Die Kinderüberraschung der Audiounterhaltung

Wie bei anderen Menschen das Radio im Hintergrund läuft, läuft bei mir irgendein Film, irgendeine Serie, wenn ich am Laptop sitze und arbeite. Das liegt in erster Linie daran, dass ich mich gut entspannen kann, wenn ich Menschen leise reden höre. Vielleicht habe ich das von meiner Oma. Ihr Schlafzimmer im Erdgeschoss des Hauses lag zu einer ruhigen Straße in einer ohnehin verkehrsberuhigten Wohnsiedlung hinaus. Eine der Gegenden, in denen wirklich um 20h die Gehsteige hochgeklappt werden. Beim jährlichen Straßenfest, wenn die Menschen sich unterhielten, lachten, Gläser anstießen und es so trubelig wurde, wie es in einer ruhigen Straße in einer ohnehin verkehrsberuhigen Wohnsiedlung nur werden kann, schlief sie angeblich am tiefsten und entspanntesten. Wie praktisch, dass Christophs und meine erste gemeinsame Wohnung – die, in die wir im April 2005 mit weiten Augen und weiten Herzen unsere erste Tochter nach Hause brachten – über einem der bestbesuchten Biergärten Münsters lag. Noch heute, 2 Schlafzimmer später, schläft das große Mädchen entspannt durch jeden Lärm.

Wenn ich arbeite, mache ich das Serienfenster erst klein und schiebe es in die linke obere Ecke des Bildschirms. Wenig später werden sich Fenster über Fenster darüber ablegen; ich sehe also nicht, was passiert, ich höre es nur, und oft auch nur mit halbem Ohr, denn meine Konzentration gilt meiner Arbeit. Diese vermeintlich beruhigenden Youtube-Kanäle mit Walgesängen, Regenrauschen/Gewitter oder dem dezenten Stimmengewirr in einem Café habe ich allesamt ausprobiert, aber aus irgendwelchen Gründen beruhigt mich das alles ganz und gar nicht, sondern treibt mich eher in den Wahnsinn.

Ganz anders ist das, wenn ich etwas mache, das keine Konzentration verlangt. Staubsaugen, Betten beziehen oder Wäsche aufhängen … eigentlich alles im Haushalt, denn das ist mir ziemlich öde. Da brauche ich was auf die Ohren, das mich erheitert, anregt oder berührt. Wie gut, dass es Podcasts gibt, die alles davon auf einmal schaffen, quasi die Kinderüberraschung der Audiounterhaltung.

Und wenn ich für die Rückfahrt von Lüdenscheid, dem „Übergabepunkt“ der Mädchen an die Großeltern, statt einer Stunde mehr als zweieinhalb brauche, dann gibt es nur einen Menschen, dem ich gerne meine volle Konzentration schenke, damit ich im Stau nicht durchdrehe, und das ist der sehr geschätzte This American Life – Host Ira Glass.

(Blauer Himmel in Münster, fotografiert von unserer Terrasse im Beisein der liebsten Fastnachbarin, die spontan auf einen Plausch vorbeischaute.)

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.