Ein anderes Karneval als erhofft

Jedes Jahr, wenn es auf die Karnevalswoche zugeht, kribbelt es mir in den Füßen und im Bauch. Kölsche Musik läuft auf und ab (noch mehr als sonst) und die Whatsapp-Gruppe des harten Kerns der Schulfreundinnen bimmelt in den Tagen vorher konstant mit Lokalvorschlägen, Countdown-Ansagen, Terminen, S-Bahn-Plänen, Fotos von Kindern in Karnevalskostümen und Schnipseln von eigenen Kreationen. Traditionell gehen wir Schulfreundinnen am Samstag miteinander los, Christoph besucht Freunde, die zwar in Köln wohnen, aber mit Karneval „nix am Hoot“ haben, und meine Eltern sind die ganzen jecken Tage für Hanne und Ella da.

Die Schulpflicht sorgt bei uns ja seit 5 einigen Jahren dafür, dass wir Münsteraner erst am Freitag nach der Schule in Richtung Köln aufbrechen können. Der Donnerstag gehört also notgedrungen dem ansässigen Freundeskreis der Exil-Rheinländerinnen. Nachdem Krankheiten und Schwangerschaften die Truppe in diesem Jahr radikalst reduzierten, gab es eigentlich nur noch Christiane und mich, die wir beide ungeduldig darauf warten, bis am Nachmittag endlich, endlich Ehemann oder Großeltern auftauchen, uns die Kinder abnehmen und wir uns beschwingt in die einzig richtige Kneipe aufmachen können. Ich muss sagen, ich war schon ein ziemlich attraktiver Mexikaner mit dunklem, vollbuschigem Schnäuzer und einem verwegenen Dreitagebart.

Da ist so ein unheilbarer Karnevalsvirus in mir, den niemand versteht, der nicht mit Fastelovend aufgewachsen ist.

Alles lief so gut. Es wurde fast nur gute Musik gespielt, am späteren Abend kamen sogar noch Überraschungsgäste, über die ich mich so sehr gefreut habe (Du weißt, wen ich meine!), und dann – dann hab ich mir mein Knie verdreht. Noch nicht mal beim Tanzen, nein nein, sondern beim freundlichen Zur-Seite-Gehen-um-jemanden-vorbeizulassen in der Kloschlange. Ich bin falsch aufgetreten, mein Knie hat einfach nachgegeben, bums. Das tat sogar mit einem nicht unerheblichen Anteil Kölsch im Körper noch derbe weh und beendete meinen Abend abrupt und vor der geplanten Zeit.

Wie beruhigend, wenn man dann Freunde dabei hat, die einen humpelnd zum Fahrrad begleiten und bis zur Haustür bringen – danke, danke, danke! Geschlafen hab ich schlecht und wenig, und am nächsten Morgen hat Christoph mich früh in die Unfallchirurgie gefahren. Das Ergebnis nach über 4 Stunden dort (kein Arbeitsunfall. Nicht privat krankenversichert.) ist, dass am Knochen und der Kniescheibe alles gut ist, die Kreuzbänder ebenfalls in Ordnung zu sein scheinen, aber das Innenband um’s Knie herum etwas mitbekommen hat. Gerissen ist es nicht, aber so richtig gut geht’s ihm auch nicht. Ach was. Ist das vielleicht der Grund, warum ich humpele, das Bein nicht belasten und nicht weit beugen kann?

Ich soll das Knie hochlegen. Schonen. Nicht beugen. In der Radiologie versuchen, einen möglichst zeitnahen Termin für ein MRT zu bekommen (erneut: kein Arbeitsunfall. Nicht privat krankenversichert, man geht von mehreren Wochen Wartezeit aus) und danach je nach Bedarf nochmal wiederkommen.

So sind wir dann am Freitag nach Unfallchirurgie und Schule nach Köln gefahren. Seitdem lege ich mein Bein hoch, schone, beuge wenig und lasse mich von meinen Eltern bedienen. Ich winke unseren Mädchen zu, die sich mit Oma und Opa Züge anschauen gehen und rotwangig, mit blitzenden Augen volle Tüten schleppend hereingewirbelt kommen, mit meinem eigens aus Abu Dhabi angereisten Bruder (da ist er wieder, der Karnevalsvirus!) in Windeseile die Kamelle sortieren und gleich wieder zum nächsten Zug aufbrechen.

Dieses Jahr gibt es also kein Mädchenkarneval für mich, aber Nike ist gestern für 2 Stunden zum Quatschen und Berlineressen vorbeigekommen. Abends bekam ich aktuelle Gruppenfotos zugeschickt, und Hanne und Ella haben Spaß – eine als Flamencotänzerin, die andere als Waldnymphe – und nehmen ihren Vater heute mit meinem Mexikanerponcho mit zum Zug.

 

 

One thought on “Ein anderes Karneval als erhofft

  1. […] man alt wird, so wie ich mit meinen mittlerweile soliden 40, lässt der Körper nach. Was vor 3 Jahren mit einem ausgeleierten Band am Knie an Weiberfastnacht begonnen hat, passierte mir dieses Jahr wieder. Wieder in dieser Kneipe, wieder […]

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