Corontäne 65: Vatertag

Der Tag verspricht allertollstes Wetter. Die Mädchen decken für 9 Uhr den Terrassentisch, machen Kaffee und präsentieren sehr stolz ihren Überraschungskuchen.


Wir frühstücken gemeinsam in der Sonne, dann bereitet Christoph die Feuerschale vor. Der Dutch Oven muss 2 Stunden in den Kohlen stehen, darum kümmere ich mich dann am Nachmittag.

Letztes Jahr fand der Vatertag in Ibbenbüren statt, dieses Mal daher in Münster und Umgebung. Um 10h klingelt der erste, und wir können uns nicht umarmen, aber die Ellenbogen aneinanderstoßen und im Garten etwas zusammenstehen und reden, bevor die Männer losradeln.

Wir nutzen den sonnigen Tag und machen nur entspannte Sachen im Garten und in der Küche.

Das 2000er Puzzle nimmt Gestalt an.

Ellie macht Lippenbalm aus Kokosöl und Bienenwachs. Es ist sehr meditativ, den Zutaten beim Schmelzen zuzusehen und sie dann und wann umzurühren.

Ich videotelefoniere mit meinen Eltern und meinem Bruder. Hanne verabschiedet sich zu einer Nachmittagsverabredung mit ihrer +1, Ellie und ich machen das Feuer an, schütten nach entsprechender Zeit die Kohlen nach und setzen letztendlich den Dutch Oven mittenrein.

Ein paar Kohlen auf den Deckel und fertig zweieinhalb Stunden in Ruhe lassen.

Die Männer kommen zurück, sind sonnensatt, durstig und hungrig.

Corontäne 63: Aasee

Der Weltbeste trifft sich nachmittags am Aasee mit einer lieben Freundin.

Auch andere sind in Zweierteams unterwegs.

Das kleine Mädchen chillt

und klettert auf den Tisch, um auf die Garage zu kommen und von dort aus Musik zu hören und die Leute zu beobachten, die am Haus vorbeigehen.

Sie hat außerdem beschlossen sich die Haare wachsen zu lassen.

Corontäne 59: In der Stadt

Das große Mädchen schlendert heute.

Das kleine Mädchen hat riesengroße Sehnsucht nach Gleichaltrigen. Sie findet es unfair, dass die große Schwestern sich jeden Tag mit ihrer +1 verabreden kann, und es bei ihr einfach nicht so richtig klappt.

Das liegt einerseits am Alter: 10 ist einfach anders als 15. Während man sich mit 15 auf eine Wiese setzt und den ganzen Nachmittag quatscht, ist das mit 10 noch viel zu öde.

Das liegt aber auch an den jeweiligen Situationen in den Familien der Freunde, die es für Ellie erschweren sich zu treffen.

Das liegt nicht zuletzt an der Entfernung anderer möglicherweise treffbarer Menschen, zu denen man mit 10 nicht so einfach kommt wie mit 15, wenn deren Freundin nur wenige Radminuten entfernt wohnt.

Heute gab es den ersten ernsthaften Streit in der Coronazeit, und Frust und Enttäuschung prallte auf Frust und Enttäuschung, und obwohl die Mädchen alleine waren, lag jede beim Fernsehn auf einer eigenen Couch.

Corontäne 53: Angrillen

Morgens kommt die Sonne nun schon auf die gesamte Terrasse. Im Gegensatz zu uns sind die Rotkehlchen, Eichhörnchen und Meisen fleißig. Überall grünt es herum.

Wir pröddeln am Vormittag intensiv vor uns hin.

Den Nachmittag verbringen wir mit Einkaufen in unterschiedlichen Läden (Christoph & Ellie) und richtig Aufräumen (Hanne & ich). Die beiden Einkäufer bringen Margeriten mit und pflanzen sie sofort ein. Ich soll sie mir für morgen denken, wenn Muttertag ist.

Wir wollen bei dem schönen Wetter zum Abend hin angrillen, aber erst rollen die Mädchen die Puzzlematte aus.

Als die Sonne weitergewandert ist und auf der Terrasse schon wieder Schatten herrscht, grillen wir.

Das fühlt sich schon verdächtig nach Wochenende an.

Corontäne 35: Ausgeflogen

Es ist Dienstag, und die ersten Aufgaben und Projekte für die Mädchen kommen über den Schulserver an. Seit gestern der Unterricht wieder angefangen hat, läuft Hanne jeden Tag um 8 um die Promenade und fängt um 9 mit den Schulaufgaben an, heute mit ihrer +1.

Christoph hat viel zu tun und ist im Büro, ich in meinem Arbeitszimmer in einer Videokonferenz nach der nächsten und dazwischen immer wieder in der Küche um zu gucken, wie Ellie vorankommt und ob sie irgendwelche Fragen hat oder etwas ausgedruckt haben muss.

