Corontäne 28: Fischgräte

Mir fällt die Decke auf den Kopf. Es ist Jammern auf hohem Niveau, ich weiß, aber ich fühle mich unproduktiv und lungerig und quengelig. Mir fehlt die alltägliche und unkomplizierte soziale Interaktion mit anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht. Mein Job lebt davon, mit Menschen zu sprechen.

Gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich echt nicht beschweren darf: ich kann mit den liebsten Menschen zu Hause bleiben (und mit wem sonst würde ich das überhaupt aushalten?), in einem Haus, das genügend Zimmer hat, damit jeder auch mal für sich sein kann. Mit Garten, mit Internet, mit Netflix, mit großen Kindern, die sich sogar mögen, mit wenig finanziellen Sorgen, denn irgendwie wird das schon alles klappen.

Trotzdem war ich nörgelig und tat mir selber sehr leid. Keine gute Kombination. Bevor das die gesamte Stimmung im Haus vergiftet, habe ich mir Tape und den Rest der gelben Farbe geholt und mit den Mädchen in meinem Arbeitszimmer gewerkelt. Hanne hatte heute aus Gründen kein Joggen, daher traf sich das gut. Sie half beim Bekleben, Ellie beim Streichen.

Bis zum Nachmittag waren wir fertig.

Davor steht jetzt noch meine graue Couch, und ich war eine Weile sehr glücklich damit. Dann haben Ellie und Christoph mich darauf hingewiesen, dass es aussähe, als wäre ein ziemlich gigantischer Traktor mit gelber Farbe unter dem Reifen meine Wand hochgefahren. Das kann ich jetzt natürlich nie wieder ungesehen machen, aber trotzdem mag ich es.

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