Suppenwetter

Viel Laune auf Suppe habe ich nur, wenn es abends am Tisch schon dunkler ist und der Wind an Bäumen und Eichhörnchenkobeln rüttelt. Da nur einer von uns 4en frühstückt (und dann auch noch gerne im Stehen und während mit der anderen Hand im Tonni gekramt wird) und wir die Tage meistens getrennt voneinander verbringen, ist uns ein gemeinsames Abendessen mit Ruhe und Reden wichtig. Da hilft eine heiße Suppe, in die man erst mal eine Weile pusten muss, bis man sich rantraut, ungemein. Hanne isst Suppe nur mit Plastiklöffel, denn der wird wenigstens nicht mit heiß.

Wann erfahren wir Eltern sonst, dass

Hanne: die neue Klavierlehrerin glatt die Schwester von der Schwimmlehrerin ist (Münster ist ein Dorf!) und diese jetzt Physiotherapeutin wird, dass die neue Freundin aus der Klasse einen Hund UND eine Katze hat, die Oh-So-Glückliche! Dass die neue Zahnpasta nach Kürbiskernen schmeckt, woher kommt das wohl? Was am Freitag genau in der Englischklausurarbeit vorkommt. Dass die Biolehrerin schwanger ist, die Vertrauenslehrerin sich vorgestellt hat und der Mathelehrer die nächsten Monate in Elternzeit geht, was schade ist, denn der ist nett. Dass eine Capri-Sonne in der Schulcafeteria 50 Cent kostet. Dass die Auflage des Deutschlehrers, jeden Monat ein Buch zu lesen ja wohl ein Witz sei: ein einziges Buch in einem ganzen Monat? Dass der Mittwoch der beste Schultag ist, denn da gibt’s eine Doppelstunde Englisch und eine Doppelstunde Kunst. (Vor langer, langer Zeit war der Mittwoch als Schultag schon mal hoch im Kurs). Und ob wir immer noch gegen ein Haustier wären? Eine Katze wäre doch so schön! Und dass Marlen aus ihrer Klasse nett ist, mit der macht sie dienstags immer Hausaufgaben.

Ella: dass die Erstklässler einmal pro Woche wegen des Schulchors später dran sind, dann gemeinsam mit den Zweiklässlern essen und der eine Junge da, Noah, nett ist, aber seine Freunde nicht. Aber nur der eine Noah ist nett, der andere Noah dagegen gar nicht. Dass es wieder mal die ekelige Erbsensuppe gab, die keiner mag, und in Sachkunde Leporellos mit spannenden Informationen über Igel gebastelt wurden.  Dass der Parkour in der Turnhalle schwer war, aber voll viel Spaß machte. Dass diese Woche ja auch noch Literaturtag ist und das Lieblingsbuch mit in die Schule gebracht werden soll. Dass sie nicht vergessen darf, sich beim nächsten Mal Sport einen Zopf zu machen, denn sie machen den „Rollbrettführerschein“, da sind lange runterhängende Haare hinderlich. Dass definitiv der Donnerstag der beste Schultag ist, denn da gibt’s Sport und Filzen. Dass wir morgens mehr Brot in die Brotdose machen müssen, weil sie immer-immer Hunger hat. Aber nicht das mit der Hirse, dass Mama so mag, sondern ganz, ganz helles Brot, oder halt Knäcke. Dass sie in der Klasse heute das L und die 8 geübt haben. Die 8, findet sie, darf keine zwei Nullen übereinander sein, sonst stimmt die Kreuzung nicht. Dass das schönste Schmackes-Lied immer noch Grönemeyers Mambo ist. Dass es im Kindergarten besser war, denn da konnte man sich auch mal einen faulen Tag machen. Warum es morgens jetzt eigentlich schon dunkel ist. Ob sich Zahnfee, Weihnachtsmann und Osterhase eigentlich kennen? (Spoiler alert: Ja, tun sie.) Wie der neue Witz geht, den sie in der Schule gehört hat: Kommt ein Chinese zur Schule und jemand will ein Eis. Ach nee, der fing anders an, vergessen. Egal.

Dann bin ich dankbar, dass es früher dunkel wird und wir uns in der Küche versammeln können, dass die Mädchen viel erzählen und der oft zähe, langweilige, stressige, öde Tag entspannt und gemeinsam zu Ende geht. Mit den Lieblingsmenschen.

(PS: Ich weiß: gelbe Kürbissuppe in brauner Tasse auf braunem Tisch? Bei so einem Motiv kann der silberne Löffel auch nichts mehr reißen, aber was soll man machen. Und den Tisch hätte ich besser vorher abgewischt, aber jetzt ist die Suppe leer. Ach ja.)

(PPS: Die Mädchen stehen mehr ausschließlich auf Buchstabensuppe.)

 

 

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