Bem-Vindo

Ich habe das ganz, ganz große Glück einen Mann an meiner Seite zu haben, der meine Wünsche erkennt und benennt, oft, bevor ich das selbst tue, weil er mich so gut kennt. Der mich in allem unterstützt, was ich vorhabe, sei es privat oder beruflich. Der mir  den Rücken stärkt, ohne Wenn und Aber, oder mich anschiebt, wenn ich das eher brauche. Und der nachmittags so früh aus dem Büro kommen kann, dass er Ella rechtzeitig aus der OGS abholt.

Nur diesen kombinierten Tatsachen ist es zu verdanken, dass ich gestern Abend im Flugzeug nach Portugal saß – ohne Kinder, ohne Mann, dafür mit Freunden. Einfach mal so im Februar für 4 Nächte nach Porto!

Schon nach dem Buchen vor Weihnachten war es für Ellie erst unvorstellbar und dann schlimm, dass ich ohne sie wegfahren würde, und kommentierte die bevorstehende Reise in den letzten Wochen immer wieder (und leicht dramatisch): „Mama, wen hast Du lieber: Deine Freunde oder Deine Familie?“ oder „Wenn Du mich wirklich lieben würdest, dann würdest Du bei mir bleiben!“ hatte ich beim Insbettbringen zu beantworten. Die letzten Tage hatte sie schon sehr viel Heimweh nach mir, dabei war ich noch da, und in die Schule wollte sie auch nicht, lieber noch etwas Zeit mit mir verbringen.

Hanne fand es fast nur schade, dass ich sowas machen kann und sie nicht, die Große! Christoph und ich hatten vorher besprochen, dass für beide Kinder der Abschied liebevoll, aber schnell vonstatten gehen muss, daher hat er mit den beiden ein Brettspiel begonnen. Kurze Zeit später haben wir uns verabschiedet und ich habe die 3 in ihrem Kampf um Tarotkarten sich selbst überlassen.

Gut, hätten wir beim Buchen schon gewusst, dass Dortmund heute gegen Porto spielt und das gesamte Flugzeug daher eher einem Partyboot voller angetrunkener Fußballfans mit gelb-scharzen Schals und schrecklicher Musik aus Boomboxen ähnelt, wäre der Zeitpunkt eventuell ein anderer gewesen. Meine Hochachtung gilt der Bordcrew.

Unser Apartment lag mitten in der Innenstadt, fußläufig war fast alles zu erreichen – außer dem Atlantik, den wir heute sehen wollten.

Die schon in Münster argwöhnisch beobachtete Wettervorhersage versprach eigentlich 3 Tage Regen, Regen, Regen, aber es war letztendlich nur durchwachsen, so dass wir mit einem kurzen Regenschauer davonkamen. Porto ist erstaunlich hügelig. Das ist aber auch als Anhaltspunkt nicht schlecht: runter geht’s immer in Richtung Fluss. Auf dem Weg „runter“ kamen wir an dieser überdachten Markthalle vorbei, die jeden Tag geöffnet hat.

Achtung, Innenstadt-Impressionen. Porto war eine Mischung aus prachtvoll und schäbig, wobei ich beides gerne mag und in dieser Kombination sehr charmant und entspannt finde.

Unten am Fluss konnten wir uns in den Bus in Richtung Flussmündung / Atlantik setzen: die Linie 500 brachte uns für 1,85 € bis zum Leuchtturm.

Der Atlantik. Schon was anderes als das Mittelmeer: gewaltig und energiegeladen und atemberaubend.

Zum Schutz der Flussmündung und der Beruhigung des Wassers bei der Ein- und Ausfahrt hat Porto 2 Molen gebaut. Daran brechen sich gewaltige Wellen, die Molen sind schlüprig von Meerwasser und Algen, die Gischt sprüht Kleider und Haare fein ein (und wenn man Pech hat, bekommt man eine ganze Ladung ab und ist für den Rest des Tages nass).

Da mussten wir natürlich hin!

… aber nicht nach ganz vorne bei der linken Mole …

Auf der einen Seite wuchtig, gewaltig und tosend, auf der anderen gezämt.

Abends sind wir essen gegangen und später auf ein Getränk ins Café Majestic, in dem JK Rowling angefangen hat, Harry Potter zu schreiben. Ich fand, es hatte den „Charme“ eines alten, kalten, zugigen Bahnhofs.

 

 

 

 

3 thoughts on “Bem-Vindo

  1. Eva says:

    Wundervolle Bilder hast du da geschossen. Das macht Lust auf Meer! Die Nordsee Mitte Februar war aber auch nicht ohne, wenn auch nicht halb so gewaltig.
    Ein paar Tage raus aus dem Alltag, ganz alleine ohne Familie oder wie du mit Freunden, finde ich einfach goldwert. Das ist mir bei meinem ersten Kurztripp vor zwei Wochen an die Nordsee erst so richtig bewusst geworden. Hier gab es vorab aber auch schon Heimweh nach Mama und ich hatte ein absolut schlechtes Gewissen, weil ich alleine los bin. Vor allem auch, weil ich noch nicht weiß, ob wir uns einen gemeinsamen Urlaub in diesem Jahr leisten können. Dringend notwendig ist er alle mal.

    1. Silke says:

      Liebe Eva, danke für Deine Worte! Ich hoffe, Du konntest in Deiner kleinen Auszeit ganz viel Kraft sammeln : )

  2. […] vor 5 Jahren ist mein Großvater verstorben. Heute vor 2 Jahren bin ich nach Porto […]

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