Ich habe Post-Its an meine Tür geklebt, auf denen steht, wann ich in Zoom bin, so dass die Mädchen wissen, wann ich wirklich beschäftigt bin und zB grade niemand den Drucker benutzen kann, der hier neben mir steht. Ellie kommt gut voran, macht danach Pause mit der Sendung mit der Maus und packt ein Picknick zusammen. Sie hat sich gestern direkt mit ihrer Freundin verabredet hat und radelt los, bevor ich mit meiner Arbeit fertig bin.

Ich bin am Nachmittag für 2 Stunden alleine zu Hause, höre podcasts über Kopfhörer, pröddele herum, zoome noch kurz mit einem Freund aus Liverpool, bereite Blätterteig-Sesam-Würstchen-Rollen vor (und für die Vegetarierin Blätterteig-Sesam-Käse-Rollen)

und finde den seit Tagen verschollenen Haustürschlüssel vom großen Kind wieder.

Dann kommen beide Mädchen heim. Hanne wollte Linedancing ausprobieren, also schmeißen wir ein Youtube-Tutorial an, lernen 2 Tänze und hüpfen in Linien durchs Wohnzimmer.

Später spielt Christoph Online-Poker mit seinen Jungs.

Corontäne 34: Neubaugebiet

Montag, und kaum jemanden interessiert es, dass die Osterferien nun vorbei sind. Wie vorauszusehen gibt es auf dem Schulserver außer „wir Lehrer besprechen, wie es denn nun weitergeht, Aufgaben bekommt Ihr ab Dienstag oder Mittwoch“-Mails und Durchhalteparolen keine Neuigkeiten. Es macht schon Sinn, dass in Deutschland alle von HomeSchooling sprechen und niemand es wagt diesen Unterricht Distanzlernen zu nennen, denn genau so ist es: es bleibt am Zuhause hängen, ob etwas gemacht wird, was gemacht wird, wie es gemacht wird.

Nun ja, der Weltbeste muss ins Büro, meine Lehre startet heute ebenfalls – von nun an werde ich jeden Tag mehrere Stunden in Zoom verbringen – und das große Mädchen geht joggen und kommt kurz nach Mittag heim.

Ella hat Bastelleim, Rasierschaum und Lebensmittelfarbe zu Schleim verrührt, aber so richtig gelingt es nicht: viel zu nass, das Zeug. Vielleicht hilft es, wenn es etwas in der Sonne steht. Wir gehen mit 2 Picknickdecken raus.

Ella rührt, ich hab unbändigen Rätselspaß dank der Gratiszeitung.

Die Herstellung der Knetseife war definitiv erfolgreicher. Wir finden, dass der Schleim noch etwas ruhen sollte, der Garten für heute genug von uns gesehen hat und beschließen uns ein Eis zu holen, die Picknickdecke mitzunehmen und ins Neubaugebiet zu radeln, in das Ellies Freundin vor kurzem gezogen ist.

Eigentlich wollten wir uns das neue Haus schon vor Wochen angucken, aber da das jetzt nicht möglich ist, fahren wir wenigstens mal den Weg ab, damit Ellie bald mal alleine hinradeln kann. Später, wenn man wieder darf. Hanne kommt mit, weil: Eis.

Und wer hätte das gedacht, wir treffen auf dem Feld vor dem Neubaugebiet tatsächlich auf die Mutter von Ellies Freundin, die grade mit der kleinen Schwester Runde auf dem Rad dreht. Wir sind beide der Meinung, dass sich die Mädchen ruhig mal sozial distanziert treffen können und lassen die beiden direkt per whatsapp ein Treffen für morgen vereinbaren: Ella hat eine +1!

Corontäne 21: Fünfzehn

Das große Mädchen wird heute 15! Wir alle sind so froh, dankbar und stolz, sie bei uns zu haben: 170cm voller Lachen, Liebe, Zuversicht, Humor, Wärme, Lebenseifer, Gerechtigkeitssinn, Engagement, Empathie, und jederzeit Umarmungen. Es ist uns rundherum gelungen, das Kind.

Gestern haben wir anderen 3 die Küche geschmückt und den Kuchen gebacken. Morgens springen Ellie und ich rüber zum Bäcker für ein schönes Geburtstagsfrühstück, zu dem es mehr geben soll als nur Kuchen. Die Bäckerei hat allerhand Sammeltüten im Angebot, daher ist das Angebot auf der Lazy Susan so üppig.

Egal, denn eingefroren haben wir gleich frische Brötchen für die nächsten Tage parat.

Als alles fertig ist, darf die kleine Schwester die große Schwester nach unten holen. Das Geburtstagsmädchen wird heftig gedrückt, pustet die Kerzen aus und dann frühstücken wir gemeinsam. Zur Bescherung haben beide Großelternpaare ein Paket geschickt, so dass es nicht wenig auszupacken gibt!

Die Mädchen verkrümeln sich danach nach draußen, die Sonne lockt. Das Knotenkissen, das sie als Geschenk bekommen hat, muss mit. Wir verbringen den ganzen Vormittag im Garten. Die Mädchen nehmen sich neue Bücher und Decken mit auf die Wiese. Es kommen viele digitale Glückwünsche an.

