Auf das Bauchgefühl hören

Auch wenn es manchmal stressig ist, gehe ich immer gerne zur Arbeit. Das muss man sich mal vorstellen. Ich treffe an jedem Tag, an dem ich vor Ort sein muss, sehr nette Menschen, erfahre und lerne Neues und weiß das sehr zu schätzen. Dass ich meine Zeit sehr flexibel einteilen und viel vom heimischen Schreibtisch aus erledigen kann, hilft ganz sicher auch. Vor allem bei kranken Kindern, die im angrenzenden Wohnzimmer liegen können. Man kann sagen, dass ich meine Berufung gefunden habe, wenn auch auf krummen Umwegen und mit ü30 sicher später als andere, aber eben doch viel früher als manch andere. Der Donnerstag ist einer meiner Lieblingstage auf der Arbeit.

Christoph und Ella kommen gut los, Hanne schläft weiter. Sie sehe ich gar nicht senkrecht, bevor ich losfahre, aber ich wecke sie, als ich heimkomme. Sie organisiert sich mit Buch, Schäfchen und Decke auf die Couch, während ich ihr einen frischen Tee koche und ein Brot vorbereite.

Ich bekomme den Segen, mit der liebsten Fastnachbarin eine Runde zu drehen, und das ist bei diesem Wetter wirklich herrlich. Der Herbst sagt hallo. Da oben in der Baumkrone, in gelb.

Heute möchte Ella nach der Schule alleine nach Hause kommen. Wir reden schon eine Weile darüber. Ihre Freundin aus der Klasse, die den halben gleichen Schulweg hat (wie ein Y kommen wir aus zwei Richtungen, legen den Rest des Weges dann aber gemeinsam zurück), spielt auch mit dem Gedanken. Am Montag hat Ella sowas in der Art schon mal probiert, denn sie würde schon gerne, hat aber doch noch Respekt. Am Montag hat sie mich vorgeschickt und kam alleine hinterher. Ungefähr 10 Minuten später als ich hat sie geklingelt, war aber gar unglücklich mit der Situation. Ich war so stolz, wie ich vorher nervös war, also sehr.

Heute wollte Ella aber, dass ich sie gar nicht erst abhole, damit ich nicht wieder vor ihr wegradele, denn das schien die Hürde zu sein. Allerdings kam es gar nicht dazu, dass ich nervös wurde und am Fenster stehend die Straße beobachte um dann ganz nonchalant so zu tun als wäre es ein Tag wie jeder andere. Die OGS rief um 14h an. Ella ginge es gar nicht gut, sie klage über Bauchschmerzen – ob ich sie abholen kommen kann? Natürlich.

Zuhause hat sie sich mit einer Wärmflasche auf die zweite Couch gelegt, parallel zur immer noch kranken Hanne, und schon nach 15 Minuten ging es wie durch ein Wunder wieder fantastisch gut. Beim Hausaufgabenmachen hat sie gesungen; die Erleichterung war ihr deutlich anzumerken.

Da war wohl doch die Aufregung vor dem ersten Alleinenachhauseradeln zu groß und übermächtig.

Später waren wir im Garten. Wenn Hanne sich nicht um das Gewächshaus und die reichhaltige Ernte kümmern kann, erfüllt Ella ihr diesen Liebesdienst sehr gerne.

Ella hat überlegt, welcher Baum wohl stark genug sei, um ein Baumhaus zu tragen. Leider, Ellie, gar keiner, was sie aber nicht davon abgehalten hat, sich schon mal Bretter zurechtzulegen.

Als Christoph nach Hause kommt, geht Ella noch schnell zum Brötchenkaufen zum Laden. Alleine, gutgelaunt und selbstbewusst.

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Erst einmal gute Besserung für das große Mädchen.
    Hat sie ja richtig erwischt. Hoffentlich bleibt Ella verschont.
    Genießt alle das schöne Wochenende bei bestem Wetter, dies wünschen Oma und Opa aus G.
    P.S. Eine Mutter weiß doch, was ihrem Kind guttut.
    Halbe schon früh erkannt, wo die Begabung liegt, die ja nun voll zum Tragen kommt.

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