Ein kleiner Unterschied

Mitterlweile fehlen 8 von 20 Kindern im Kindergarten, und meines war heute immer noch eines von ihnen. Morgen geht sie aber wieder und freut sich schon.

Heute hatten wir also noch einen langsamen, entspannten Tag und brachten einen Brief zur Post, und das kam so:

„Mama, was macht Piwi eigentlich da in B? Da fragt man sich doch echt, was der da macht und warum der nicht mal wieder nach Münster kommt. Also, in echt jetzt! Wir sollten ihm mal schreiben und ihn fragen, was er da macht!“

Taten wir. Ella wollte auch etwas schreiben.

Und dann raus, den Sonnenschein genießen. Ich weiß nicht, wer froher war, Ellie oder ich. Hanne war erst semi-begeistert, hat sich dann aber doch gut gemacht.

Was mir heute wieder auffiel, sich aber schon seit langer Zeit herauskristallisierte: Ella ist ein Schmuser, Hanne nicht.

Hannes Schäfchen, ein Geschenk zu ihrem ersten Weihnachtsfest von jenem Piwi, der bald Post bekommen wird, verließ nur sehr selten das Bett. Ellie angelt Vovo, den Eisbären, zielstrebig mit ihren kleinen Ärmchen zwischen den Gittern heraus und zieht mit ihm durch die Wohnung, während sie ihn an sich drückt und küsst. Alle anderen werden auch gerne zu derartigen Liebesbekundungen für Vovo herangezogen. Dazu stellt sich Ella in den Weg, hält Vovos Schnüss hoch und macht schmatzende Kussgeräusche, damit auch ja klar wird, was getan werden muss, bevor sie den Weg wieder freigibt. Wegzoll für Anderhalbjährige.

Anderes Beispiel!

Hanne in Ellies Alter jeden Tag mehrere Bücher „vorgelesen“ .Ich gebe zu, neben unserer gemeinsam zelebrierten Bücherliebe ein ganz egoistischer Grund dafür eindeutig der war, dass man prima nebenher Kaffee trinken konnte. Sogar, solange er noch heiß war. Hanne, immer neben oder auf meinem Schoß, saß aufrecht, fokussiert und konzentriert. Sie holte mehrere Bücher, auf die sie Lust hatte, und jedes wurde von vorne nach hinten korrekt gelesen, nur um nach einer Runde beim ersten Buch des aufgetürmten Stapels neben meinem Knie erneut anzufangen. Ab und an durfte ich mir an dieser Stelle kurz frischen Kaffee besorgen. Dieses Prozedere machen wir heute auch noch gerne, aber leider viel zu selten. Darüber hinaus sind die Bücher auch länger und um einiges textintensiver geworden, so dass das Stapelweglesen schwieriger wird. Der kleine Mondbär sucht die Sonne ist halt ein anderes Kaliber als Connie und der große Schnee.

Sowohl die Tatsache, dass sie die Höchstzahl an ausleihbaren Medien von der Bücherei in Rekordzeit zusammenhat als auch die, dass sie die Bücher durchsieht und nach Lesereihefolge stapelt, erinnert mich ganz eindeutig an mich. Früher, als ich noch Zeit zum Lesen hatte.

Ganz anders sieht eine Leseeinheit bei Ellie aus. Sie tappelt an, fläääääzt sich genüsslich in meinen Schoß, kuschelt sich ein, gräbt ihren Kopf an mein Brustbein und überlässt mir in der Regel die Buchauswahl. Springt dann beim Lesen von Seite zu Seite, hin und her, blättert willkürlich um, nur um nach zwei Seiten, nach einem halben Buch aufzuspringen und entweder ein anderes zu holen oder etwas ganz anderes anzufangen, mich vergessend zurücklassen. Sogar Hanne ist das schon aufgefallen. Den beiden zusammen ein Buch vorzulesen ist zur Zeit nicht drin; daher warten wir -unabgesprochen- mittlerweile einfach ab, bis Ellie eh aufsteht und geht.

Auf der anderen Seite war Hanne nie eine, bei der ich mir Sorgen machten musste, dass sie wegläuft oder sich aus meinem Gesichtsfeld entfernt, denn das hätte ja bedeutet, dass ich mich auch aus ihrem entfernte. Sie blieb, vor allem in neuen Situationen oder in ungewohnten Umgebungen, solide 0 bis 30 cm von meinem Bein entfernt und beobachtete. Sagte kein Wort, auch nicht auf Ansprache. Erst später, wenn wir alleine waren, fragte und redete sie, dann aber wie ein Wasserfall. Ich bin heute noch erstaunt, wenn ich sie mit Fremden reden höre, weil sie sich das erst seit ganz, ganz kurzer Zeit traut. Faru – Faru! – hat vor gar nicht langer Zeit festgestellt, dass Hanne das erste Mal von sich aus etwas zu ihr gesagt hat.

Bei Ellie sieht auch das anders aus. Eltern vom Kindergarten, die sie einmal gesehen hat, zählen schon zum vertrauenswürdigen Personenkreis [nur Wickeln dürfen sie sie nicht, wie der Trixster hat erfahren müssen]. Sie geht los, stellt sich einfach neben jemand anderen, den sie kennt und ab und an reicht ein Blick in meine grobe Richtunng.

Ellie ist ganz intensiv nah, dann fort, und wieder da. Hanne war immer da, aber leiser. Beständiger. Beide so, wie sie es brauchen. Ich hoffe, ich kann immer genau das geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.