Garten

vert et rose

Die Tage, die im Dunklen beginnen, sind mir nicht unbedingt die liebsten. Ich weiß nicht, wer sich hier am meisten auf die Weihnachtsferien freut.. es ist eine enge Kiste. Alle schniefen und schnupfen und würden gerne länger liegenbleiben. Christoph ist mit aufgestanden und kümmert sich heute an meiner statt um Brotdosen, Haargummis, Matschhosen, Garagenschlüssel.

Die Hauptstrecken des Fahrradnetzes sind schon gut geräumt, an den Kreuzungen, abseits der Hauptwege oder auf Kopfsteinpflaster ist es aber teilweise noch sehr rutschig. Wir stellen uns darauf ein sehr langsam zu fahren oder zu schieben und planen einen großzügigen Zeitpuffer ein.

Obwohl ich Ellie schon um 20 vor 8 in der Grundschule verabschiede und unter normalen Bedingungen entspannte 10 Minuten zur Arbeit brauche, schaffe ich es heute genau eine Minute vor 8 zur Tür rein.

Über Tag taut es immer weiter, das gefällt mir. Nach dem Abholen befreit Ellie zwar die Bäume im Garten vom Schnee,

aber sie hätte sich nicht mehr bemühen müssen. Am Abend ist der Schnee fast komplett weg. Morgen werden wir entspannter radeln können.

 

 

Abgrillen

Dieser Freitag ist für das große Mädchen der letzte Schultag der nächsten 3 Wochen: Am Montag fährt sie für eine Woche auf Klassenfahrt und danach beginnen schon die Herbstferien in NRW.

Heute dürfen wir uns bei Corinna einen Trolley für die Klassenfahrt abholen – vielen Dank, das ist super! – und finden gemeinsam, bei diesem tollen Wetter muss ein letztes Mal gegrillt werden. Nachmittags soll es sogar über 20 Grad werden.

Christoph schneidet im Garten die hinteren Sträucher und Bäume massiv zurück und füllt zwei große Grünabfallsäcke, die er auch direkt zum Recyclinghof fährt. Hanne und ich kaufen die letzten Notwendigkeiten für die Klassenfahrt und Grillkohle, Fleisch und Fladenbrot. Ella baut auf dem Balkon das Zelt auf und bereitet ein Picknick vor, zu dem wir uns alle bei ihr treffen. Wir hören Karl der Käfer und das Bruttosozialprodukt.

Dann fragt Elsa, ob sie rüberkommen kann, und kommt anrannt: schwupps schon steht sie im Garten. Die beiden malen Bild um Bild und hängen alle im Garten auf, bis die Gäste kommen. Am Ende sind es 32 Stück.

Wir grillen, sitzen im Garten und erzählen. Um 9 gehen die einen, um 10 die anderen heim und die Mädchen müssen ins Bett, was heute sehr schnell geht. Danach sitzen der Liebste und ich noch bis spät in die Nacht am Feuer. Das ist mit der schönste Teil meines Tages, denn diese Woche war so stressig, dass wir kaum Zeit für uns hatten.

Schwelle

Der Liebste feiert heute seinen Geburtstag nach, und wir hoffen darauf, im Garten feiern zu können. Wie das manchmal so ist, komme ich später als üblich von der Arbeit los, die Mädchen sind aber schon zu Hause und wir teilen uns die Arbeit auf:

Sie holen beim Bäcker Baguette und leckere Dips, ich kümmere mich um die Großbaustelle Supermarkt.

Wie es an solchen Tagen kommt, kommt eins zum anderen und ich bin gestresst, gehetzt, unzufrieden mit der Vorbereitung, hätte gerne mehr Zeit gehabt und ärgere mich doch am meisten über mein eigenes, offensichtlich ja grottiges Zeitmanagement.

Dann kommt der Liebste, kurz danach die Gäste, und was jetzt nicht gemacht ist, wird auch nicht mehr gemacht, und es ist allen egal – und mir auch irgendwann. Mehr als einmal höre ich an diesem Abend, wie gerne unsere Freunde zu uns kommen, wie entspannt es bei uns ist und wie schön, ums Feuer zu sitzen. Christoph bekommt liebe, überlegte Geschenke mit Aktivitäten, die ihm das ganze Jahr über viel Freude machen werden. Ich bringe Ella um 21h ins Bett und Hanne verschwindet um halb 12. Das erste Mal hat sie die Party nicht irgendwann zugunsten des Wohnzimmers eingetauscht, sondern blieb bei uns Großen: auf der Schwelle.

Danke, genügt.

Überall riecht es schon nach Herbst. Morgens müssen wir im Bad das Licht anmachen, obwohl das Fenster nach Osten zeigt. Auch am Mittag kommt die Sonne nur noch so hoch über den First gestiegen, dass wir auf dem hintersten Fitzelchen Terrasse in der Sonne sitzen könnten. Bald wird sie die Terrasse gar nicht mehr berühren.

Im Garten sorgen Ella und Christoph heute für ein apfelfreies Garagendach.

