Balance

Als ich Ella zur Schule brachte, hörte ich einen ihrer Klassenkameradem beim Jackeausziehen zu all seinen Freunden sagen, immer und immer wieder, wenn ein neuer Schüler zur Garderobe kam um seine Sachen aufzuhängen: „Heute Morgen hat Mama mir was erzählt, was ich gar nicht wissen wollte. In Berlin war ein schrecklicher Unfall.“ Wie kann man den Kindern erklären, was man selbst nicht versteht? Wie viel darf, wie viel muss, wie viel soll man erzählen, und wie viel muss man abschwächen? Was, wenn sie es gar nicht wissen wollen, so wie der Junge aus Ellas Klasse? Wir sind genauso verloren wie die anderen Eltern.

Wir erziehen unsere beiden Kinder in Toleranz. Empathie. Mitgefühl. Freundlichkeit. Aufmerksamkeit. Dem Wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, in einem Land zu leben, in dem wir sicher sind. In dem Mädchen und Jungen zur Schule gehen und ihr Leben selbstverantwortlich in die Hand nehmen können. Das fängt konkret im Kleinen an für Ella („Mädchen dürfen in manchen Ländern nicht Fahrradfahren.“ oder „Es gibt Länder, da dürfen zwei Männer nicht Hand-in-Hand über die Straße laufen, auch wenn sie sich lieben.“) und wird umfassender für Hanne, die natürlich auch viel mehr mitbekommt in Medien, Gesprächen mit Freunden oder auch dem Unterricht.

Wir reden in der Familie von der Verantwortung, sein Umfeld aktiv mitzugestalten. Wählen zu gehen, weil es ein Privileg ist. Und ringen damit, wie viel wir erzählen sollen vom Umbegreiflichen, das mal näher, mal weiter weg in unser Leben dringt.

 

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