Granada

Von Motril aus geht es 80 Kilometer in den Norden, und einige Höhenmeter kommen auch dazu. Mit Druck auf den Ohren, die schneebedeckten Spitzen der Sierra Nevada zur rechten, ist die Landschaft rechts und links der Straße immer noch staubig, dreckig und braun. Verfallene Hausruinen, Müll, Straßen, die im Nirgendwo enden, abgebrochene Brücken.

Langsam wird es grüner, je näher wir Granada kommen. Die Straßen- und Parksituation in Granada ist eine einzige chaotische Herausforderung. Die Einbahnstraßendichte erinnerte uns an Boston. Es verlangte Christoph viel Gekurve und Navigation, aber letztendlich haben wir, schon leicht genervt, einen Parkplatz 600m von der Unterkunft entfernt gefunden. Vor einem Feuerwehrhydranten, was mich die ganze Zeit befürchten ließ, dass das Auto nicht mehr da sein würde, wenn wir es am nächsten Tag abholen wollen würden. (War es aber.)

Granda ist mit 230.000 Einwohnern etwas kleiner als Münster, aber so bergig, dass ich keinen einzigen Fahrradfahrer gesehen habe. Hoch und runter geht’s durch die Gassen, mal mit, mal ohne Stufen. Erst standen wir vor der falschen Tür, ohne es zu bemerken, und bis wir es bemerkten, waren wir noch später dran als ohnehin schon. (Viel zu spät für unsere deutsche Seele, aber für Spanien ist das ja kein Problem).

Die Unterkunft ist sehr zentral, sauber, hat freies Wifi und liegt nur 200m vom Getümmel entfernt.

Albaicín, Granadas ältestes Stadtviertel, ist unser Anlaufpunkt. Unsere Gastgeberin empfielt uns diesen Rundweg. Wir wohnen ohnein beim zweiten B, das trifft sich gut!

Der „Fluss“ Rio Darro und wir schlängeln uns durch Albaicín,

immer wieder mit schöne Ausichten nach oben.

Es gibt viele verschachtelte Häuser, Anbauten, Terrassen auf unterschiedlichsten Ebenen in Albaicín – alles schief und individuell und schön, rumpelig gepflastert. In diesem Viertel fahren keine richtigen Busse, sondern kleine Büsschen. Touristen erkennt man daran, dass sie sich angstvoll an die Hauswände drücken, wenn der Bus an ihnen vorbeirattert.

Erster guter Ausblick auf die Alhambra:

Wir wollen zum designierten Ausguckspunkt (Mirador) de San Nicolas hochsteigen. Außer uns haben noch ungefähr 2000 andere Menschen diese Idee, daher kann man sich den Blick auf die Karte eigentlich sparen: immer schön mit im Pulk laufen und den ausgetretenen Pfaden folgen. Mittlerweile keuche ich wie unter den letzten Wehen und bewundere meinen engelsgeduldigen, sich meinetwegen sehr zurückhaltenden sportlichen Ehemann.

Vom Kirchplatz von San Nicolas aus gibt es den Postkartenblick auf Alhambra und Sierra Nevada.

Dem Pfad folgend schlendern wir durch kleine Basar-Gassen zurück runter ins Zentrum, kaufen das obligatorische Mitbringelgeschenk für die Mädchen,

und erleben beim Abendessen wenig Service und ein mittelmäßiges Essen. Wenn man kein Spanisch kann, so wie wir, ist man in Granada deutlich im Nachteil. Es gibt kaum englische Übersetzungen an öffentlichen Plätzen, Sehenswürdigkeiten oder Anschlägen, Englisch als Kommunikationssprache verläuft bestenfalls schleppend, teilweise spielen wir einfach Scharade.

Für eine Stadt, die neben der Landwirtschaft als zweites Standbein den Tourismus nennt, empfinde ich das als unhöflich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Touristen, die durch Granada spazieren, Grundspanisch lesen und sprechen können? Wir haben ohne Anstrengung heute Amerikanisch, Chinesisch, Russisch, Japanisch, viel Britisch und Französisch und Deutsch gehört. Natürlich gibt es auch geführte Reiserouten, aber da machen ja auch nicht alle mit.

Allerdings ist Granda an sich sehr sehenswert. Viele Studenten, viele Touristen. Es riecht oft nach Cannabis, wird an den Ecken spontan Musik gemacht. Interrailer, Alternative, Studenten, Straßenmusiker mit Hunden, wilde Katzen, Bars und Restaurants, Kirchen, Gässchen, orientalische Überbleibsel in Architektur und Kultur, eine interessante Mischung.

Auf der Terrasse unserer Unterkunft, auf der irgendwelche Spanier eine Party feiern, trinken wir nach Sonnenuntergang noch ein mitgebrachtes Dosen-Feierabendbier und sehen auf die Lichter von Alhambra und Granada. Es wird kühl. Wir sind hier bei 740 Höhenmetern ja für uns Flachländer auch in den Bergen, und ohne Pullover oder Jacke geht es nicht mehr.

Morgen versuchen wir unser Glück in der Alhambra, bevor wir wieder zurückfahren. Da pro Tag nur 7.700 Tickets verkauft werden, die meisten davon schon Wochen vorher, ist das ein Glücksspiel.

 

 

 

 

 

 

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