Wegen des Schnees

Es ist Sonntag, und als ich aufwache, finde ich zwei Dinge: Schnee im Garten und ein Post-It an der Tür.

Die beiden bringen später Bilder mit:

Hanne und Emma wollen Schlittenfahren, und Ellie darf mit. Gegen Mittag machen sich unsere 2 mit Matschhosen, Mützen, dicken Jacken und 2 Rutschtellern auf den Weg zur Promenade. Leider ist da der meiste Schnee schon weg, und die Tatsache, dass es hier kaum Stellen gibt, an denen man mehr als 2 Meter hohe Hügel findet, sorgt dafür, dass das Wenige an Schnee schon von vielen anderen plattgefahren wurde.

Als die beiden nach zwei Stunden wiederkommen, sehen sie danach aus: Es war mehr ein Matschrutschen. Alle Klamotten stehen vor Dreck und kommen sofort in die Waschmaschine. Ellies Mütze ist unwiderruflich verloren gegangen und Hanne ist auf’s Knie geknallt, das jetzt weh tut, aber offenbar war es trotzdem schön.

Wochengedanken

Die erste Woche des neuen, strukturierteren Homeschoolings ist vorbei und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen.

Es wird wieder einmal klar, wie wichtig die Eigenmotivation der Lehrer:innen ist. Einige haben wirklich keine Ahnung von den Tools und sich offenbar noch nicht mal ansatzweise damit beschäftigt, bevor sie einen Klassenraum aufgeregter 11jähriger online bändigen sollen. Mute? Breakout Sessions? Bildschirm teilen? Chatfunktion? Feedback-Funktionen? Brauchen sie nicht. Mir sträuben sich schonmal die Nackenhaare, wenn ich mir in der Küche einen neuen Kaffee hole und für eine Minute den Unterricht in Klasse 6 mitbekomme.

Andere Lehrer:innen wissen, was sie tun, haben sich eingearbeitet und sogar schon mal von Plattformen zum gleichzeitigen, kollaborativen Lernen gehört und wenden diese auch an. Trotzdem bin ich nach wie vor erstaunt, wie oft Ellie mit ihrem Laptop rüberkommt, weil sie Arbeitsblätter ausdrucken soll. Diese füllt sie dann aus, um sie danach abzufotografieren und hochzuladen. Mmmmhnaja!

Aber immerhin tut sich was – und ich will nicht meckern.

Heute sind hier alle wenigstens wieder freitagsmüde, und das ist ein herrliches Gefühl! Zeit zum Backen (Hanne rettet schrumpelige Äpfel in einem Apfel-Streuselkuchen) und Zeit zum Spielen.

Homeschooling, die nächste

Es ist etwas ganz Unglaubliches passiert. Die Schule der Mädchen hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und bringt endlich Struktur in den Schulalltag! Beide Mädchen müssen um 8h15 in Videokonferenzen sitzen – mit Bild, also zumindest obenrum angezogen, und senkrecht, also zumindest schon mal aufgestanden.

Ellie hat 4 UStd Videokonferenz/Tag und zusätzlich Hausaufgaben ohne Bildschirm. Hanne hat so viele UStd pro Tag, wie der normale, alte Stundenplan hergibt, Anwesenheitspflicht und obendrauf Hausaufgaben, Projekte oder Präsentationen. Tests, Klausuren oder Klassenarbeiten fallen weg.

Diese Anweisungen der Schule begrüße ich nach 9 Monaten sehr. Es bedeutet, dass wir Eltern nicht mehr die „Bösen“ sind, die zum Aufstehen, zum Lernen, zum Üben anhalten. Das bedeutet außerdem, dass wir 4 uns räumlich trennen müssen, damit jeder in Ruhe seine Videokonferenzen abhalten kann, da alle zeitglich oder überlappend stattfinden.

Hanne sitzt an ihrem Schreibtisch in ihrem Zimmer, Christoph in seinem Arbeitszimmer, ich in meinem und Ellie hat sich die Küche ausgesucht.

Der Plan ist, dass wir in der Mittagspause zusammenkommen, gemeinsam etwas essen und dann jeder das weitermacht, was auf dem Plan steht: wir werden sehen, aber ich bin positiv(er als ich es die letzten Monate war) gestimmt.

Curd

Normalerweise gehen Mandarinen bei uns schneller weg als man gucken kann. Wenn aber niemand am Küchentisch sitzt und lernt, pellt auch niemand gedankenverloren Mandarine um Mandarine und stopft sich die einzelnen Schiffchen in den Mund.

Im Sinne der Lebensmittelrettung haben wir heute eine leicht trockene Kiste Mandarinen gepellt, im Akkord weiße Fäden abgepiddelt und mit dem Stabmixer zu 350ml Mandarinenpürree verarbeitet.

Zusammen mit Butter, Eiern, Zucker und Orangenabrieb konnten wir daraus dreieinhalb Gläser Curd herstellen.

So hält sich das in der Vorratskammer noch einige Wochen und kann für die nächsten Kuchen weiterverwendet werden.

Dos Rios

Dieses Spiel hab ich neu verpackt für wenig Geld bei Oxfam gefunden – sicherlich schon zwei Jahre her. Heute probieren wir es das erste Mal aus (außer Ellie, die liest).

Ich sag ja: viel geht nicht, außer lesen, spielen, lungern.

Quacksalber

Viel passiert nicht. Der Rhythmus hat sich nach hinten verlegt – vor 9 Uhr rührt sich kaum einer, dank der Kombination aus Gleitzeit, Ferien und Urlaub. Wir lesen (und ich war selten so dankbar für die Onleihe wie zu diesen Zeiten!), backen oder kochen zusammen, gucken Serien und spielen viel.

Sonntags

Das nächste Spiel am Küchentisch: Torres.

Hanne lernt währenddessen schon mal für ihre Englischklausur.

Abends dreht Christoph eine Runde und kommt an der Schleuse vorbei.

De Civitate

Christoph, Ellie und ich drehen eine Runde durch den Wienburgpark.

Immer schön: De Civitate von Maria Nordmann, Skulpturprojekte 1997. Wir spielen mehrere Runden Verstecken, dann wird’s schon fast dunkel.

Zuhause warten das große Mädchen und ein Spiel am Küchentisch, ausgeliehen vom Patenonkel. Danke!

Silvester 2020

Es ist ein ruhiges, unaufgeregtes, kuscheliges.

Niemand verlässt das Haus, wir bereiten gemeinsam alles für einen gemütlichen Spieleabend vor, die liebsten Fastnachbarn kommen rum und wir genießen nach so langer Zeit die Stunden zusammen.

Um Mitternacht stoßen wir an; Hanne trinkt das erste Mal ein Glas Sekt gemischt mit Mate Tee. Es gibt kaum Feuerwerk, und dadurch wird jede einzelne Rakete begrüßt.

Danke, 2020, jetzt reicht’s auch.

Das schlappe Leben

Wieder in Münster geht’s nahtlos weiter.

Hanne, die ein Kratzposter mit 99 Büchern, die man gelesen haben sollte, zu Weihnachten bekam, liest heute Zweigs Schachnovelle. Christoph geht in 3 Läden einkaufen, damit morgen an Silvester keiner von uns das Haus verlassen muss. Drumherum machen wir Wäsche, Puzzle, Spiele und viel nichts.