Christoph ist ins Büro geradelt, ich arbeite auf der Terrasse: Homeoffice mit Vögelgezwitscher. Zwischendurch bekomme ich eine Nachricht von Hannes Freundinnen, die ein Überraschungspaket vor unserer Haustür abgestellt haben, das ich heimlich reinholen soll. In den letzten Tagen haben mich die vier angeschrieben und gebeten, zu einer bestimmten Zeit Paket und Laptop mit einer Zoom-Konferenz vorzubereiten, so dass sie Hanne trotz Corona wenigstens ein Ständchen singen und mit ihr virtuell-gemeinsam das Paket öffnen können.

Hanne quatscht fast 2 Stunden mit ihren Freundinnen. Sie alle vermissen einander enorm. In der Zwischenzeit klappt Ellie die Couch aus, holt Decken und Kissen und bereitet alles für einen Filmabend vor. Später macht sie zusammen mit Christoph Popcorn in der Maschine und wir lassen den Abend ruhig und gemütlich austrudeln.

Die Geburtstagsparty ist nicht aufgehoben, nur verschoben.

Corontäne 19: Unterwegs

Wir basteln und schreiben einige Osterkarten an eine Initiative, die dazu aufgerufen hat, persönliche Grüße zu verfassen und die diese dann an die Bewohner münsteraner Altersheime verteilt. Da machen wir gerne mit.

Hanne schmeißt sie auf ihrem Weg in die Stadt gleich in den Briefkasten, damit sie Anfang der Woche bei der Organisation ankommen.

Sie trifft sich mit ihrer +1-Person für Picknick und Spaziergang und ist hinterher sehr beeindruckt davon, wie leer die Innenstadt an einem Samstagvormittag bei tollstem Wetter war.

Christoph und Ellie fahren einkaufen, und so bin ich das erste Mal seit gefühlt ewig alleine zu Hause. Ich mache mir einen Kaffee und arbeite mich in das ein, was nach den Osterferien höchstwahrscheinlich auf mich zukommen wird.

Den Nachmittag verbringen wir im Garten, und schließlich radelt Christoph noch eine Runde durch die Stadt.

Corontäne 14: Knetseife und Wildgänse

Hanne kümmert sich heute um Englisch. Sie hört Radiobeiträge, muss Fragen dazu beantworten, Texte lesen und ist am Ende des Tages mit der Wochenaufgabe fertig: Häkchen auf den Post-Its dokumentieren ihren Fortschritt. Außerdem bekommt sie heute einen Gelben Brief von der Stadt (falsch datiert): Sie soll sich bitte bis zum 25. März in häusliche Isolation begeben. Das kommt ein bisschen spät.

Wir gucken die Jungs-WG in Amsterdam in der ZDF Mediathek, danach macht Ella Knetseife. Die Anleitung habe ich bei der Stadtbücherei gesehen und direkt vorgemerkt, weil wir alle Zutaten zu Hause hatten.

Die Knetseife ist im trockenen Zustand leicht und weich, angenehm zu kneten und nach einiger Zeit ein bisschen bröselig. In dem Fall kann man einfach etwas zusätzliches Öl unterkneten. Wenn man die Seife ohne Wasser benutzt, riechen die Hände danach jedenfalls sehr sauber. Wahrscheinlich werden sie in diesem Haushalt eher als Squishy zum Einsatz kommen. Mit Wasser werden sie glitschig und lösen sich langsam auf, was dazu führt, dass man sich tatsächlich mehr als 30 Sekunden lang die Hände wäscht.

Mit sauber duftenden Händen schreibt Ellie danach Postkarten an die Großeltern; ich arbeite.

Christoph kommt heim und ich verabschiede mich für eine Stunde. Meine +1-Person, die ich jetzt gefühlt ewig nicht mehr gesehen habe, ist die liebste Fastnachbarin. Ich bin vor ihr am Treffpunkt und erkenne sie schon am Schritt, bevor ich ihr Gesicht erkenne. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns sehen, ist unbehaglich. In sozialer Distanz laufen wir eine Runde durch den Park. Wir führen grade sehr gegensätzliche Leben; meines kam gefühlt zum Stillstand und bei ihr ist mehr los den je.

Wie gut das tut, diese Stunde für mich. Uns nicht zu umarmen, wenn wir uns verabschieden, ist unbehaglich.

Danach hole ich im Laden gegenüber noch Mozzarella und Milch und wundere mich mal wieder darüber, wie schnell die Grundnahrungsmittel aufgebraucht werden. (Ja, Mozzarella ist bei uns ein Grundnahrungsmittel.) Ich gucke beim Klopapier vorbei – gibt immer noch keins.

Zuhause ist es kuschelig und warm und ich kann mich extra darüber freuen, weil ich grade draußen war.

Gefährliches Viertelwissen

Auch zu dritt sind wir beim Musikquiz in der Boulette auf Schnapskurs, aber es war ein harter Kampf mit dem US-Amerikanischen Team am Nebentisch. Schlussendlich haben wir das Quiz aber siegreich als Letzte beendet.