Sichtverhältnisse

20. November 2018 0 Von Silke

Der üblichen Morgenwahnsinn. Die Mädchen haben Knatsch miteinander, sind müde wie wir. Vielleicht geht es um eine Haarbürste, oder den Platz vor dem Spiegel, oder der Reihenfolge im Bad, ich bin unsicher und ergründe das auch nicht weiter. Am Ende suchen wir wie immer Schal / Mütze / nein, die andere Mütze! / Handschuh 1 und Handschuh 2 / den Zettel, der unterschrieben werden muss / Kleingeld für den Bäcker. Wenigstens die Fahrradlicht-Sucherei haben wir im Laufe des Jahres abgestellt; alle sind mittlerweile gut ausgestattet.

Ausnahmsweise hole ich heute Ellie ab; sie hatte Lesetag und musste Decken und Kissen mit in die Schule nehmen. Als wir heimradeln, schneit es uns dicke weiße Schneeflocken ins Gesicht, aber nichts bleibt liegen, nicht mal auf den Wimpern. Wir packen uns zu Hanne auf die Couch, die Mädchen vertragen sich und teilen sich schwesterlich ein Milchbrötchen.

Der Liebste kommt früh heim, beantwortet Hanne ein paar Mathefragen für die anstehende Arbeit und schmeißt den Laden. Der Abend kommt immer so schnell in dieser Jahreszeit.

Uhrzeiten, die im Sommer einen langen, vielversprechenden, aktiven Nachmittag bedeuten, wecken im November das Gefühl sich einzukuscheln, Kerzen anzuzünden, die Sicht in die eigenen 4 Wände zu richten und den Tag draußen zu lassen.