Manches

Der Kaktus legt sich einen dritten Stock zu, und das in einem atemberaubenden Tempo.

Im Keller wird gearbeitet, schon wieder und immer noch, und es dauert alles länger und ist drölfmal so aufwendig wie gedacht gehofft.

Abends ist Elternabend für uns 2: EF für Christoph in der Aula und 6. Klasse für mich. Wir radeln gemeinsam hin, und als ich nach etwas über einer Stunde entlassen werde und heimradele, steht seine Leeze noch da.

Dringende Frage der Elternschaft: wie geht es im Herbst weiter, sollte es zu einem klassen- oder schulweiten Lockdown kommen. Ich bin vom Konzept nicht überzeugt worden (evtl. weil es bis jetzt keins gibt).

Hummelflug, vorbei

Hanne bringt vom Schulheimweg eine erschöpfte Hummel mit, die den Tag trotz Zuckerlösung nicht überlebt. Bis jetzt hatten wir eine 100%ige Reaktivierungsquote, zB hier. Die Chancen standen schlecht, es gab nicht mal mehr ein drohendes Mittelbein, als Hanne sie mir übergab.

Und sonst?

Durch den stärker thematisierten Klavierunterricht – das große Mädchen hört zum Monatsende nach 9 Jahren auf – sitzt das kleine Mädchen jetzt ab und an wieder dran.

Vielleicht interessiert sie Kontrabass nochmal, den fand sie vor 4 Jahren schon ziemlich cool.

Es sommert

Seit die Schule wieder angefangen hat, ist der Sonntag wieder ein richtiger Sonntag – in dem Sinne, dass man schon keine Lust hat, dass morgen der Wecker so früh klingelt. Heute sind wir daher etwas faul und jeder verbringt den Vormittag mit sich.

Das kleine Kind macht ein paar liegengebliebene Hausaufgaben, auf die sie bis jetzt keine Lust hatte.

Außerdem fängt sie das Lesetagebuch für Deutsch an.

Sie zeichnet die Kinder so ab wie damals Mexiko: die recht Hand malt, während die Augen das Bild im Buch sorgfältig nachfahren.

Während die Mädchen sind aufs Sofa hauen und alle Aktivitäten für den Tag als beendet erklären, macht sich Christoph bereit mit mir eine Runde durch die Nachbarschaft zu schlendern.

Alles summt und wächst.

Es wird gebaut (morgen wieder, heute ist ja Sonntag).

Der halbe Weiher ist ausgetrocknet.

Der Weg der Jahresbäume

Ellies Biohausaufgabe verlangt das Anlegen eines Herbars, in ihrem Fall genauer gesagt das Finden, Pressen, Katalogisieren und Beschriften 18 verschiedener Laubbaumblätter. Der einfachste (man lese: einzig mögliche) Weg für sie und mich zu wissen, welchen Baum wir vor uns haben, ist, wenn jemand ein Schild davorstellt.

Glücklicherweise hat jemand genau das gemacht! Schon seit 1989 wird am Mühlenhof jeweils im April der „Baum des Jahres“ gepflanzt. Unter diesen Voraussetzungen erkläre ich mich gerne bereit zu helfen.

Ellie und ich sind also am Nachmittag an der Sentruper Höhe unterwegs, ausgerüstet mit Stift (den wir bei Baum 12 verlieren), Zetteln und einem alten Schinken namens „Illustrierte Deutsche Geschichte“.

Wir suchen also, und das ist kein Witz:

Birke, Bergahorn, Erle, Esche, Spitzahorn, Hainbuche, Linde, Pappel, Platane, Rotbuche, Rosskastanie, Stieleiche, Traubeneiche und irgendeine Art von Weide sowie „3 weitere Bäume, deren Blätter du in deinem Herbar sammelst“. Bis auf 4 Arten finden wir alles.

Haben wir geschummelt? Wenn ja: mir egal. Diese Hausaufgabe dauert ja sonst Jahre! Zuhause sortiert, beschriftet und verteilt Ellie die Blätter sorgfältig in Hannes alter Blütenpresse.

In der „geheimen whatsapp-Klassengruppe“ werden Baum-Standorte gehandelt wie heiße Ware. Die Gruppe heißt so, da die Kinder keine offizielle whatsapp-Klassengruppe haben dürfen – einige Eltern hatten sich beim letzten Elternabend für ein Verbot einer solchen Gruppe ausgesprochen. (Als würde das etwas nutzen? Hallo?)

Christoph hat in der Zwischenzeit die Kelleraußentreppe geweißt. Die Ritterburgzinnen hat er gleich mitgestrichen.

Escape Room

Früh morgens kommt der Klempner des Vertrauens vorbei, denn beim Ausräumen des Kellerraums haben wir festgestellt, dass das Rohr der Hauptwasserleitung tropft. Besser mal jemanden gucken lassen, der sich auskennt.

Was sich erst unkompliziert anhörte – Wasser abstellen, Stück altes Rohr raus, Stück neues Rohr rein, Wasser anstellen, fertsch – war natürlich genau das nicht. Später mehr.

Erstmal hab ich einiges zu tun: Es gilt die bald anrollende Meute kulinarisch zu versorgen. Jeder Elter weiß: Satte Kinder sind ausgeglichenere Kinder als unsatte. Würstchen im Schlafrock, Wassermelone, Mini-Pizzen, Tomaten, Gurken mundgerecht vorbereiten, Tisch decken.

