Die Sache mit dem Ellenbogen

9. August 2015 4 Von Silke

„Ihre Tochter ist jetzt im Aufwachraum, Frau M.“ sagte mir die Krankenschwester um kurz nach 7, als sie rabiat das Rollo des Krankenhausfensters zur Seite riss, um das Licht reinzulassen.

Das war der schönste Satz, den ich seit langem hörte.

Gestern waren wir auf einer Gartengeburtstagsnachfeier der lieben Ns in Ibbenbüren und schon so gut wie auf dem Heimweg, um uns nach den Ferien noch einen schönen, gemütlichen Familienabend zu machen, als Hanne von der Schaukel abrutschte und  auf den linken Ellenbogen knallte, und das sah gar nicht gut aus.

Der Notarzt kam. Christoph fuhr mit ihr ins Klinikium Ibbenbüren, Ella und ich folgten mit dem Auto.

Und warteten, und warteten,

und warteten.

Zu dem Zeitpunkt ging ich noch von nur einer ausgekugelten Elle aus.

Christoph hat mich von drinnen per SMS auf dem Laufenden gehalten, bis Ella und ich endlich auch in die Notaufnahme reindurften.

Es sah für den Ellenbogen nicht gut aus und war definitiv komplizierter, als ich dachte. Dislokation, Knochenabsplitterung, doppelter Bruch: ein stationärer Aufenthalt samt OP war unumgänglich. Wir haben uns entschieden, lieber ins UKM Münster zu fahren. Einerseits um näher zu Hause zu sein und andererseits waren wir mit der Fürsorge in Ibbenbüren nicht einverstanden. Hannes Arm wurde in einer Notschiene verpackt, ich war so vorsichtig und unruckelig wie noch nie in meinem Leben. Um kurz nach 23h fuhren wir an der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie in Münster vor.

Noch mehr Röntgen, der Unterarm tat auch weh. CT. Viele Ärzte, viele Fragen, viele Erklärungen. Viele Unterschriften.

Hanne hatte Angst und Schmerzen. Ella hatte Angst. Christoph und ich hatten Sorge.

Um kurz vor 2h sind Christoph und Ella heimgefahren, Hanne wurde für die Operation vorbereitet. Wir verabschiedeten uns um 3h an der Schleuse zum OP. Hanne hat das ganz großartig gemacht. Sie war erschöpft und müde und wollte nur noch, dass es endlich aufhört wehzutun, so dass zum dem Zeitpunkt die Vollnarkose ihren Schrecken verloren hatte und mit Schlaf lockte. Wie ich es geschafft habe, mich zusammenzureißen, bis sie außer Sicht war, weiß ich nicht.

Das komplette Ausmaß der Verletzung stellte sich während der Operation dar. Ellenbogenluxation, doppelter Bänderriss, und noch mehr.

Um 8h kam sie auf die Station. Sie war blass und schlapp, aber schmerzfrei. Wieder bei mir.