Danach kümmern wir uns um das Hochbeet. Die Mädchen pflanzen einige Allium-Sorten, weil die in diesem Jahr den Bienen so gut geschmeckt haben,

und backen danach fürs Abendessen Quarkbrötchen.

Für einen Wochenendtag ist das ein ausreichendes Programm.

 

Auf das Bauchgefühl hören

Auch wenn es manchmal stressig ist, gehe ich immer gerne zur Arbeit. Das muss man sich mal vorstellen. Ich treffe an jedem Tag, an dem ich vor Ort sein muss, sehr nette Menschen, erfahre und lerne Neues und weiß das sehr zu schätzen. Dass ich meine Zeit sehr flexibel einteilen und viel vom heimischen Schreibtisch aus erledigen kann, hilft ganz sicher auch. Vor allem bei kranken Kindern, die im angrenzenden Wohnzimmer liegen können. Man kann sagen, dass ich meine Berufung gefunden habe, wenn auch auf krummen Umwegen und mit ü30 sicher später als andere, aber eben doch viel früher als manch andere. Der Donnerstag ist einer meiner Lieblingstage auf der Arbeit.

Christoph und Ella kommen gut los, Hanne schläft weiter. Sie sehe ich gar nicht senkrecht, bevor ich losfahre, aber ich wecke sie, als ich heimkomme. Sie organisiert sich mit Buch, Schäfchen und Decke auf die Couch, während ich ihr einen frischen Tee koche und ein Brot vorbereite.

Ich bekomme den Segen, mit der liebsten Fastnachbarin eine Runde zu drehen, und das ist bei diesem Wetter wirklich herrlich. Der Herbst sagt hallo. Da oben in der Baumkrone, in gelb.

Heute möchte Ella nach der Schule alleine nach Hause kommen. Wir reden schon eine Weile darüber. Ihre Freundin aus der Klasse, die den halben gleichen Schulweg hat (wie ein Y kommen wir aus zwei Richtungen, legen den Rest des Weges dann aber gemeinsam zurück), spielt auch mit dem Gedanken. Am Montag hat Ella sowas in der Art schon mal probiert, denn sie würde schon gerne, hat aber doch noch Respekt. Am Montag hat sie mich vorgeschickt und kam alleine hinterher. Ungefähr 10 Minuten später als ich hat sie geklingelt, war aber gar unglücklich mit der Situation. Ich war so stolz, wie ich vorher nervös war, also sehr.

Heute wollte Ella aber, dass ich sie gar nicht erst abhole, damit ich nicht wieder vor ihr wegradele, denn das schien die Hürde zu sein. Allerdings kam es gar nicht dazu, dass ich nervös wurde und am Fenster stehend die Straße beobachte um dann ganz nonchalant so zu tun als wäre es ein Tag wie jeder andere. Die OGS rief um 14h an. Ella ginge es gar nicht gut, sie klage über Bauchschmerzen – ob ich sie abholen kommen kann? Natürlich.

Zuhause hat sie sich mit einer Wärmflasche auf die zweite Couch gelegt, parallel zur immer noch kranken Hanne, und schon nach 15 Minuten ging es wie durch ein Wunder wieder fantastisch gut. Beim Hausaufgabenmachen hat sie gesungen; die Erleichterung war ihr deutlich anzumerken.

Da war wohl doch die Aufregung vor dem ersten Alleinenachhauseradeln zu groß und übermächtig.

Später waren wir im Garten. Wenn Hanne sich nicht um das Gewächshaus und die reichhaltige Ernte kümmern kann, erfüllt Ella ihr diesen Liebesdienst sehr gerne.

Ella hat überlegt, welcher Baum wohl stark genug sei, um ein Baumhaus zu tragen. Leider, Ellie, gar keiner, was sie aber nicht davon abgehalten hat, sich schon mal Bretter zurechtzulegen.

Als Christoph nach Hause kommt, geht Ella noch schnell zum Brötchenkaufen zum Laden. Alleine, gutgelaunt und selbstbewusst.

 

 

 

It’s oh so quiet

Wir haben keinerlei Termine an diesem Wochenende, müssen nirgendwo hin, können aber, wenn wir wollen. Erstmal wollen die Mädchen kleine Kuchen backen.

Danach fahren wir alle 4 gemeinsam einkaufen. Ella wünscht sich eine Brotdose, die unterschiedliche Fächer hat, so dass sie neben dem Knäckebrot zB auch Äpfel mit in die Schule nehmen kann. Nach längerer Suche finden wir eine blaue Dose, die ihr sehr gefällt. Sie passt zwar nicht mehr an die Stelle der früheren Brotdose im Ergobag und muss ins Hauptfach auswandern, aber das nimmt Ellie gerne in Kauf.

Danach räumen wir Garage und Küche auf und tanzen.

Wir beschließen spontan, an diesem lauen Septembertag die Feuerschale nochmal anzuschmeißen, laden Freunde ein und sitzen lange im Garten.