Die Girlande hatte Hanne gestern schon angebracht.

Für heute hat sie sich direkt nach der Schule zu einer Freundin verabredet und übernachtet auch da. So entkommt sie dem gesamten Chaos. Schlaues Kind.

Das Wasser wird wieder angestellt, alles scheint prima. Sie Spülmaschine surrt zufrieden, schönstes Geräusch der Küche. Christoph, Zeugnis seiner Liebe zu mir, kommt schon mittags heim und springt direkt ins Geschehen. Weltbester!

Wir wundern uns gemeinsam über die vielen Flugzeuge, die wieder unterwegs sind.

Um viertel vor 2 kommt Ellie mit den 4 Mädchen, die zu weit weg wohnen um noch nach Hause zu fahren, aus der Schule. Die anderen trudeln langsam ein. Sie essen und verschwinden nach oben zur Geschenkeübergabe.

Für den Escape Room haben wir 2 Gruppen gebildet und eine Zeitvorgabe von 75 Minuten gegeben. Eine Hälfte rätselt im Keller, die andere Hälfte auf der Terrasse. Mithilfe von erspielten Batterien können sie per Walkie Talkies kommunizieren und müssen zusammenarbeiten, um die Gruppe vor Ablauf der Zeit aus dem Keller zu befreien.

Einige Mädchen sind auf Zack und haben Spaß daran zu knobeln, zu kombinieren, Codes zu knacken und das Spiel gut mitzutragen. Andere machen lieber Entenschnabel-Selfies oder filmen sich dabei, wie sie gespielt verzweifelt an der Tür rütteln. Nach einer Stunde resp. ziemlich genau 75 Minuten sind alle Kinder mit etwas Hilfe von uns erfolgreich befreit und haben gemeinsam das Spiel besiegt. Siegerposen-Selfie!

Fazit: Einige Rätsel gingen gut, andere waren komplizierter, und da noch keines der Mädchen jemals EXIT oder Breakout gespielt hatte, mussten wir doch einiges mehr erklären als geplant. Am Ende aber sind alle irgendwie stolz auf sich, oder jedenfalls froh irgendwie gewonnen zu haben. Ich bin froh, dass alles irgendwie geklappt hat.

Die Mädchen spielen im Garten, dann gibt es Essen und kurz darauf wird im 2-Minuten-Takt abgeholt. Eine Freundin bleibt spontan zum Schlafen hier. Die beiden bauen sich in Ellies Zimmer eine riesige Liegefläche, nehmen das Tablet mit hoch und werden nicht mehr gesehen.

Christoph und ich legen die Füße hoch, essen Geburtstagsreste und prosten uns zu. Geschafft.

Im September gibt es hier den nächsten Geburtstag. Christoph wünscht sich einen selbstgemachten Escape Room von mir.

Mein lieber Ehemann: I would do anything for love, but I won’t. Do. That.

Feiervorbereitung

Morgen feiert das kleine Mädchen ihren Sommerferiengeburtstag mit den Schulfreundinnen nach. Ella hat sich einen Escape Room Geburtstag gewünscht. Da man in dem Alter noch nicht an einem richtigen teilnehmen darf, haben wir kurzerhand (und unbedarft) versprochen, selber einen ein- und herzurichten.

Der physische Raum an sich war nicht das Problem, sondern das Spiel an sich: Christoph und ich haben quasi die gesamte Woche daran gearbeitet. Sollte das Kind jemals daran zweifeln, dass wir sie unvorstellbar lieben, werde ich genüsslich an diese Woche erinnern: es war purer Stress für mich, und zwar nur die Vorbereitung des Escape Rooms.

Eine dicke Ladung grissini-Schoko-Streusel, mehr als beim letzten Mal? Kein Thema!

Einen Kellerraum ausräumen und dekorieren? Mit links!

Hanne backt humpelnd noch 1x Zitronenmuffins und einen Schokokuchen, während Christoph alles im Griff hat und ich innerlich wimmere und auf den Arm will.

Gegen halb 11 sind wir fertig. Den Rest – Tisch decken, dekorieren, etc. – kann ich morgen früh erledigen.

Gäste-WC 2

Morgens noch etwas ungelenk: Schuhe, die irgendwie passen.

Am Mittag streiche ich die Viertelstäbe für’s Gäste-WC.

Der Mann kommt heim und macht weiter, und später fertig.

Hier werden wir Zeuge, wie Christoph das erste Mal in seinem Leben Tapete an die Wand bringt.

Jetzt nur noch die Viertelstäbe dran, und fertig.

Danke.

Schiene

Ich war grade auf dem Rückweg vom Einkaufen, als das große Kind überraschenderweise anrief. Montags hat sie jetzt immer 8 Stunden, aber es waren erst 6 davon vergangen.

Aber, ach, sie ist beim Joggen um die Promenade umgeknickt und hat ausgehalten, so lange sie konnte, weil sie heute viele Fächer das erste Mal hatte, aber nun tut es doch zu weh. Kann ich sie abholen und mit ihr in die Notaufnahme fahren?

Klar, da kenn ich mich aus!

Notaufnahmewartezimmer:

Wartebereich vor’m Röntgen:

Heimweg mit Schiene, die sie nun 4-6 Wochen begleiten wird:

Immerhin nicht gebrochen. Aber dass das Kind, das in der Corontäne jeden Tag 1x um die Promenade gejoggt ist, grade zu Schulbeginn auf eben dieser Strecke umknickt, ist schon gemein.