Friendsgiving

Wie immer fiebern wir dem Freitag entgegen. Glücklicherweise haben wir Kinder, die entweder eh schon lange schlafen (9 ist am Wochenende auch bei Ella keine Seltenheit, den Fast-Teenie sieht man selten vor 11), oder die uns nicht mehr wecken, weil die Selbstversorgung mit Müsli bereits gegeben ist.

Freitags ist auch der Tag, an dem Hanne früh aus der Schule kommt und „ihre Ruhe hat“. 3 Stunden ist sie freitags alleine. Wir haben lange und wiederholt mit ihr besprochen, ob wir Eltern umsortieren sollen, damit jemand zu Hause ist – oder zumindest nach Hause kommt, bevor sie zum Klavierunterricht aufbricht. Hanne will das gar nicht, sie ist froh, nach der anstrengenden Schulwoche mal ganz alleine zu sein. Langweilig oder besorgt wird sie nicht; eine Qualität, die ich sehr an ihr schätze und die ihr sicherlich im weiteren Leben gut tut. Wenn Ihr wüsstet, wie oft wir hier bis in den Abend hinein Schulfreunde von Hanne beherbergen, die sonst alleine zu Hause wären und es nicht mögen.

Ich hinterlasse Hanne freitags einen Zettel mit Zeichnungen, kleinen Hinweisen zu etwaigem Essen und meiner immerwährenden, unerschütterlichen Liebe sowie der Anfangszeit des Klavierunterrichts. Heute hatte ich auch erwähnt, dass der Postbote wohl kommen würde, sie das Paket aber bestimmt nicht annehmen dürfe, weil sie 11 Jahre alt ist. Eine Fehleinschätzung meinerseits:

So hab ich mir immerhin den Weg zur Post gespart.

Kurz nach 6 radelten wir Mädchen 6 Ampeln nach links zu Corinna und Patenonkel P., im trüben Dunkel vernünftig ausgestattet mit jeweils einem Exemplar unserer neongelben Warnwesten „Sicher durch Münster“. Weil Christoph, Hanne und Ella morgens zu verkehrsstarken Zeiten an verkehrsträchtigen Kreuzungen entlangradeln, bekommen sie bei Nichttragen von strategisch positionierten Verteile-Polizisten beim Anhalten an roten Ampeln jeweils eine Warnweste angeboten. Ein sehr netter Service, vielen Dank dafür, liebe Münsteraner Polizei (auch wenn der Fast-Teenie sowas ja niemals anziehen würde, wenn sie in die Schule radelt).

Christoph kam direkt von der Arbeit rüber. Wir waren zum Friendsgiving eingeladen, das eigentlich ein Resteessen von Corinnas gestrigem Thanksgiving war, aber bei aller Mühe konnten wir nicht alles vertilgen, was aufgetischt wurde. Danke, das war so so lecker!

Nach dem Essen haben sich die Mädchen auf die Couch zurückgezogen und einen Film geschaut, während wir Großen spielten: Kill Dr. Lucky.

Das war eine Art „Probelegen“ für das kommende Wochenende, wenn sie bei Corinna schlafen, damit der Liebste und ich zusammen zur Weihnachtsfeier gehen können. Hanne und Ella fühlen sich bei Corinna und Patenonkel P ohnehin so unglaublich wohl, angenommen und geborgen, dass beide sofort „Jaaaa! Gerne!“ schrieen, als wir vor einer Weile vorsichtig ansprachen, sie könnten ja mal dort übernachten. Dass der Fernseher mindestens doppelt so groß ist wie unserer ist nur ein Nebengrund für die Übernachtungsfreude. Die Tatsache, dass sie ohne Zögern den üblichen Familienfilmfreitag gegen einen Friendsgiving-Abend eintauschten, spricht auch für sich.

Um halb 11 ging es Sicher durch Münster zurück nach Hause. Beide Mädchen freuen sich schon auf das kommende Wochenende, wenn sie von der gemütlichen Couch nicht mehr aufstehen müssen.

 

One thought on “Friendsgiving

  1. […] lange dauert. Viele, die wie wir mit dem Rad unterwegs sind, haben jetzt eine Warnweste an – die Stadt verteilt sie jedes Jahr im Herbst kostenlos. Dadurch werden Jahr um Jahr mehr Menschen mit Westen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.