Corontäne 14: Knetseife und Wildgänse

Hanne kümmert sich heute um Englisch. Sie hört Radiobeiträge, muss Fragen dazu beantworten, Texte lesen und ist am Ende des Tages mit der Wochenaufgabe fertig: Häkchen auf den Post-Its dokumentieren ihren Fortschritt. Außerdem bekommt sie heute einen Gelben Brief von der Stadt (falsch datiert): Sie soll sich bitte bis zum 25. März in häusliche Isolation begeben. Das kommt ein bisschen spät.

Wir gucken die Jungs-WG in Amsterdam in der ZDF Mediathek, danach macht Ella Knetseife. Die Anleitung habe ich bei der Stadtbücherei gesehen und direkt vorgemerkt, weil wir alle Zutaten zu Hause hatten.

Die Knetseife ist im trockenen Zustand leicht und weich, angenehm zu kneten und nach einiger Zeit ein bisschen bröselig. In dem Fall kann man einfach etwas zusätzliches Öl unterkneten. Wenn man die Seife ohne Wasser benutzt, riechen die Hände danach jedenfalls sehr sauber. Wahrscheinlich werden sie in diesem Haushalt eher als Squishy zum Einsatz kommen. Mit Wasser werden sie glitschig und lösen sich langsam auf, was dazu führt, dass man sich tatsächlich mehr als 30 Sekunden lang die Hände wäscht.

Mit sauber duftenden Händen schreibt Ellie danach Postkarten an die Großeltern; ich arbeite.

Christoph kommt heim und ich verabschiede mich für eine Stunde. Meine +1-Person, die ich jetzt gefühlt ewig nicht mehr gesehen habe, ist die liebste Fastnachbarin. Ich bin vor ihr am Treffpunkt und erkenne sie schon am Schritt, bevor ich ihr Gesicht erkenne. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns sehen, ist unbehaglich. In sozialer Distanz laufen wir eine Runde durch den Park. Wir führen grade sehr gegensätzliche Leben; meines kam gefühlt zum Stillstand und bei ihr ist mehr los den je.

Wie gut das tut, diese Stunde für mich. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns verabschieden, ist unbehaglich.

Danach hole ich im Laden gegenüber noch Mozzarella und Milch und wundere mich mal wieder darüber, wie schnell die Grundnahrungsmittel aufgebraucht werden. (Ja, Mozzarella ist bei uns ein Grundnahrungsmittel.) Ich gucke beim Klopapier vorbei – gibt immer noch keins.

Zuhause ist es kuschelig und warm und ich kann mich extra darüber freuen, weil ich grade draußen war.

One thought on “Corontäne 14: Knetseife und Wildgänse

  1. […] Die Herstellung der Knetseife war definitiv erfolgreicher. Wir finden, dass der Schleim noch etwas ruhen sollte, der Garten für heute genug von uns gesehen hat und beschließen uns ein Eis zu holen, die Picknickdecke mitzunehmen und ins Neubaugebiet zu radeln, in das Ellies Freundin vor kurzem gezogen ist. […]

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