Collage

Nachdem Hanne letzte Woche bei Theresa in Ohnmacht gefallen war und sich darüber die ganze Woche intensiv Gedanken machte, wollte sie heute das erste Mal nicht zum Malen. Da sonst nichts wichtiger ist als der Malkurs (keine Besuche der Großeltern, keine Krankheit, und auch nicht die Tatsache, dass sie freitags nach der Schule gerechtfertigterweise schlapp und wochenendbereit ist), war das schon ein heftiges Anzeichen.

Auch mein Versprechen, sie zu bringen und Theresa zu bitten, kein Thema aus der Ohnmacht zumachen, half nicht. Da Christoph und ich uns einig waren, dass sie auf jeden Fall gehen sollte, wurde ich unfair und begründete, dass wir den Kurs schon bezahlt hatten und dass er teuer sei. Also ließ sich Hanne, die sich seit dem Hauskauf Gedanken übers Geld macht, widerwillig darauf ein, es noch einmal zu probieren – allerdings mit Bauchschmerzen. Die Collage wollte sie aber auf keinen Fall zu Ende machen, denn die erinnere sie nur daran, dass es ihr letzte Woche nicht gut ging.

Ich holte Hanne um Punkt 3 in der Schule ab, damit sie noch eine volle Stunde Pause hatte, und danach wir beide gemeinsam Ellie. Ich hatte eine Menge zu essen und zu trinken dabei und wir schlenderten gemütlich in Richtung Kreuzkirche. Während der ganzen Zeit erklärte mir Hanne mehrmals, dass ich sie runter ins Atelier bringen musste, und was genau ich sagen sollte, was ich nicht sagen durfte, was sie machen wollte, wenn es ihr wieder schlecht ginge, und dass ich wahrscheinlich eh angerufen werden würde, es sich also nicht wirklich lohne, heim zu fahren.

Vor Theresas Tür aber trafen wir Emma, mit der Hanne offensichtlich schon in der Schule darüber sprach, denn sie kam direkt zum Punkt und sagte: „Hanne, soll ich das Theresa sagen von letzter Woche?“ Hanne sagte ja, tapperte hinter Emma die Treppe runter und als ich hinterherrief, ob ich denn jetzt noch mitkommen sollte, hörte ich nur noch ein zweistimmiges „nei-hein!“ – und radelte mit Ellie heim.

Natürlich rief mich keiner an, und natürlich ging es ihr gut, und natürlich hatte Hanne eine tolle Zeit und sprang mir beim Abholen förmlich entgegen, damit ich mir ihre fertige Collage und den Anfang der malerischen Umsetzung anschauen konnte.

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