacht. Bei Oma und Opa ist es definitiv kälter als bei uns.

Abends gehen der Liebste und ich die paar Meter zu den besten Fastnachbarn und siedeln.

Hanne hat also das ganze Haus für sich und bekommt Besuch von ihrer Freundin, die auch bei uns übernachten wird. Als der Liebste und ich gegen halb 2 heimkommen, sind die beiden Teenies noch wach und haben sich im Wohnzimmer ausgebreitet, so wie sich das gehört.

Insekten zählen

Wie schon im letzten Jahr zählen wir für den NABU die Insekten, die sich in unserem Garten herumtreiben. Schmetterlinge sehen wir in Zeitrahmen der einen Stunde nicht, aber dafür erstaunlich viele Dunkle Erdhummeln mit ihrem puscheligen, hellen Hinternteil. Offenbar haben wir in diesem Jahr für Erdhummeln interessante Blüten im Beet. Zwischendurch peppeln wir eine völlig entkräftete Hummelkönigin mit Zuckerwasser auf, bis sie es taumelnd zum Holunder schafft.

Unsere Bilanz fällt ernüchternd aus; auch bei uns gab es definitiv weniger Insekten als noch im letzten Jahr.

Alte Bekannte

Hanne und Ellie räumen gemeinsam auf und bleiben irgendwie beim Bücherregal hängen. Sie nehmen jedes einzelne Buch in die Hand:


Ah, das hier musst Du un-be-dingt! lesen!

Das hier hab ich gelesen, als wir da und da im Urlaub waren!

Das fand ich nicht so gut wie die anderen Teile der Trilogie.

Das hier hab ich noch gar nicht gelesen!

Am Ende ist das Bücherregal um einige „Babybücher“ leichter, die wir in den Leseraum der Grundschule oder den öffentlichen Bücherschrank bringen werden,

und der Rest des Zimmers ist auch noch drangekommen.

Eine Europakarte zum Kratzen

Über die Weihnachtsfeiertage konnten wir die beiden Großelternpaare der Mädchen besuchen: von ersten auf den zweiten waren wir bei meinen Eltern, vom zweiten auf den dritten bei den Eltern des Liebsten. Da es mir nicht gut ging und ich nur geschlafen oder im Bett rumgelegen habe, kann ich nicht sagen, was genau eigentlich alles gemacht und getan wurde. Mir wurde allerdings von allen Seiten versichert, dass die Tage harmonisch und entspannt waren.

Am 27., als wir heimfuhren, ließen wir Ellie für 3 weitere Nächte bei ihren Großeltern. Dieses Mal klappt der Abschied.

Neben all der Lese- und Serienzeit bastelte Hanne eine Europakarte zum Kratzen all der Länder, in denen wir 4 schon gemeinsam waren UND in denen wir mindestens eine Nacht verbracht haben.

Sie malte alle Länder unterschiedlich an, beklebte das A4-Blatt mit Bucheinschlag-Folie und übermalte anschließend alle Länder mit weißer Acrylfarbe.

Durch ihre beiden gesetzten Kriterien fallen etliche Länder weg, die wir sonst hätten freikratzen können: Neben Deutschland bleiben nur die Niederlande, Dänemark, Kroatien, Spanien und Slowenien.

Vielleicht ist diese Karte genau der Ansporn, den wir für die kommenden Urlaube brauchen.

Fröhliche Weihnachten

Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.

Wilhelm Freiherr von Humboldt